Formel 1: Kolumne zu Mick Schumacher

Formel 1: Kolumne zu Mick Schumacher

Bei Haas trifft Schumacher eine andere Welt

Mick Schumacher fährt in Bahrain gerade um den Titel in der Formel 2. Sein Formel-1-Aufstieg gilt als sicher. Bei Haas trifft er auf einen Teamchef, der einem Kulturschock gleichkommt
Der nette Junge von nebenan mit dem großen Namen sollte das hier lesen. Dann erst begreift er, was ihn 2021 in seiner ersten Formel-1-Saison erwarten wird. Es könnte ein Kulturschock für Mick Schumacher (21) werden. Denn mit Schumacher und dem Teamchef des US-Teams von Haas, Günther Steiner (55), prallen zwei Welten aufeinander.
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Auch wenn es noch nicht offiziell ist, die Fronten sind längst geklärt: Der Südtiroler wird Schumachers erster Boss in der Formel 1.

So könnte Mick Schumacher im Haas-Outfit aussehen.

©Montage

Steiner ist dabei genau das Gegenteil vom jungen Deutschen. Der Südtiroler wirkt wie ein Fels in der Brandung der Formel-1-Blase. Sein Leispruch: „Meine Großmutter hat mir immer gesagt: Wenn du den anderen Schafen hinterherrennst, siehst du nur deren Ärsche.“ Das hat er verstanden, das hat er sich zu Herzen genommen. Deshalb nimmt er auch nie ein Blatt vor den Mund. Deshalb ist er auch immer genervt, wenn die Berichterstatter ewig die gleichen Fragen stellen.
Schumacher dagegen, gut erzogen, gibt sich dagegen immer zuvorkommend. Er redet viel, ohne etwas zu sagen, um bloß nicht anzuecken.
Ganz anders die Naturgewalt Steiner. Roh, unverdorben, dabei trotzdem universell gebildet, die Formel 1 durchschauend und ihr gleichzeitig den Spiegel vorhaltend. Welche lebenden und verstorbenen Berühmtheiten er gerne mal beim Essen getroffen hätte, wurde er mal gefragt. Bei den Lebenden antwortete er „Elvis“, bei den toten Legenden „Keith Richards“. Nur ganz wenige verstanden die Ironie.
Steiner ist sich nicht zu schade, seine Emotionen zu zeigen, wenn ihm danach ist. So wie in Japan vor zwei Jahren. Die FIA-Funktionäre bestellten ihn zum Straftribunal ein. Grund: Der emotionale Südtiroler hatte beim Rennen zuvor in Sotschi einen ihrer Schiedsrichter über Funk beschimpft. An seinen Piloten Kevin Magnussen funkte er, hörbar für alle: "Wenn wir keinen dummen, idiotischen Kommissar gehabt hätten, wären wir Achter. Du weißt, wer dieser Kommissar ist. Du kennst ihn. Er wird einfach nicht mehr intelligenter.“

Günther Steiner (55)

©LAT/Haas

Gemeint war der italienische Ex-Rennfahrer Emanuele Pirro, der im Fahrerlager im Gespräch zwar immer nett lächelt, in seiner Funktion als Schiedsrichter aber allzu gern umso heftiger den Scharfrichter spielt. 75.000 Dollar Strafe musste Steiner bezahlen. Das war ihm die Wahrheit aber wert.
Steiner, wegen seiner Art zum Kultstar in der F1-Dokumentation von „Netflix“ geworden, kennt seinen Wert. Er lächelt ironisch, wenn er sagt: "Eigentlich müssten die Vermarkter mir Geld bezahlen. Aber ich bin eben so, wie ich bin. Ich bin kein Schauspieler, der sich verstellt. Wenn ich was denke, muss es raus.“
Der Haas-Teamchef mag Nonkonformisten, Menschen, die gegen den Strom schwimmen, mag Diskussionen und geht ergo keiner aus dem Weg. "Ich respektiere es, wenn Leute mit mir diskutieren - das will ich sogar. Ich möchte keine Ja-Sager", erklärt sich Steiner und sagt. "Um einen ehrlichen Dialog zu starten, muss ich der Ehrliche sein."
Er gibt zu, gerne mit einem Mick Schumacher arbeiten zu wollen. „Wer möchte das nicht mit einem schnellen Jungen, der den Namen Schumacher trägt?“, fragt er ganz offen. Eins muss Mick aber klar sein. Es könnte für ihn eine Abenteuerreise werden wie die eines Zöglings im Eliteinternat, der plötzlich mitten in der wilden Großstadt ausgesetzt wird.
Fest steht aber auch: Es gibt nicht wenige, die behaupten: In der Phase seiner noch jungen Karriere kann Schumacher nichts Besseres passieren, als dem intellektuellen Raubein aus Südtirol ausgeliefert zu sein.

Autor: Ralf Bach

Fotos: SchumacherMick/Twitter

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