Trauriges Bekenntnis von Formel-1-Chef Stefano Domenicali (57). Der Italiener schließt in der nahen Zukunft eine Frau im Formel-1-Cockpit aus.
„Realistisch bewertet sehe ich in den nächsten fünf Jahren kein Mädchen in der Formel 1 – es sei denn, es trifft eine Art Meteorit die Erde“, sagte Domenicali in einer Presserunde unter anderem mit AUTO BILD am Rande des Großen Preises von Belgien in Spa.
Was er mit dem Meteoritenvergleich andeuten will: „Das ist einfach sehr unwahrscheinlich, ich muss da leider realistisch sein.“
Damit erteilt der Formel-1-Chef auch Frauen wie Sophia Flörsch (derzeit in der ELMS unterwegs) oder W-Series-Meisterin Jamie Chadwick eine Absage. Die letzte Frau, die an einem freien Training teilnahm, war Susie Wolff 2015 im Williams. Davor scheiterte die Italienerin Giovanna Amati 1922 gleich dreimal an der damals noch existierenden Qualifikationshürde. 1975 war Lella Lombardi die einzige Dame, die mit Platz sechs beim abgebrochenen GP Spanien in die Punkteränge fahren konnte und 0,5 Zähler einsammelte.
Das Problem heute: Immer noch zieht es zu wenig Mädchen auf die Kartbahnen. Das senkt die Chancen dramatisch, dass es eines von ihnen in die Königsklasse schafft.
Formel-1-Chef Stefano Domenicali sieht in den nächsten fünf Jahren keine Frau in der Formel 1.
Bild: McLaren/Twitter

Immerhin: Domenicali verspricht, an mehr Gleichberechtigung im Motorsport zu arbeiten. „Wir wollen die richtigen Parameter mit dem richtigen Ansatz Schritt für Schritt aufbauen, damit Mädchen im richtigen Alter und mit dem richtigen Auto gegen die Jungs antreten können“, verrät er.
Initiativen gibt es viele, für den Durchbruch hat bisher noch keine gesorgt. Zuletzt kündigte Alpine das Rac(H)er-Programm an, das weibliche Talente in der Alpine-Akademie fördern soll. Die FIA unterstützt junge Mädchen mit dem „Girls on track“-Programm. Die W-Series, eine reine Frauen-Formel, rast im Rahmenprogramm der Formel 1. Doch selbst deren Dominatorin Jamie Chadwick (GB) bekommt keine echte Chance in der Königsklasse.
Domenicali: „Wir arbeiten daran, Frauen die maximalen Möglichkeiten zu geben. Deshalb versuchen wir zu verstehen, wie wir die richtigen Rahmenbedingungen für die Mädchen schaffen können, damit sie im richtigen Alter mit dem richtigen Auto in die Formel 1 kommen – denn das ist der Schlüsselfaktor.“
Sebastian Vettel kritisiert den F1-Boss indes für seine harschen Worte. „Es war eine etwas unglückliche Wortwahl“, räumt der Heppenheimer ein. „Es sind Aussagen wie diese mit denen Frauen und Mädchen konfrontiert werden, wenn sie am Frühstückstisch sitzen und ihre Träume mit ihrem Vater teilen. Es ist wichtig, dass wir genau solche Dinge nicht sagen. Ich sehe jedenfalls keinen Grund, warum wir keine Frau in der Formel 1 haben sollten. Ich mache deshalb das Gegenteil und ermutige jedes Mädchen am Frühstückstisch, Stefano zu zeigen, dass er falsch liegt. Diese Stereotype müssen aufhören.“
Soll heißen: Serien wie die W-Series kommen in den Karrieren junger Frauen zu spät. „Die Mädchen müssen im gleichen Alter wie die Jungs sein, wenn sie in die Formel 3 oder 2 kommen. Deshalb müssen wir früher ansetzen“, weiß Domenicali.
Auch Nico Rosberg hatte den Motorsport kürzlich aufgefordert, mehr für das weibliche Geschlecht im Rennsport zu tun. „Wir müssen Frauen im Motorsport stärker fördern, so wie wir es in der Extreme E tun“, betonte der Weltmeister von 2016. „Und zwar bis in die Formel 1. Dafür brauchen wir finanzielle, aber auch ideelle Unterstützung. Von Verbänden, Vereinen, Rennserien, Sponsoren, Herstellern und Fans. Damit Rennsportlerinnen von früh an unterstützt werden und es schaffen, Geldgeber und Medien auf sich aufmerksam zu machen. Aber vor allem: Damit sie an sich glauben und den Kampf nicht allein kämpfen müssen. Eltern von talentierten Mädchen müssen wissen, dass es sich lohnt, in ihr Kind zu investieren, weil die Bahn nach ganz oben frei ist.“
Allein: Schon seit 30 Jahren kämpft die Formel 1 um eine schnelle Frau. Bereits in den 90er Jahren wünschte sich Ex-Chefpromoter Bernie Ecclestone „einen schnellen Deutschen, einen Schwarzen, eine Frau und einen Chinesen“.
Die Frau fehlt immer noch…