Formel 1: Kolumne aus Silverstone
Sternstunden einmal anders

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er vor dem Großbritannien GP in Silverstone.
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
Das typische englische Wetter mit grauen Wolken, die nur ab und zu von leichten Sonnenstrahlen durchbrochen wurden, interessierte heute in Silverstone genauso wenig wie Ferrari, McLaren oder was auch immer. Der Fokus war auf das Motorhome von Mercedes gerichtet. Mehr als drei Stunden standen sich Fotografen und Kameraleute vor dem Silber-Tempel die Füße platt, um die ersten Gesten von Lewis Hamilton, Nico Rosberg oder Toto Wolff einzufangen.
Mercedes verschärft Verhaltenskodex: Drastischere Strafen
Sie waren so konzentriert, dass sie Sebastian Vettel gar nicht wahrnahmen, als der das Fahrerlager betrat. Der Hesse konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. In seinem Gesicht stand geschrieben: So müsste es immer sein. Ich kann unbehelligt hier durchmarschieren!

Lewis Hamilton ließ seinen Helm lieber erstmal auf
Zur offiziellen FIA-Pressekonferenz erschien er sogar fünf Minuten früher. Er scherzte mit FIA-Pressechef Matteo Bonciani und machte auf locker: "Ich bin zu früh da. Gibt es dann Geld zurück?" Hintergrund: Wer zu spät zur Pressekonferenz des Automobilweltverbands kommt, muss eine Geldstrafe zahlen. Hamilton wirkte angespannt wie ein Schuljunge, der den blauen Brief bekommen hat.
Kurz zuvor hatten die Mercedes-Verantwortlichen Details aus dem 'Krisengipfel' am Morgen in der Fabrik in Brackley verschickt. Ohne ins Detail zu gehen, wolle man die beiden weiter frei fahren lassen. Nur zu einer Kollision dürfe es nicht mehr kommen. Deshalb wurden die internen Vorfahrtsregeln noch einmal verschärft. Drastische Strafen sollen als Abschreckung dienen.

Hamiltons Gesichtsausdruck als er meine Frage hörte...
Hamilton schnaufte erst mal tief durch. Er wirkte extrem angepisst, mit einer solchen Frage überhaupt konfrontiert zu werden. "Uuuh, da kann jemand nicht loslassen! Du scheinst eine Tendenz zu haben! Natürlich ist es unser Job, Ordern zu befolgen." Warum ich die Frage gestellt habe ist klar. Wenn Mercedes glaubt, dass man Hamilton mit einer Stallorder drohen kann, ist das eine Fehlannahme. Dann hätte man ihn nämlich vor zwei Jahren bei seiner Widersetzung bestrafen müssen. Tat man aber nicht. Und das war der erste Fehler!

Nico Rosberg war am Donnerstag bester Laune
Nico Rosberg wirkte mit Abstand am Entspanntesten. So als wäre er als Sieger aus dem Krisengespräch am Morgen hervorgegangen. Er nannte zwar auch keine Details der zukünftigen Verhaltensregeln auf der Strecke, lächelte aber im Gegensatz zum verkniffenen Hamilton und hatte richtig Spaß bei seiner öffentlichen Anhörung.
Fest steht: Den werden auch die Fans weiter haben, denn die beiden fahren sicher weiter auf Kollisionskurs. Was dann passiert, steht im Moment noch in den Sternen...
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