Verliert Nikita Mazepin (22) seinen Sitz im Haas-Ferrari? Nach Vladimir Putins Angriff auf die Ukraine werden auch Russlands Sportler mit Sanktionen belegt. Die dürften auch an der Formel 1 nicht spurlos vorüber gehen.
Schon in Barcelona hat das US-Team die Uralkali-Reklame von den Autos gekratzt. Nikita Mazepin ist am Freitag neun Runden gefahren, bis ihn ein Ölleck stoppte. Es dürften vorerst die letzten neun Runden seiner noch jungen Formel-1-Karriere gewesen sein. Der Automobilweltverband FIA will heute beraten, wie er mit russischen Fahrern umgeht.
Erschwerend zu Mazepins russischem Pass kommt, dass Vater Dmitri (53) zum Vertrautenkreis von Putin zählt. Der Oligarch hat sein Geld mit dem Chemiekonzern Uralkali/Uralchem gemacht und war erst im Januar mal wieder im Kreml zu sehen. 
Mazepin ist mit seiner Firma auch der Hauptsponsor von Haas, zahlt pro Saison mindestens 40 Millionen US-Dollar und erkaufte seinem Sohnemann so das Cockpit neben Mick Schumacher. Schon im vergangenen Jahr stieß die Verbindung in der Szene sauer auf, zumal der US-Renner von Haas auch noch in den russischen Farben lackiert wurde.
Wie lange kann Haas seinen russischen Piloten Nikita Mazepin noch halten?

Dazu kommt: Mazepin ist kein Kind von Traurigkeit. Schon kurz vor seinem ersten Formel-1-Rennen machte er 2021 mit der sogenannten „Grabsch-Affäre“ Schlagzeilen, als er in den sozialen Medien ein Video postete, auf dem er einer jungen Frau auf der Rückbank seines Autos an den Busen fasste.
Auch auf der Strecke war er unberechenbar, drängte Teamkollege Mick Schumacher mehrfach von der Bahn oder fast in die Mauer. Wegen seiner vielen Dreher erhielt er zwischenzeitlich den Spitznahmen „Mazespin“.
Jetzt steht seine Karriere vor dem Aus. „Wir müssen nun entscheiden, wie das alles weitergeht – mit dem Sponsor und auch mit Nikita Mazepin“, sagte Haas-Teamchef Günther Steiner am Rande der Testtage und betonte: „Wir sind finanziell breit genug aufgestellt, um diese Saison durchzustehen.“
Logischer Nachfolger Mazepins wäre Haas-Ersatzpilot Pietro Fittipaldi (25). Der Enkel des zweifachen Weltmeisters Emerson (75) kam schon 2020 zweimal zum Einsatz, als er Romain Grosjean nach dessen Feuer-Unfall ersetzte. Damals belegte er die Plätze 17 und 19.
Haas-Motorenpartner Ferrari bringt offenbar auch Ex-Alfa-Pilot Antonio Giovinazzi (28) ins Spiel. Kandidat Nummer drei ist Alpine-Testfahrer und Formel-2-Pilot Oscar Piastri (20). Der Australier wäre die härteste Nuss, die Schumi junior teamintern zu knacken hätte.
Mit Mazepin muss vorerst wohl auch sein russischer Kollege Alexander Smolyar aussetzen. Er sollte eigentlich in der Formel 3 an den Start gehen. Zuletzt forderte die Ukraine den Automobilweltverband auf, russische Fahrer zu sperren. Den GP Russland im September hat die Formel 1 „unter den aktuellen Bedingungen“ abgesagt.

Von

Bianca Garloff