Sonntagabend, 19.50 Uhr, Imola: Charles Leclerc springt in seinen Dienst-Ferrari mit monegassischem Kennzeichen und dampft aus dem Fahrerlager im Autodromo Enzo e Dino Ferrari ab. Mit hängendem Kopf lässt seine Körpersprache nicht viel Interpretationsspielraum. Die wartenden Ferrari-Fans aber muntern ihren Helden auf: Es gibt Schulterklopfer und viel Zuspruch - trotz Leclercs Fehler im GP der Emilia Romagna rund drei Stunden zuvor.
Längst ist der 24-Jährige Ferraris neuer Messias, von den Tifosi zum Heilsbringer auserkoren, der die Durststrecke der Scuderia nach 15 Jahren ohne WM-Titel endlich beenden soll. Selten standen die Chancen so gut wie 2022: Ferrari ist mit dem F1-75 ein großer Wurf gelungen, Leclerc hat mit zwei Siegen aus den ersten drei Rennen einen Traumstart in die neue Saison hingelegt.
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Die Unterstützung für den WM-Spitzenreiter ist am Wochenende in Imola entsprechend grenzenlos - genauso aber auch der damit verbundene Druck. Und unter diesem patzt der sonst so coole Leclerc am Sonntag erstmals. Schon am Start fällt er zurück. Beim Versuch in der Schlussphase wenigstens noch Platz zwei zu retten und auf frischen Reifen den zweiten Red Bull von Sergio Perez zu attackieren, räubert Leclerc in der Schikane zu wild über die Kerbs und dreht sich.
Charles Leclerc springt in seinen Dienst-Ferrari mit monegassischem Kennzeichen und dampft aus dem Fahrerlager.

"Ich habe alles gegeben, aber am Ende bin ich übers Ziel hinausgeschossen", entschuldigt sich Leclerc am Abend via Twitter bei seinen Fans. "Es tut mir leid für das Team und all die Tifosi, die uns unterstützen. Statt Platz drei war es am Ende nur der sechste Platz. Aber wir kommen stärker zurück!"
Trotz ausverkauftem Haus, rotem Rauch auf den Tribünen und einer Fliegerstaffel, die vor Rennbeginn die italienische Tricolore über die Startaufstellung zieht, will die ganz große Party-Stimmung in Imola nie so recht aufkommen. Die kühlen Temperaturen und der viele Regen tun dazu ihr Übriges, Red Bull ist aber auch einfach zu stark auf dem Traditionskurs in der Emilia Romagna.
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Schon im Sprint kann Vorjahressieger Verstappen trotz verpatztem Start Leclerc in der Schlussphase noch abfangen. Am Sonntag feiern die Bullen dann gar ihren ersten Doppelsieg seit 2016. Verstappen verkürzt den Rückstand auf Leclerc damit auf 27 Zähler. Ausgerechnet auf dem Territorium des großen Rivalen, gelingt Red Bull damit ein Wirkungstreffer, der nicht ganz überraschend kommt.
Denn insgesamt war es nicht die Woche des Charles Leclerc: Schon im Vorfeld des Rennens sorgt der Ferrari-Star für Schlagzeilen. Im italienischen Küstenort Viareggio, wo er sich mit seinem Trainer auf das Rennen vorbereitet, wird ihm in einer dunklen Gasse eine Uhr von Sponsor Richard Mille im Wert von 320.000 Euro geklaut.
Die Erwartungen der Tifosi in Imola werden enttäuscht.

Ex-Ferrari-Star Gerhard Berger kann darüber nur schmunzeln. Im Gespräch mit den ABMS-Reportern erinnert er sich: "Mir wurde zu meiner Zeit in Imola damals sogar mein Dienst-Ferrari geklaut! Als ich vom Parkplatz zurück ins Motorhome kam, saß dort schon Jean Alesi (Ferrari-Teamkollege; d. Red.) und sah mich verdutzt an. Ihm war das gleiche passiert, auch sein Auto war weg." Als das Team den Fall anschließend publik machte und wem die Autos gehörten, waren sie aber ganz schnell wieder da...
Auch das ist Italien. Oder, wie es ein Fanplakat am Streckenrand der ersten Rivazza-Kurve am Wochenende treffend beschreibt: "Pizza, Pasta e Cavallino": Das springende Ferrari-Pferd steht über allem, für ihre Helden in Rot würden die Tifosi alles machen. Selbst wenn der heilige Charles am Sonntag in Imola nicht übers Wasser gehen kann und erstmals in dieser Saison menschliche Züge zeigt.

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Von

Frederik Hackbarth