Formel 1

Formel 1 Historie: Regeländerungen

Hoffnung für Mercedes-Gegner

Die Formel 1 erlebte schon acht große Regel-Revolutionen. In sieben Fällen wurde das Kräfteverhältnis auf den Kopf gestellt. 2017 auch?
Drei Jahre hat Mercedes die Formel 1 dominiert. 51 von 59 Grand Prix haben die Silberpfeile seither gewonnen. Doch jetzt darf die Konkurrenz hoffen: 2017 ändern sich die Regeln dramatisch: Die Reifen und Autos werden deutlich breiter, die Aerodynamik wieder wichtiger. Toro-Rosso-Technikchef James Key findet: „Es sind in Sachen Chassis, Aufhängung und Reifen die größten Änderungen, die ich in der Formel 1 in rund 19 Jahren selbst miterlebt habe.“
Acht Mal wurde das Reglement grundlegend verändert. Und in sieben Fällen dadurch das Kräfteverhältnis auf den Kopf gestellt. Angefangen 1952, als die WM nach Formel-2-Reglement ausgetragen wurde. Also mit einem maximalen Hubraum von zwei Litern. Das führte zum Ende der Dominanz von Alfa Romeo, stattdessen siegte jetzt Ferrari. Aber: Alfa Romeo wollte sich Ende 1951 ohnehin zurückziehen, auch deswegen (Mangel an Teilnehmern) wurde das Reglement überhaupt erst angepasst.
Eindeutiger ist der Fall 1954: Da wurde das Regelwerk auf 2,5-Liter-Motoren umgestellt. Statt Alberto Ascari im Ferrari holte Juan-Manuel Fangio den Titel. Er fuhr erst einen Maserati, ab dem Frankreich-GP einen Mercedes.
Als 1961 auf 1,5-Liter-Motoren umgesattelt wurde, übernahm Ferrari das Zepter von Cooper-Climax. 1966 erlaubten die Regelhüter eine Hubraumvergrößerung auf drei Liter. Plötzlich hatte das bis dahin siegreiche Lotus-Team keine Chance. Grund: Motorenmangel. Es gab zu wenig Hersteller, die einen Motor nach diesem Reglement auf Kiel legen wollten. Brabham schloss sich mit dem australischen Hersteller Repco zusammen – und holte ganz unverhofft den Titel.

2009 profitierte das Brawn-Team von den Regeländerungen

Die Drei-Liter-Formel blieb über Jahre eine Konstante in der Formel 1. Erlaubt waren aber auch Turbomotoren, die ab den späten 70er Jahren verstärkt Einzug hielten. Immer wieder wurde durch Ladedruckbegrenzungen und sinkende Spritlimits versucht, die 1500-PS-Monster einzubremsen. 1989 wurden sie ganz verbannt. Es war das einzige Mal, dass das Kräfteverhältnis nicht ins Wanken geriet: McLaren dominierte weiter, obwohl Honda einen komplett neuen Motor bauen musste.
1998 der nächste Clou: Mit Rillenreifen und um 20 Zentimeter verschlankte Fahrzeugen bekam die Formel 1 ein neues Gesicht – und einen neuen Weltmeister. Williams sackte ab, McLaren übernahm die Führungsrolle. Aber Williams wurde nicht nur durch die Regeländerungen ausgebremst: Stardesigner Adrian Newey wechselte zu McLaren, Motorhersteller Renault zog sich werksseitig zurück.
2009 wurde die aerodynamischen Zusatzflügel auf den Autos weitgehend verboten, die Heckflügel deutlich verschlankt und Energierückgewinnungssysteme erlaubt. Die Weltmeister Ferrari und McLaren wurden von KERS-Problemen gebremst, Brawn dagegen nutzte die Grauzonen aus und landete mit dem Doppeldiffusor einen Coup. Die letzte gravierende Regeländerung gab es schließlich 2014 mit der Einführung der Turbo-Hybridmotoren. Red Bulls Titelserie wurde gestoppt, dafür dominiert seither Mercedes.
Rein statistisch stehen die Chancen also gut, dass Mercedes 2017 geschlagen wird. Vor allem Red Bull muss Mercedes als potenziellen Gegner auf der Rechnung haben. Deren Technikchef Adrian Newey gilt als Aerodynamik-Genie und eben diese soll 2017 an Bedeutung gewinnen. Doch auch Mercedes sollte man nicht abschreiben. Nicht nur der Motor, auch das Chassis war 2016 Spitze. Mercedes zieht seine Stärke aus einer funktionierenden Mannschaft und großem Budget. Das kann auch eine Regeländerung so leicht nicht ändern.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

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