Formel 1: Die große Testanalyse
Wie stark hat Ferrari aufgeholt?

Verschiedene Testprogramme, Tankfüllungen und Reifen erschweren die Analyse der Kräfteverhältnisse vor dem Saisonauftakt 2016: ABMS zeigt die Trends auf.
Bild: Picture-Alliance
- Michael Zeitler
Mercedes machte allen Analysten einen Strich durch die Rechnung. Die Weltmeister ließen die Hosen nicht runter: Keine Runde auf Supersoft-Reifen, keine auf ultrasoft. Beide sind schneller als die Soft-Mischung, laut Reifenhersteller Pirelli um 1,1 Sekunden respektive 1,7 Sekunden. Wer die Zeiten gegenrechnet, stellt schockierend fest: Mercedes müsste demnach 1,4 Sekunden schneller sein als Ferrari. Doch alle Vettel-Fans dürfen aufatmen: Dem ist nicht so. Kimi Räikkönen drehte im Ferrari auch auf Soft eine Runde, die um 0,3 Sekunden an seine Ultrasoft-Bestzeit herankam. Und die sogar schneller war als die Soft-Runde von Nico Rosberg.
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Nächste Vergleichsmöglichkeit sind die schnellsten Zeiten auf den Medium-Reifen. Hier war Mercedes eine halbe Sekunde schneller als Ferrari – ein durchaus realistisches Bild. Denn auch die Durchschnittszeiten der Rennsimulationen ergaben einen Rückstand von Ferrari auf Mercedes von drei bis fünf Zehntelsekunden. Beide Mannschaften simulierten eine Dreistoppstategie mit einem Satz weichen und drei Satz mittelharten Pneus.Ferrari hat noch Reserven. Die ersten sechs Tage quälten sie Probleme mit der Kurbelwelle. Mehrmals musste der Motor getauscht werden. Erst an den letzten beiden Tagen waren alle Schwierigkeiten behoben. Das Mercedes-Lager fürchtet zudem ein großes Aerodynamik-Update am Ferrari SF16-H, das noch vor dem Auftakt in Australien am 20. März kommen soll.
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Wie sieht es mit dem restlichen Feld aus?
Williams könnte sich wieder als dritte Kraft etablieren. Die Zeiten auf den soft-Reifen waren in der Liga von Ferrari. Auf den noch weicheren Mischungen kann Williams nicht zulegen, was auf eine kleine Qualifying-Schwäche schließen lässt. Aber die Longrun-Zeiten waren konstant schnell.

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Red Bull setzt alle Hoffnungen in das Motorupdate von Renault zum Kanada-GP, das 35 PS bringen soll. Motorsportchef Dr. Helmut Marko spricht vom stärksten Red-Bull-Chassis aller Zeiten. Möglich, dass die Bullen dann wieder mit den drei besten Teams der Formel 1 kämpfen.Force India ist richtig schnell auf eine Runde. Nico Hülkenberg rangiert alle acht Tage zusammengerechnet auf Rang vier. Selbst, wenn man nur die Zeiten auf den Soft-Reifen heranzieht, landen die beiden Force-India-Piloten auf den Plätzen acht und neun, also in den Top-10. Die Schwäche ist offenbar die Rennpace. Die Zeiten brechen zu schnell ein, das Auto frisst die Reifen also schneller als die Flitzer der Konkurrenz.
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Renault steht besser da als erwartet. Erst im Dezember lief die Übernahme des Lotus-Teams über die Bühne. Da blieb keine Zeit mehr, viel am Chassis zu entwickeln. Lotus war finanziell angeschlagen und hatte genug damit zu tun, die Saison überhaupt beenden zu können.Sauber hat den neuen Rennwagen als einziges Team erst in der zweiten Testwoche gebracht. Trotzdem scheint die Basis recht gut zu sein. Die Zeiten waren schnell. Punkte aus eigener Kraft werden schwierig, aber die Top-15 sind realistisch.

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Manor geht in die siebte Formel-1-Saison, aber noch nie waren die Vorzeichen so gut. Die technischen Partnerschaften mit Mercedes und Williams tragen Früchte, ebenso die Verpflichtung von DTM-Meister Pascal Wehrlein. Manor fährt nicht mehr hoffnungslos hinterher, dürfte aber weiterhin die Rote Laterne des Letzten tragen.
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