Formel 1: Kolumne aus Malaysia
In der Luft mit Vettel und Wehrlein

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Vorfeld des Malaysia GP in Kuala Lumpur.
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
Motorsport soll gefährlich sein? Fahrradfahren und Fliegen ist viel gefährlicher. Fragen Sie mal Sauber-Pilot Marcus Ericsson oder den zu Manor ausgeliehenen Mercedes-Junior Pascal Wehrlein (21).

Quax, der Bruchpilot: Ericsson posiert mit Verband
Ericsson konnte nicht mehr ausweichen und kollidierte frontal mit dem Federvieh – mit der Konsequenz, dass der Rennfahrer und sein Unfallgegner sich erst mal überschlugen. "Das Huhn schaute mich benommen an, und sein Blick sagte mir eindeutig, dass ich am Unfall Schuld war", erzählte der Schwede, "dann schüttelte es sich kurz und lief einfach davon. Ich musste meine Verletzungen behandeln lassen. Die Hühner in Thailand sind echt hart im Nehmen." Fest steht: Chicken Wings gab es nicht am Abend, zumindest nicht vom Unfallhuhn.
Was für Ericcson Hühner sind, ist für Wehrlein das Fliegen. Schon das zweite Mal hintereinander musste er eine – sagen wir mal – subjektiv gefährliche Situation überstehen. Beim Flug nach Singapur vor zwei Wochen war ich selbst an Bord und wusste, von was der Junior redete. Dort geriet der A380 aus Frankfurt etwa eine Stunde vor der Landung plötzlich in ein Luftloch, das die Maschine abrupt sinken ließ. Ich war gerade im Gang unterwegs und landete voll auf dem Hintern.

Wehrlein kam unbeschadet im Sepang-Fahrerlager an
Zufällig traf ich ihn jetzt in Singapur auf dem Flughafen wieder, weil wir beide den gleichen Weiterflug nach Kuala Lumpur hatten. Da erzählte er mir sein neuestes Flugabenteuer: "Diesmal war es noch schlimmer. Plötzlich geriet die Maschine ins Wanken, kippte seitlich nach links ab, dann nach rechts, dann wieder nach links. Vielen Passagieren war die Panik anzusehen. Später meldete sich der Kapitän und erklärte, seine Maschine wäre in den Jetstream einer davor fliegenden Maschine geraten."

Vettel und Wehrlein verstehen sich fast immer bestens
Man merkte sofort, wie sympathisch die beiden sich sind. "Ihr lauft hier rum wie zwei Austauschstudenten, aber nicht wie Rennfahrer", merkte ich an und meinte die jugendlich legere Kleidung der beiden. "Ja", erwiderte der Heppenheimer lächelnd, "aber er ist dann im ersten Semester und ich im zehnten."
Erkannt wurde nur Vettel auf dem Weg zum Gate. Mehrmals wurde er um gemeinsame Fotos gebeten. "Ich bin ja auch noch kein Weltmeister", scherzte Wehrlein. "Ja", machte ihm Vettel Mut, "das war ich in Deinem Alter auch noch nicht. Aber das geht dann schneller als man denkt."
Beim einstündigen Flug saßen wir mehr oder weniger nebeneinander und unterhielten uns die ganze Zeit. Doch, um in Vettels Worten zu bleiben: Das war privat und gehört nicht hierher.
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