Formel 1: Kolumne aus dem Fahrerlager
Von Windbeuteln und Eisverkäufern

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er am Samstag beim Bahrain GP in Sakhir.
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
Das Thema, das heute in Bahrain mit Abstand am meisten interessierte, war das umstrittene Qualifying-Format. FIA-Präsident Jean Todt wollte es trotz der Proteste der Teams noch einmal testen. Um sich selbst ein Bild zu machen, war er in Bahrain vor Ort. Das Ergebnis fasste Formel-1-Legende Niki Lauda zusammen: "Es war der zweite Griff ins Klo.“ Sein Mercedes-Kollege Toto Wolff kritisierte ebenfalls: „Ich sehe an dem Modus nichts, was man mögen kann."
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Was Lauda, Wolff und der Rest der Welt sahen und was die Formel-1-Führung nicht wahrhaben will: Q1 brachte noch am meisten Spannung, wenn auch nur schwer zu verstehen. Danach waren die Stühle bei der Reise nach Jerusalem belegt. In Q2 fuhr sechs Minuten vor Ende nur noch Force-India-Pilot Nico Hülkenberg, die letzten drei Minuten sogar niemand mehr.

Seit jeher der F1-Zampano: Bernie Ecclestone
Q3 war nur deshalb spannend, weil sich Ferrari - anders als in Melbourne - Hoffnungen auf die Poleposition machte und nur deshalb zwei Anläufe nahm. Hätten sie geahnt, welches Steigerungspotential indes bei Mercedes schlummerte, sie wären auch in Bahrain nicht mehr herausgefahren - und die Zuschauer hätten wieder ein leeres Asphaltband beobachten können, ähnlich einer deutschen Autobahn beim Sonntagsfahrverbot 1974.Am Sonntagmittag Punkt zwölf treffen sich Todt, Chefvermarkter Bernie Ecclestone und Vertreter der Teams erneut, um zu beraten. Dann soll festgelegt werden, welches Format ab dem nächsten Rennen in China verwendet wird. Ein Einzelzeitfahren der letzten acht Autos in Q3 steht dabei unter anderem genauso zur Debatte wie eine Rückkehr zum System von 2015. Egal wie die Entscheidung auch ausgeht, die bestehenden Machtstrukturen der Formel 1, das eigentliche Übel, werden sie nicht ändern.
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In einem Punkt waren sich Todt und Mr. E zumindest einig. Den Piloten, die durch einen flammenden Brandbrief öffentlich für mehr Mitspracherecht buhlten, mehr Einfluss bei Entscheidungen geben? Ein No Go. Todt drückte es etwas vornehmer aus: Mit Verlaub, aber die Piloten würden nun wirklich nicht wissen, wie die Entscheidungsstrukturen eigentlich funktionieren. Ecclestone formulierte es drastischer: „Fahrer sind Windbeutel. Sie sollen ins Auto steigen, Gas geben und die Klappe halten!“
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So sieht ein klassischer Windbeutel eigentlich aus
Ecclestone konterte trocken: "Sebastian sollte lieber seinem Team mal sagen, dass sie die Eisverkäufer sind." Denn Mr. E gibt Ferrari bei den aktuellen Hybridmotoren nicht den Hauch einer Chance, bis 2020 Branchenprimus Mercedes schlagen zu können. Bis dahin sind die komplizierten Power-Unit-Antriebseinheiten per Reglement festgeschrieben. Fazit des Samstags: Es ist kein Ende des Führungschaos in der Königsklasse in Sicht.
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