Ferrari ist auferstanden. Das springende Pferd galoppiert wieder in der Formel 1: Charles Leclerc (24) führt die WM nach zwei Rennen vor seinem Teamkollegen Carlos Sainz (27) an. Ein Sieg und ein zweiter Platz für den Monegassen unterstreichen die Renaissance der Roten.
Doch immer, wenn ein Team plötzlich vorneweg fährt, kommen Zweifel. Vor allem bei der Konkurrenz. Im Visier bei Ferrari: der runderneuerte Hybridantrieb. „Ich weiß ja nicht, was die Haas für einen Motor haben, aber ich kann ihnen nicht folgen“, funkte Ex-Weltmeister Lewis Hamilton im GP Bahrain, als er gegen den Ferrari-befeuerten Kevin Magnussen auf Rang neun keine Chance hatte.
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Das Problem: Solche Verschwörungstheorien entstehen meist dann, wenn eine Mannschaft eine entscheidende Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr erzielen konnte. Bei Ferrari ist das eindeutig der Fall.
„Ferrari hat jetzt mit Abstand den besten Motor“, sagt Christian Danner im AvD Motor und Sport Magazin. „Das gab es schon mal, der war damals (unter anderem; d. Red.) bei Sebastian Vettel aber nicht ganz sauber. Nach der Veränderung war er dann echt schlecht. Jetzt ist er wieder verdächtig gut. Deshalb wird auch im Fahrerlager spekuliert, wie das geht.“
Vor zwei Jahren noch war es eine Luftpumpe, jetzt hat Ferrari den stärksten Motor im Feld.

Hintergrund: Nachdem Ferrari in der ersten Jahreshälfte 2019 auf den Geraden allen davonfuhr, vermutete die Konkurrenz einen illegalen Trick. Die Regelhüter der FIA schoben diverse Richtlinien zum Betrieb des Aggregats nach. Plötzlich schwand der Vorteil. In der Winterpause leitete die FIA eine Untersuchung ein. Resultat: ein geheimer Deal zwischen Ferrari und dem damaligen FIA-Präsident Jean Todt. Die Folge: 2020 hatten Vettel und Leclerc eine Luftpumpe im Heck. Seitdem war in der Szene klar: Ferrari hatte mehr als nur eine Grauzone ausgenutzt.
Doch genau dieser Vorgang könnte der Scuderia jetzt in die Karten spielen. Denn zur Strafe gehörte damals auch Ferraris Verpflichtung, die FIA bei der Forschung zu Biosprit zu unterstützen.
„Die FIA ​​und Ferrari haben eine Reihe technischer Verpflichtungen vereinbart“, hieß es damals in der Presseaussendung, „die die Überwachung aller Formel-1-Aggregate für die kommende Meisterschaftssaison verbessern und die FIA ​​bei anderen regulatorischen Aufgaben in der Formel 1 sowie bei ihren Forschungsaktivitäten zu CO2-Emissionen und synthetischen Kraftstoffen unterstützen sollen.“
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Dazu passt: Für 2022 hat der Weltverband den Anteil von nachhaltigen Bestandteilen im Kraftstoff von fünf auf zehn Prozent erhöht. Alle Motorhersteller mussten dazu die Brennräume ihrer 1,6-Liter-V6-Turbos anpassen. Insider munkeln, das kostet rund 20 PS, die Ferrari gemeinsam mit Spritpartner Shell aber längst wieder aufgeholt haben soll.
Ex-Formel-1-Teamchef Colin Kolles im AvD Motor und Sport Magazin: „Vielleicht war die Strafe rückblickend ja gar keine Strafe mehr. Vielleicht hat Ferrari von der gemeinsamen Forschung mit der FIA ja sogar ungewollt profitiert?“
Fest steht jedenfalls: Mercedes hat unter der Sprit-Umstellung stärker gelitten als Ferrari oder auch Red Bull-Honda. Kolles verrät: „Ich habe gehört, dass dem Triebwerk in Saudi-Arabien 0,5 Sekunden pro Runde gefehlt haben.“ Red Bull-Chefberater Helmut Marko glaubt das nicht ganz: „So viel ist es nicht, aber ein Rückstand ist beim Motor definitiv da.“
Mercedes fehlt es diese Saison an Power.

Aber sind Ferrari und auch Red Bull wirklich so gut oder ist Mercedes ungewöhnlich schlecht? Experten spekulieren, dass bei den Silberpfeilen unter anderem Ex-Motorchef Andy Cowell fehlt. Der Vater des Hybrid-Monsters hat die Mercedes-Motorschmiede in Brixworth Mitte 2020 verlassen. Weitere Top-Techniker sind 2021 zu Red Bull abgewandert, darunter Ben Hodgkinson, der bei Mercedes als Chef für die Motormechanik arbeitete.
Mercedes-Teamchef Wolff will den Antrieb aber nicht ins Zentrum der Kritik rücken. „Es ist wichtig, jetzt nicht auf einzelne Bereiche des Autos mit dem Finger zu zeigen. Wir operieren als Team und wir haben Defizite, die wesentlich größer sind als nur ein Motorendefizit.“
Was für die ehemaligen Dauersieger trotzdem zum großen Problem werden kann: Die Power Units wurden vor Saisonbeginn bis Ende 2025 aus Kostengründen eingefroren. Das heißt: Weiterentwicklungen zu Performance-Zwecken sind verboten.
Eine Situation, in der der eigene Handlungsspielraum begrenzt ist, triggert Verdächtigungen gegen die Konkurrenz. Dass Ferrari erneut eingebremst wird, gilt aber als unwahrscheinlich. Grund: Der Vorsprung ist anders als 2019 nicht unerklärbar groß. Es scheint eher, dass Mercedes erstmals seit acht Jahren auf dem Motorsektor nicht das Nonplusultra gebaut hat. Eine ganz natürlich Entwicklung im Sport. Jede3 Dominanz endet irgendwann. Auch die von Mercedes.

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Von

Bianca Garloff