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Formel 1: Ecclestone nimmt Ferrari in Pflicht

„Vettel ist Opfer, nicht Täter“

Bernie Ecclestone spricht im Jahressonderheft von AUTO BILD MOTORSPORT über die Situation bei Ferrari.
Ex-Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone (88) ist bekannt dafür, in unterschiedlichen Ländern Interviews mit ganz verschiedenen Inhalten zu geben. Manchmal widersprechen sich seine Aussagen sogar. Im Sonderheft von AUTO BILD MOTORSPORT zum Jahresrückblick 2018 rückt er nun jedenfalls seine Kritik an Sebastian Vettel gerade. Der Deutsche könne Ferrari nicht wie Michael Schumacher aus der Krise führen, hatte Ecclestone in Italien zuletzt gegen seinen Freund geschossen.  
Zu AUTO BILD MOTORSPORT sagt er nun: „Lewis ist ein verdienter Weltmeister geworden und Sebastian ein unverdienter Zweiter.“ Was er damit meint: „Dass Lewis überragend war, aber auch die totale Unterstützung vom Team bekam. Das kann man bei Sebastian nicht behaupten. Mein Eindruck ist, dass Ferrari nach dem Tod von Sergio Marchionne in alte Strukturen verfiel. Es fehlte die starke Hand, und es herrschte mehr Chaos als konstruktives Handeln. Es gab plötzlich merkwürdige Fehler in der Strategie, und von außen hatte man den Eindruck, dass Ferrari mehr für Kimi Räikkönen machte als für Sebastian. Er ist Opfer, nicht Täter.“

Ecclestone nimmt Ferrari in Pflicht

Ecclestone ist sicher: „Hätte Ferrari ihn genauso unterstützt wie Mercedes Lewis, Sebastian hätte auch Weltmeister werden können. Ein Team muss seinen Titelkandidaten kompromisslos unterstützen. Genau das hat Mercedes gemacht, Ferrari leider nicht.“
Der 88-Jährige kritisiert damit vor allem das Teammanagement um Maurizio Arrivabene. Tatsächlich wird dessen Machtkampf gegen Technikchef Mattia Binotto immer mehr zum Thema. Statt sich auf das Duell gegen Mercedes zu konzentrieren, verstrickte sich Ferrari in hausgemachten Streitigkeiten und dadurch ausgelöste Unsicherheit. Hintergrund: Binotto sollte auf Wunsch von Marchionne Ende des Jahres Teamchef werden. Viele Insider trauen dem ruhigen und so gar nicht italienisch wirkenden Techniker das auch zu. Im Team hat er großen Rückhalt. Doch als der Präsident im Sommer starb, nutzte Arrivabene das Machtvakuum, um seine eigene Position zu stärken.
Trotzdem muss die Frage erlaubt sein: Darf ein WM-Kandidat wirklich so viele Fehler machen wie Vettel in diesem Jahr? Eigentlich nicht. Ecclestone: „Das stimmt, aber man muss auch fragen warum? Ein Team muss einen Toppiloten stärken, nicht schwächen. Jean Todt stand damals voll hinter Michael. Aber wenn ein Fahrer die Unterstützung seines Teams nicht spürt, steigt die Fehlerquote. Denn das meiste spielt sich im Kopf ab. Auch Lewis war 2016 nicht so souverän, als er sich mit Nico Rosberg duellieren musste. 1986 verlor Williams den Titel, weil sie Nigel Mansell und Nelson Piquet nicht im Griff hatten. Damals profitierte Alain Prost davon. 2007 wäre Fernando Alonso locker Weltmeister geworden, wenn Ron Dennis und McLaren rechtzeitig ins Teamduell mit dem damaligen Neuling Lewis Hamilton eingegriffen hätte. Sie taten es nicht, nur so konnte Kimi Räikkönen gewinnen.“
Vettel versus Schumacher: Der Ferrari-Ära-Vergleich
Schafft Vettel trotzdem in seinem fünften Ferrari-Jahr wie Michael Schumacher die Wende? „Da habe ich keine Zweifel“, so Ecclestone, der das Team in die Pflicht nimmt. „Aber er braucht eben auch Unterstützung von Ferrari.“ Fakt ist dort: Eine Vertragsverlängerung für Teamchef Arrivabene ist noch nicht unterschrieben. Präsident John Elkann, Geschäftsführer Louis Camilleri und Vizepräsident Piero Ferrari müssen schnellstmöglich die richtige Entscheidung für Ferraris Zukunft treffen. Bleibt Arrivabene im Amt, dürfte Binotto das Team verlassen. Die Konkurrenz hat längst Interesse angemeldet. Für Ferrari wäre das ein großer Rückschritt auf dem Weg zum ersten WM-Titel seit 2008.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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