Das Thema, das  heute in Bahrain mit Abstand am meisten interessierte, war das umstrittene Qualifying-Format. FIA-Präsident Jean Todt wollte es trotz der Proteste der Teams noch einmal testen. Um sich selbst ein Bild zu machen, war er in Bahrain vor Ort. Das Ergebnis fasste Formel-1-Legende Niki Lauda zusammen: "Es war der zweite Griff ins Klo.“ Sein Mercedes-Kollege Toto Wolff kritisierte ebenfalls: „Ich sehe an dem Modus nichts, was man mögen kann."
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Was Lauda, Wolff und der Rest der Welt sahen und was die Formel-1-Führung nicht wahrhaben will: Q1 brachte noch am meisten Spannung, wenn auch nur schwer zu verstehen. Danach waren die Stühle bei der Reise nach Jerusalem belegt. In Q2 fuhr sechs Minuten vor Ende nur noch Force-India-Pilot Nico Hülkenberg, die letzten drei Minuten sogar niemand mehr.
Ecclestone
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Dass beide Williams noch einmal Reifen warm fuhren, war eher eine Persiflage auf das bei den Teams längst durchgefallene System. "Sonst wäre ja gar nichts mehr auf der Strecke los gewesen", war auch die süffisante Begründung des Teams.
Q3 war nur deshalb spannend, weil sich Ferrari - anders als in Melbourne - Hoffnungen auf die Poleposition machte und nur deshalb zwei Anläufe nahm. Hätten sie geahnt, welches Steigerungspotential indes bei Mercedes schlummerte, sie wären auch in Bahrain nicht mehr herausgefahren - und die Zuschauer hätten wieder ein leeres Asphaltband beobachten können, ähnlich  einer deutschen Autobahn beim Sonntagsfahrverbot 1974.Am Sonntagmittag Punkt zwölf treffen sich Todt, Chefvermarkter Bernie Ecclestone und Vertreter der Teams erneut, um zu beraten. Dann soll festgelegt werden, welches Format ab dem nächsten Rennen in China verwendet wird. Ein Einzelzeitfahren der letzten acht Autos in Q3 steht dabei unter anderem genauso zur Debatte wie eine Rückkehr zum System von 2015. Egal wie die Entscheidung auch ausgeht, die bestehenden Machtstrukturen der Formel 1, das eigentliche Übel, werden sie nicht ändern.
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Vettel
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Denn das wurde am Samstag in Bahrain allzu deutlich: Todt und Ecclestone haben ihre Hände zwar am gleichen Strang, aber jeder steht am anderen Ende des Seils und zieht in seine Richtung. Um 13.30 Uhr hatte Todt die Weltpresse zur Audienz gebeten, um seine Standpunkte klarzumachen. Zwei Stunden später Bernie Ecclestone. So benehmen sich zwei Parteien, die gegeneinander einen Wahlkampf führen, nicht aber eine gemeinsame Regierung, die ihr Programm vorstellt.
In einem Punkt waren sich Todt und Mr. E zumindest einig. Den Piloten, die durch einen flammenden Brandbrief öffentlich für mehr  Mitspracherecht buhlten, mehr Einfluss bei Entscheidungen geben? Ein No Go. Todt drückte es etwas vornehmer aus: Mit Verlaub, aber die Piloten würden nun wirklich nicht wissen, wie die  Entscheidungsstrukturen eigentlich funktionieren. Ecclestone formulierte es drastischer: „Fahrer sind Windbeutel. Sie sollen ins Auto steigen, Gas geben und die Klappe halten!“
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Windbeutel
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Und auch für Rebellionsführer Sebastian Vettel hatte er eine Antwort bereit. Der hatte vorher frech behauptet: Das Festhalten am neuen Qualifyingformat sei mit einer Eisdiele zu vergleichen, die weiter nur Vanille verkauft, obwohl alle Welt Schoko will.
Ecclestone konterte trocken: "Sebastian sollte lieber seinem Team mal sagen, dass sie die Eisverkäufer sind." Denn Mr. E gibt Ferrari bei den aktuellen Hybridmotoren nicht den Hauch einer Chance, bis 2020 Branchenprimus Mercedes schlagen zu können. Bis dahin sind die komplizierten Power-Unit-Antriebseinheiten per Reglement festgeschrieben. Fazit des Samstags: Es ist kein Ende des Führungschaos in der Königsklasse in Sicht.