Formel 1: Jackie Stewart im Interview
„Rugby ist gefährlicher als Formel 1“

F1-Veteran Jackie Stewart spricht im Interview mit ABMS über die Sicherheit im Rennsport und die guten alten, aber auch gefährlichen Zeiten der Formel 1.
Bild: Picture-Alliance / Getty Images
- Ralf Bach
- Bianca Garloff
Herr Stewart, Sie haben lange vor Lewis Hamilton als erster Brite drei WM-Titel geholt. War es zu Ihrer Zeit schwieriger, Weltmeister zu werden?

Bei den Fans steht Stewart immer noch hoch im Kurs
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Rennfahren in Ihrer Zeit war extrem gefährlich, es gab viele Tote. Wie glücklich schätzen Sie sich, dass Sie Ihre Karriere überlebt haben?

Schrille Klamotten trägt der Dreifach-Champ auch 2016
Trotzdem schwärmen Sie von dieser Zeit...

Good times: Stewart (r.) mit Cevert (l.) und seiner Frau
Gehörte das Risiko zur Faszination dazu?
Nein. Es sollte den Leuten nicht erlaubt sein, von einem Unfall oder dem Tod fasziniert zu sein. Die Formel 1 hat einen super Job gemacht. 21 Jahre lang ist bis zum Tod von Jules Bianchi kein Pilot mehr gestorben, der im Rennen verunglückte (Suzuka 2014; d. Red.), trotz Rad-an-Rad-Duellen bei Tempo 300. Ich habe Jochen Rindt sterben sehen und François Cevert. Ich wünsche niemandem, dass er nach solchen Anblicken wieder fahren muss.
Wie haben Sie die Unfälle verarbeitet?

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Und dann?
40 Minuten später saß ich schon wieder in meinem Auto. Ich war in Tränen aufgelöst, als ich einstieg. Aber es gibt da ein Sprichwort: Wenn das Visier runtergeht, gehen die Lichter aus. So war es auch bei mir. Ich bin drei Runden gefahren. Die zweite war meine schnellste und hat mich in die zweite Startreihe katapultiert. Ich bin in Monza eine so schnelle Runde nie wieder gefahren. Es hatte nichts mit Wut zu tun. Ich habe einfach nur meinen Job erledigt und bin das Qualifying gefahren, ohne an meinen Freund oder die Gefahr zu denken. Rennfahrer sind wie Tiere. Wir haben die Fähigkeit, alles andere auszublenden und uns nur aufs Fahren zu konzentrieren. Das ist etwas, das nicht menschlich ist und nicht normal.
Nach dem Tod Ihres Freundes und Teamkollegen Cevert sind Sie nie mehr ins Auto gestiegen.

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