Die Erkenntnis der ersten Wintertestwoche ist klar: Mercedes hat Rückstand. Sowohl auf Ferrari als auch auf Red Bull. Rund fünf Zehntelsekunden pro Runde fehlen auf Ferrari, da sind sich Konkurrenz und Mercedes-Techniker einig.
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Auch auf der Suche nach dem Grund gibt es eine heiße Spur: Offenbar ist das Konzept des Mercedes mit einem geringen Anstellwinkel schuld. Denn: Ferrari hat seinen neuen, breiteren und simpleren Frontflügel grundlegend anders gebaut als Mercedes. Die hinteren Flaps fallen nach außen hin ab. Das ermöglicht eine noch bessere Umströmung der Vorderreifen.
Ferrari
Ferrari hat seinen neuen, breiteren und simpleren Frontflügel grundlegend anders gebaut als Mercedes.
Allein: Dieses Flügelkonzept funktioniert nur mit einem stark angestellten Auto. Weil der vorn durch die flacheren Flügel fehlende Abtrieb durch eine größere Sogwirkung des Unterbodens aufgefangen werden muss.
Mercedes geht einen anderen Weg, leitet mit nach innen gerichteten Endplatten die Luft innen an den Vorderrädern vorbei. Allein: Das ist offenbar weniger effizient. Das Weltmeister-Team hat nun zwei Möglichkeiten: das eigene Fahrzeugkonzept mit dem altmodischen Frontflügel konsequent weiterentwickeln oder das Aero-Konzept des Autos radikal umbauen. Mercedes-Sportchef Toto Wolff: „Ferrari ist die Messlatte und wir alle orientieren uns an ihnen. Wir müssen uns also ihr Konzept anschauen und entscheiden, ob wir unserer Philosophie treu bleiben oder ob wir sie ändern müssen.“
Die Entscheidung fällt nicht leicht. „Ein Komplettumbau dauert in etwa drei Monate“, schätzt Ex-Jordan-Technikchef Gary Anderson, der den Silberpfeil an der Strecke beobachtete und ihm ein „nervöses“ Fahrverhalten attestiert. Heißt auch: Erst zum Europaauftakt in Barcelona könnte der neue Renner fertig sein.
Und: So ein Umbau geht in die Millionen. AUTO BILD MOTORSPORT weiß: 2008 hatte BMW-Sauber bei den Tests im Winter ebenfalls festgestellt, dass das Autokonzept nicht funktionierte. Die Entwicklung eines neuen Wagens kostete damals zehn Millionen Schweizer Franken.
Bei Mercedes in Brackley dürften deshalb derzeit die Köpfe und Computer rauchen. Toto Wolff steht vor einer schweren Entscheidung. Und er hofft auf neue Teile, die nächste Woche ans Auto kommen: „Lasst uns nächste Woche abwarten. Das wird eine wichtige Phase, wenn das neue Aeropaket kommt.“
Übrigens: Obwohl Red Bull einen ähnlichen Frontflügel wie Mercedes fährt, haben die Österreicher kein Problem. "Wir könnten schnell auf die Ferrari-Version wechseln, wenn es nötig wäre. Scheint es aber nicht zu sein", sagt Motorsportberater Helmut Marko zu ABMS. Grund: Der Red Bull ist wie der Ferrari stark angestellt. Dazu entlastet ein rundes Loch in der Nase den Frontflügel bei seiner Arbeit. Mercedes muss also aufpassen, dass nicht nur Ferrari durchschlüpft, sondern auch noch Red Bull…