Mit seinem Unfall hat Charles Leclerc Mercedes gleich doppelt in die Karten gespielt. Nicht nur, dass die Silberpfeile in Baku einen Gegner weniger im Kampf um die Pole haben - durch die lange Unterbrechung nach dem Leclerc-Crash findet das finale Shootout fast eine Stunde später statt als erwartet. Bei deutlich kühleren Temperaturen blühen die Silberpfeile auf.
"Je länger das Qualifying gedauert hat, desto besser wurden wir", verrät Mercedes-Sportchef Toto Wolff. "Bei diesen Temperaturen ist es sehr schwierig, die Reifen ins richtige Fenster zu kriegen. Wir waren das ganze Wochenende über nie da. Dann sind die Temperaturen ein paar Grad runtergegangen und unser Grip war plötzlich viel besser", verrät der Österreicher.
So lief das Qualifying: Last-Minute-Pole für Bottas
Zur Erinnerung: Im Abschlusstraining zur Mittagszeit fehlten den Silberpfeilen noch anderthalb Sekunden auf Ferrari! Unter normalen Umständen hätte man die Roten wohl auch nicht geschlagen, glaubt Wolff: "Charles hätte heute auf Pole sein sollen. Wahrscheinlich hätte er das auch geschafft, wenn er bis in den dritten Abschnitt gekommen wäre. Aber hätte, wenn und wäre zählt in der Formel 1 eben nicht."
Bottas
Pole für Valtteri Bottas: Mercedes gelingt die Wende
Dazu passt Marc Surers Theorie: In der aktuellen AUTO BILD MOTORSPORT sagt der Schweizer Experte: "Ferrari hat weniger Abtrieb und braucht hohe Asphalttemperaturen wie in Bahrain oder einen rauen Streckenbelag wie in Barcelona, um die Reifen ins Arbeitsfenster zu bekommen. Sie müssen ihr Konzept deshalb überdenken, denn ich bin nicht sicher, ob es genug Rennen gibt, die in das Schema passen."
Ein weiterer Vorteil für Mercedes: Durch Leclercs Ausfall ist Vettel auf sich allein gestellt - gerade in Baku ein Nachteil, wie die Silberpfeile demonstrieren: Bottas zieht in seinem Windschatten Teamkollege Hamilton über die lange Start- und Zielgeraden. Selbst saugt sich der Finne am vor ihm fahrenden McLaren von Lando Norris an. "Perfekt positioniert", gibt es dafür am Funk Lob von Bottas' Ingenieur.
"Es geht um Kleinigkeiten und darum, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Ich hatte in der letzten Runde einen guten Windschatten", sagt Bottas - angesichts gerade mal 59 Tausendsteln Vorsprung mehr als entscheidend. Teamchef Wolff lobt: "Valtteri verdient es heute. Hier die Pole gegen Lewis zu holen, ist aller Ehren wert!"

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Der geschlagene Hamilton ist trotz der knappen Niederlage ebenfalls happy: "Für uns als Team ist es ein massives Resultat. Wir sind hier ohne Upgrade hergekommen und Ferrari war die ganze Zeit unglaublich schnell. Unter diesen Umständen bin ich sehr dankbar, in der ersten Reihe zu stehen. Das bringt uns in eine gute Ausgangslage für morgen."
Zumal er Mercedes im Rennen noch stärker einschätzt: "Es war das ganze Wochenende sehr eng, aber eigentlich sahen wir im Renntrimm noch besser aus als über eine schnelle Runde."

Von

Frederik Hackbarth