Alle reden vom neuen Weltmeister Max Verstappen (24). Dabei gibt es noch andere große Gewinner der letztjährigen Formel-1-Saison, auch wenn sie keine Titel gewonnen haben. Ganz oben auf der Liste der „unsung heroes“ steht Carlos Sainz junior (27).
Der Sohn der spanischen Rallyelegende Carlos Sainz (59) schaffte es in seinem ersten Jahr bei Ferrari gleich mal seinen Teamkollegen Charles Leclerc (24) zu schlagen. 5,5 Punkte hatte der Spanier am Ende der Saison auf WM-Platz fünf mehr auf dem Konto als der Monegasse (Rang sieben), der bis dato immerhin das Image eines Wunderknaben hatte. Ein zweiter Rang auf der Fahrerstrecke in Monaco hinter Max Verstappen ist da nur das I-Tüpfelchen in der Saison 2021 für den Spanier.
Dass Sainz, der aus dem Red-Bull-Nachwuchskader stammt, gut ist, stand freilich nie zur Debatte. Aber nicht nur Experten wie Ralf Schumacher stellen sich nach seinem erfolgreichen Debütjahr jetzt die Frage: Wurde Sainz bisher unterschätzt oder Leclerc überschätzt?
Red-Bull-Chefberater Helmut Marko (78), der Sainz 2015 zu Alpha Tauri (damals Toro Rosso) in die Formel 1 holte, redet bei ABMS wie immer Klartext: „Carlos ist ein sehr guter Rennfahrer, Dass er Red Bull verlassen hat, lag nicht an seinen Leistungen. Jedenfalls hat er gezeigt, dass Leclerc wohl doch nicht der Wunderknabe ist, für den ihn viele gehalten haben.“
Ferrari-Pilot Carlos Sainz war die Überraschung des Jahres 2021.
Dabei sieht sich Sainz selbst immer noch falsch bewertet. Nicht nur extrem hartes Arbeiten habe ihn beflügelt, so wie ihm oft unterstellt wird, sondern, auch sein besonderes Talent. Sein Vater bestätigt das. Der Rallyeweltmeister von 1990 und 1992, der auch heute noch unter anderem bei der Rallye Dakar aktiv ist, sagt über den Vergleich mit seinem Sohn zu ABMS: „Ich glaube, dass er das größere Naturtalent ist. Rein vom Fahrgefühl her.“
Der Filius gibt das Lob gerne zurück: „Von meinem Vater habe ich die Einstellung, die Champions brauchen. Und den ewigen Hunger aufs Gewinnen.“
Diese Weisheit hat Sainz junior immer geholfen, besonders in den heißen Teamduellen bei Toro Rosso mit einem gewissen Max Verstappen. Und jetzt bei Ferrari, an der Seite vom Teamliebling Leclerc.
Fest steht: Jahrelang wurde Sainz unterschätzt. Auch, weil er schon dreimal sogenannte Supertalente als Teamkollegen hatte, die im im Fokus der Öffentlichkeit standen. Bei Toro Rosso Verstappen, bei McLaren Lando Norris und jetzt bei Ferrari Leclerc. Allein: Gegen alle drei schnitt er gut ab, nur es fiel weniger auf.
Jetzt zählt Sainz selbst zu den Toppiloten, die man auf der Rechnung hat. Marko: „Durch das neue Reglement ist es schwierig, Prognosen für diese Saison zu treffen. Aber sollte Ferrari mit dem neuen Auto ein großer Wurf gelingen, kann Carlos sicher um den Titel mitfahren.“ Sein ehemaliger Schützling wird es sicher gerne hören.

Von

Ralf Bach