Formel 1: Jean Todt im Interview - Teil 1
Hatte Angebot von deutschem Hersteller

Der FIA-Präsident im großen Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT. In Teil 1 spricht Jean Todt über seine Anfänge im Rennsport und bei Ferrari in der F1.
Bild: Picture-Alliance
Herr Todt, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 70. Geburtstag und zu 50 Jahren im Motorsport. Was hat Sie über einen so langen Zeitraum so erfolgreich gemacht?
Jean Todt (70): Menschen, Leidenschaft, Motivation und Hingabe. Das Geheimnis ist es die richtigen Leute um sich herum zu versammeln. Ich bin praktisch der Dirigent und muss die besten Musiker zu einem großen Orchester vereinen. Klappt das, ergibt das ein wunderschönes Konzert.
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal in einem Rennwagen?

Auch mit 70 noch schwungvoll und dynamisch: FIA-Präsident Jean Todt heute
Was war dort Ihre größte Herausforderung?
Ich hasse diese Fragen nach der schönsten Erinnerung oder dem größten Erfolg. Sie sagen es ja selbst: Ich war 50 Jahre in diesem Business. Sie können sich also vorstellen, dass ich nicht diese eine beste Erinnerung habe (lacht). Als ich bei Peugeot angefangen habe, war die Konkurrenz sehr stark. Audi hatte mit dem Quattro ein sehr innovatives Auto und mit Walter Röhrl oder Michele Mouton sehr talentierte Fahrer. Lancia hatte eine große Rallye-Historie. Und wir? Wir hatten nichts.
Trotzdem haben Sie zwei Fahrer- und zwei Hersteller-Titel gewonnen. Dann wurde die Gruppe B abgeschafft, weil sie zu gefährlich war. Sie haben anschließend viermal die Rallye Dakar gewonnen und später auch die 24 Stunden von Le Mans.

Jean Todt in jungen Jahren als Ferrari-Rennleiter
Also gingen Sie zu Ferrari.
Ich hatte verschiedene Angebote. Eines auch von einem von einem großen Hersteller in Deutschland. (lächelt wissend)
Dürfen wir fragen von welchem?

Pflegt gute Kontakte nach Deutschland: Todt mit ADAC-Chef Tomczyk & DMSB-Boss Stuck
Eine Ihrer ersten Amtshandlungen war, dass Sie den Italienern verboten haben, während der Arbeitszeit Rotwein zu trinken. Warum?
Es ist wahr, dass ich entschieden habe eine gewisse Ordnung einzuführen. Zigarettenstummel haben auf dem Fußboden eines Formel-1-Werkes nichts zu suchen. Eine F1-Fabrik muss klinisch rein sein. Und natürlich müssen die Ingenieure und Mechaniker in einem guten Zustand sein, um ihren Job erfolgreich auszuüben. Dazu gehört, dass man während des Mittagessens keinen Alkohol trinken sollte. Ich habe einfach für normale Verhältnisse gesorgt.
Bevor Sie Michael Schumacher zu Ferrari geholt haben, wollten Sie Ayrton Senna verpflichten.

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