Formel 1: Horner öffnet Verstappen Tür zu Mercedes
Red Bull-Teamchef würde auf Verstappen verzichten

Teamintern brodelt es weiter bei Red Bull: Horner mimt den Alleinherrscher und würde auf Verstappen verzichten.
Bild: Red Bull Content Pool
Max Verstappen und Red Bull – das sollte eigentlich eine Ehe für Verstappens Formel-1-Ewigkeit sein. Der Niederländer steht bis 2028 unter Vertrag und hat sich in der Vergangenheit immer hundertprozentig zu Red Bull bekannt.
Bis die Affäre rund um Christian Horner in diesem Jahr begann, das Red Bull-Gefüge ins Wanken zu bringen. Plötzlich steht ein Wechsel des dreimaligen Weltmeisters zu Mercedes zur Debatte – sollte Horner, dem sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorgeworfen wird, seinen Job behalten.
Doch der Brite denkt gar nicht daran, sich freiwillig zurückzuziehen. Im Gegenteil: Er öffnet Verstappen verbal die Tür in die Freiheit. "Es ist wie mit allem im Leben", sagt der Brite am Sonntagabend nach dem Red Bull-Doppelsieg in Saudi-Arabien. "Du kannst niemanden zu etwas zwingen, nur weil es da ein Blatt Papier gibt. Wenn jemand nicht in diesem Team sein will, dann werden wir niemanden zwingen, gegen seinen Willen hier zu sein."
Ein Satz wie eine Bombe. Denn Horner zeigt sich damit bereit, auf die wichtigste Säule des Teams zu verzichten. Und nicht nur auf die, so der Engländer: "Es spielt keine Rolle, ob es sich um jemanden handelt, der unsere Maschinen bedient, um einen Designer oder um jemanden in unterstützender Funktion in der Firma."

Auch Adrian Newey steht auf seiner Abschussliste. Der Superdesigner ist in den Augen des Teamchefs mittlerweile viel zu teuer.
Bild: Red Bull Content Pool
Wen Horner konkret meint, lässt er offen. AUTO BILD weiß aber: Auch Adrian Newey steht auf seiner Abschussliste. Der Superdesigner ist in den Augen des Teamchefs mittlerweile viel zu teuer. Horner glaubt, dass auch andere Ingenieure schnelle Autos bauen können. Sein Problem: Auch Technikchef Pierre Waché ist von Horners Alleinherrscher-Phantasien alles andere als begeistert.
Allein: Während Waché und Newey schweigen, legte Verstappen in Saudi-Arabien öffentlich fest: "Ich habe immer klargemacht, dass Helmut (Marko; d. Red.) bleiben muss. Ohne ihn kann ich nicht weitermachen." Das Problem: Eine Doppelspitze aus Marko und Horner ist angesichts der jüngsten Vorkommnisse kaum noch vorstellbar.
Horner glaubt dennoch, dass er sich in einer starken Position befindet: "Mit Max ist alles absolut in Ordnung. Es gibt keine Spannung, es gibt keinen Stress. Man sieht ja, wie entspannt er in der Box und mit allen im Team umgeht. Wir sehen keinerlei Probleme mit Max."
Der Niederländer sieht das offenbar anders, sonst würde er sich nicht so offen auf Markos Seite stellen – und sein Vater Jos sich nicht plötzlich wieder im Fahrerlager mit Mercedes-Teamchef Toto Wolff zeigen. Doch auch diese Winks mit dem Zaunpfahl wischt Horner ignorant beiseite. "Ich bin mir sicher: Alle im Fahrerlager hätten gerne Max", betont er. "Aber wie Toto schon sagte: Die besten Fahrer wollen immer in den besten Autos sein."
Horners Trumpf: Aktuell ist das der Red Bull. "Max hat gerade seinen 56. Sieg erzielt und stand zum 100. Mal auf dem Podium. All das hat er mit Autos von Red Bull geschafft. Aus Teamperspektive sehe ich keinen Grund, weshalb jemand das Team verlassen wollen würde. Ich glaube, Max weiß um die großartige Unterstützung, die er hier genießt."
Doch genau darum geht es Verstappen nicht. Er steht loyal zu Helmut Marko und fürchtet um die künftige Konkurrenzfähigkeit des Teams, wenn es „explodiert“, wie sein Vater blumig umschrieb. Horner indes zieht weiter sein Ding durch – zur Not auch ohne Verstappen: "Wenn ein Fahrer woanders hinwill, dann wird er woanders hingehen."
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