Die Auftakt im Rückspiegel: Unser Reporter hat sich im Fahrerlager von Melbourne umgehört. Das sind die heißesten Themen hinter den F1-Kulissen.
Bild: ABMS / Picture-Alliance
Ralf Bach
Nach fast vier Monate Pause traf sich der Rennzirkus am Wochenende endlich im Albert Park von Melbourne wieder. Während auf der Strecke für Spannung gesorgt war, ging es auch hinter den Kulissen im Fahrerlager hoch her. Lewis Hamilton etwa hat einen neuen Vertrag vor Augen, Max Verstappen eine neue Freundin - und Force-India alte Probleme. Unser Reporter Ralf Bach hat sich im Paddock umgehört. Das sind die heißesten Themen beim Auftakt in Australien - auch auf einen Schlag zum Durchklicken in der Galerie!
Golf-Profi Hülkenberg
Auf der Strecke konnte der Renault-Pilot Teamkollege Carlos Sainz schlagen - nicht aber beim Golfspielen. Das brachte den "Hulk" auf die Palme...
Lewis Hamilton und Mercedes feilen an den letzten Vetragsdetails für die Verlängerung des Briten. Was das mit der Modemarke Tommy Hilfiger zu tun hat...
Der Designer Moko ist ein Evergreen im Fahrerlager. Nun lässt er für Liberty Media seine Beziehungen spielen und holt die legendären Stones nach Monaco...
Die finanzielle Situation von Force India bereitet Sorgen. Das Team kämpft mittlerweile ums nackte Überleben. Was das mit Konkurrent Williams zu tun hat...
Die besten Bilder vom Auftakt der Formel 1 und Vettels roter Sieges-Sause hier:
Formel 1: Boxengeflüster aus Australien
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Renault-Pilot Nico Hülkenberg konnte nach dem Rennen in Melbourne wieder lachen. Mit dem siebten Platz hat der Emmericher das Maximalziel erreicht. Schon am Donnerstag prophezeit er: "Wir müssen realistisch bleiben. Die ersten sechs Plätze sind besetzt, wenn nichts Besonderes passiert. Ich spreche hier von beiden Mercedes, beiden Ferraris und beiden Red Bulls. Also müssen wir direkt dahinter ins Ziel kommen."
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Den siebten Platz schaffte Hülkenberg dann auch. Obwohl einer der beiden Mercedes (Valtteri Bottas) nur Achter wurde. Dafür wurde Hülkenberg von Fernando Alonso (McLaren) geschlagen, der auf Platz fünf ins Ziel kam. Den hatte er nicht auf der Rechnung. Dennoch war der Deutsche mit dem Wochenende von Melbourne zufrieden, das gar nicht lustig begonnen hatte.
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Bei einem Renault-Event auf einem Golfplatz weigerte er sich schlecht gelaunt, für RTL den Golfschläger in die Hand zu nehmen – obwohl ihn der Kölner Sender zwecks Filmaufnahmen mehrmals bat. Den Grund erfuhr ich später: Zwei Stunden zuvor hatte Hülk mit Teamkollegen Carlos Sainz geübt. Dabei soll er sich im Gegensatz zum Spanier nicht gerade als Multitalent geoutet haben, was seine gute Laune in Grenzen hielt.
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Natürlich sprach ich ihn drauf an. "Na, Nico, das Golfspielen müssen wir noch üben, habe ich gehört?" Hülkenbergs Antwortet meißelte mir wie erwartet das Grinsen ins Gesicht: "Wer sagt das? Blödsinn. Im Prinzip können Woods und Kaymer jetzt schon einpacken..."
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Humor hat er ja, der Jos Verstappen. Der Vater von Max stellte mir im Red-Bull-Motorhome seine neue Freundin vor. Das wollte er mir zumindest weißmachen. Aber ganz blöd bin ich ja nicht. Ich fragte die junge Dame: „Du bist doch aus München?" Sie bejahte. Darauf ich zu Jos: "Verarschen kann ich mich selbst. Ich weiß schon, wer die junge Dame ist: die Freundin von Max."
Bild: Dilara S. Instagram
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Wie auch immer: Dilara Sanlik, das ist ihr Name, sagte schüchtern "Ja." Jos zuckte nur grinsend mit den Schultern. Dilara ist aus München, studiert und ist Fan vom FC Bayern. Die beiden lernten sich vor einem halben Jahr im Haus von Red-Bull-Chefberater Helmut Marko kennen. "Das stimmt," bestätigte Dilara," "unsere Familien kennen sich schon lange."
Bild: Dilara S. Instagram
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Melbourne war aber nicht ihr erster Formel-1-Besuch. "Ich war schon in Abu Dhabi, da hat man mich aber noch mehr versteckt", lächelte Dilara hintergründig. Für Max Verstappen, so mein Eindruck, ist die zurückhaltende junge Dame, das Beste, was ihm passieren konnte. Als ich ihm das persönlich sagte, stimmte er zu: "Das ist wahr."
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Der "Verkuppler" des Paares war dagegen nicht so entspannt am Wochenende. Aus gutem Grund: Denn seine schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich schon im Qualifying. Helmut Marko führte Hamiltons Superrunde (sieben Zehntel vor dem Rest) hauptsächlich auf den überlegenen Motor zurück - besonders auf einen Zusatzknopf, mit dem sie im Qualifying noch mal zusätzlich Leistung abrufen können. Und den sonst keiner hat, auch nicht die Mercedes-Kunden.
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Marko: "Sie gewinnen ihre Zeit auf der Geraden. Wenn da nicht endlich was passiert, ist jede WM bis 2020 entschieden. Da können wir noch so schnelle Autos bauen, da können unsere Fahrer noch so viel Gas geben. Die FIA muss dafür sorgen, dass die Motoreinstellungen von Rennen und Qualifying in Zukunft identisch sein müssen."
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Hintergrund: Bis 2020 bleiben die Hybridmotoren. Erst ab 2021 gibt es ein neues Motorreglement, von dem sich Marko mehr Chancengleichheit verspricht: Ein V6-Motor mit doppeltem Turobolader und einfachen KERS-System verdichtet sich immer mehr als Favorit.
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Markos Ex-Starfahrer Sebastian Vettel sieht die Mercedes-Überlegenheit dagegen nicht so dramatisch: "Ich kann aber nur für Ferrari sprechen. Mercedes hat dieses System. Sie haben es im dritten Qualifying-System auch benutzt. Aber unsere GPS-Daten zeigen, dass der Vorteil vielleicht bei einem Zehntel lag oder ein bisschen mehr. Lewis hat einfach eine perfekte Runde hingekriegt. Ich fühlte mich mit dem Auto dagegen noch nicht richtig wohl. Das kann auf einer Strecke wie Melbourne im Qualifying eine große Rolle spielen."
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Lewis Hamilton, der nach seinem zweiten Platz hinter seinem neuen Lieblingsfeind Sebastian Vettel extrem sauer aus Melbourne abreiste, kann sich dafür bald mit einem neuen Mercedes-Vertrag trösten, der ihm insgesamt 150 Millionen Euro einbringen soll. Um drei Jahre will Mercedes mit dem extrovertierten Briten verlängern. Hamilton, so hört man, will sich dann Ende 2021 mit acht WM-Titeln in der Tasche aus der Formel 1 in Richtung Colorado verabschieden.
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Toto Wolff zu mir über den Vertrag: "Er ist so gut wie in trockenen Tüchern. Lewis und wir sind absolut auf einer Wellenlänge. Aber ein solcher Vertrag umfasst über 100 Seiten mit entsprechend vielen Punkten. Und das alles muss erstmal durchgeackert werden. Das dauert eben."
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Eine der Forderung von Hamilton soll der Wechsel von Boss zu Tommy Hilfiger als Kleiderausrüster des Teams gewesen sein, damit er dort eine eigene Modelinie promoten kann. Die Hilfiger-Produkte präsentierte der Brite jedenfalls schon protzig in Melbourne.
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Apropos Mode: Moko ist ein Schmuck- und Modedesigner aus Tansania, der schon seit Jahren im Fahrerlager nicht nur bei Ferrari ein und ausgeht. Der Mann, der heute Filialen unter anderem in New York, Miami, Los Angeles, Paris und Genf hat, ist eines der Gesichter der neuen Formel 1. Rechteinhaber Liberty bat ihn, in einem Kampagnevideo aufzutreten und Moko sagte ja.
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Mehr als an der Formel 1 hängt Moko aber noch an den Rolling Stones. Er ist eng mit Keith Richards und Mick Jagger befreundet und er arbeitet jetzt für sie. In Melbourne trug er beispielsweise ein Designer-Hemd im Stones-Look für die neue Tournee. Kostenpunkt: 600 Dollar. Moko verspricht zur Freude von Liberty: "Mick Jagger wird zum GP nach Monaco kommen."
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Über solche Art von Glamour hat der kommissarische Force-India-Teamchef Bob Fearnley im Moment keine Lust nachzudenken. Als ich den Stellvertreter von Vijay Mallya, der aus juristischen Gründen sein Exil in England nicht verlassen darf und dessen Gelder in seiner indischen Heimat Indien vom Staat eingefroren worden, fragte, wie ernst die finanzielle Situation bei Force India sei, war er sehr offen zu mir.
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Fearnley: "Die nächsten vier Wochen werden entscheiden, ob wir überleben werden. Ich muss kurzfristig viel Geld auftreiben. Kurzfristig deshalb, weil das Budget mit Ein -und Ausgaben bis Ende des Jahres eigentlich abgesichert ist. Das Problem ist: Bisher konnten wir uns die Fernsehgelder, die uns zustehen, immer früher auszahlen lassen. Dafür brauchten wir immer die Zustimmung der Teams, die sie bisher auch immer gaben. Doch diesmal legte Williams Veto ein." Fearnley ist dennoch optimistisch: "Ich habe einen Plan, der in den nächsten zwei bis drei Wochen funktionieren könnte."