Geschichte der Sicherheit in der Formel 1

Formel 1: Grosjean, Unfall, Feuer

Grosjean berichtet von der Feuerhölle

Romain Grosjean überlebte einen fürchterlichen Feuerunfall beim Bahrain-GP – auch weil viel für die Sicherheit getan wird. Jetzt berichtet er erstmals davon.
Romain Grosjean erholt sich weiter im Krankenhaus von Riffa von seinem schweren Feuerunfall. Im französischen Fernsehen hat er sich nun erstmals zu via Interview zu Wort gemeldet.
“Ich sah, dass mein Visier ganz orange war und die Flammen um mich herum brannten”, berichtet Grosjean in einem Interview mit TF1. “Der Unfall von Niki Lauda kam mir in den Sinn. Ich wollte nicht so enden. Ich musste für meine Kinder raus.”
Der Haas-Pilot weiter: “Ich blieb 28 Sekunden in den Flammen, aber es kam mir viel länger vor, da ich dreimal versuchte, aus dem Cockpit herauszukommen. Ich konnte meinen Sicherheitsgurt entfernen. Das Lenkrad war nicht mehr da. Am Ende waren meine Hände verbrannt und ich hatte eine große Verstauchung, ich dachte, ich hätte mir den Fuß gebrochen. Nach diesem Unfall bin ich froh, am Leben zu sein.“
Inzwischen hofft er, beim Großen Preis von Abu Dhabi nächste Woche wieder Rennen fahren zu können. “Ich hatte mehr Angst um meine Verwandten, in erster Linie um meine Kinder, aber auch um meinen Vater und meine Mutter”, so Grosjean. “Ich hatte nicht wirklich Angst um mich selbst. Ich sah den Tod kommen, ich hatte keine andere Wahl, als von dort wegzugehen.”

Grosjean vergleicht seinen Unfall mit dem von Niki Lauda

Niki Laudas Feuerunfall 1976 am Nürburgring ist einer der bekanntesten Unfälle der Formel-1-Geschichte. Wahrscheinlich auch, weil der Österreich den Unfall überlebte. Seine Brandwunden im Gesicht wurden zum Sinnbild der damaligen Formel-1-Ära. Lauda vereinte als Weltmeister die ruhmreichen Seiten des Sports genauso wie die gefährlichen.
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Vier Fahrer hatten nicht so viel Glück und starben bei Formel-1-Rennen, weil ihre Autos im Flammenmeer aufgegangen sind: Stuart Lewis-Evans beim Marokko-GP 1958, Lorenzo Bandini beim Monaco-GP 1967, Jo Schlesser beim Frankreich-GP 1968 oder Roger Williamson beim Großen Preis der Niederlande 1973. Ronnie Peterson hätte seinen Feuerunfall 1978 überlebt, starb im Krankenhaus aber an einer Embolie.
Diverse Sicherheitsmaßnahmen haben seitdem dafür gesorgt, dass Feuerunfälle in der Formel 1 nicht mehr auftreten. Eigentlich. Bis zum Bahrain-GP. Doch der fürchterliche Crash von Romain Grosjean zeigt, dass alle Bestrebungen, unter anderem die Rennoveralls der Fahrer immer feuerfester zu machen, nicht umsonst sind.

Romain Grosjean überlebte einen fürchterlichen Feuerunfall beim Bahrain-GP.

©FIA/F1

Die Rennanzüge bestehen aus einem feuerfestem Material namens Nomex. In ihnen können die Rennfahrer 35 Sekunden lang Temperaturen bis 840 Grad überleben. Grosjean brauchte 27 Sekunden, um sich aus der Gluthölle zu befreien. Nicht nur die Overalls, auch Schuhe, Unterwäsche, Handschuhe und Gesichtsmaske werden inzwischen aus der synthetischen Spezialfaser gefertigt.
Die Fahrer werden dadurch nicht nur vorm Feuer selbst geschützt, sondern auch vor aggressiven Gasen und Säuren. Das ist gerade bei den modernen Formel-1-Flitzern nicht unwichtig. Durch die Hybridelemente sind auch Batterien mit giftigen Materialien mit an Bord. Ein Rennoverall kostet 1200 Euro, wiegt 1,9 Kilogramm und muss im Vorfeld zehn Sekunden lang einem Feuer von 820 Grad standhalten. Das rettete auch Grosjean, obwohl der Franzose bei seinem Crash einen Schuh verlor.

Grosjean überlebte vor allem wegen Halo

Aber nicht nur die Rennanzüge sind sicherer. Auch die Autos bestehen heute aus Kohlefaser und nicht mehr aus leicht entflammbaren Magnesium-Legierungen. Dass Grosjean beim Aufprall in die Leitplanke nicht geköpft wurde, hat er dem Cockpitschutz HALO zu verdanken, der 2018 eingeführt wurde und zunächst viel Kritik erntete. Der Titanbügel, der in Büren bei Paderborn gebaut wird, muss Kräften von zwölf Tonnen von oben, 4,7 Tonnen von vorn und 9,5 Tonnen von der Seite standhalten. Der Überrollbügel auf der Airbox ist mittlerweile bis auf 27 Tonnen Belastung ausgelegt.
Die Sicherheitszelle, das sogenannte Monocoque, besteht aus einem Kevlar-Karbon-Verbund und wird beim Crashtest mit 20 Tonnen von vorn und 25 Tonnen von der Seite belastet. „Es ist unsere schusssichere Weste“, sagte Ex-Weltmeister Nico Rosberg einst. Die Räder sind zusätzlich mit drei Kevlar-Bändern am Monocoque befestigt.
Übrigens: Der Cockpitbügel Halo wurde auch wegen Jules Bianchis Unfall in Suzuka 2014 eingeführt. Heute schrieb seine Mutter einem französischen Journalisten: „Sie haben Halo nach dem Tod meines Sohnes eingeführt, heute hat er Romains Leben gerettet. Das macht mich glücklich.“

Geschichte der Sicherheit in der Formel 1

Fotos: F1 TV

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