Formel 1: Kolumne zum Frankreich GP
Vive la France!

In seiner neuen Kolumne nimmt unser F1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: So erlebt er das Comeback des Frankreich GP in Le Castellet.
- Ralf Bach
Vive la France! Überall ist das Lebensmotto der Franzosen auf dem Kurs in Le Castellet zu spüren. Die französische Armee hat null Hemmungen, mit einer Kunstflugstaffel in engem Formationsflug über den Köpfen der Zuschauer die französischen Nationalfarben in den blauen Provencehimmel zu rauchen. Die Trikolore weht überall. Croissants und Baguette liegen an jeder Ecke bereit. Sogar eine Boulebahn wurde ins Fahrerlager gelegt, damit auch der letzte weiß, dass er sich gerade im Hoheitsgebiet der Grande Nation befindet.

Die Franzosen sind happy, dass die Formel 1 zurück ist
Trotz des Umbaus der Rennstrecke vom Kultkurs mit langen Geraden und einer superschnellen Kurve zur modernsten Rennstrecke der Gegenwart - die künstlich bewässert werden kann und bis zu 180 verschiedene Streckenvarianten bietet - scheint ansonsten die Uhr aufgehört haben zu ticken, seit Alain Prost hier 1990 das letzte Mal gewann.

F1 in Frankreich: Andere Zeiten, gleiche Stimmung...
Was unsere wahren Freunde und Nachbarn aus Frankreich hauptsächlich von uns unterscheidet: Während unsere Lichtgestalt Franz Beckenbauer nach den Ungereimtheiten der WM-Vergabe frustriert in die Dunkelheit abgetaucht ist, scheint Kaiser Franz' französisches Pendant heller denn je. Alain Prost ist in Le Castellet omnipräsent. Man hört den Vierfachweltmeister zuerst in diversen Radiostationen schon bei der Anfahrt zur Strecke, dann steht er leibhaftig vor einem. Und ist nicht nur zu einem netten Gespräch bereit, weil er als Renault-Botschafter dazu verpflichtet ist.

Alain Prost ist mittlerweile Renault-Botschafter
„Ich bin einerseits Botschafter und andererseits Berater. Ich helfe Renault, in der Formel 1 dabei, richtige Entscheidungen zu treffen.“ Gegen den Vergleich mit seinem ehemaligen McLaren-Teamkollegen 1984 und 1985 wehrt er sich nur halbherzig. „Also eine Art Niki Lauda von Renault?“ „Nein, nein“, lächelt Prost: „Ich habe keine Anteile bei Renault wie sie Niki bei Mercedes hat. Ansonsten, vielleicht ähnlich, ja.“

Letzter Sieger in Le Castellet: Alain Prost 1990
Radikonen sind seine wahren Helden des Sports. Eddy Merckx, Laurent Fignon, und natürlich, die französische Lichtgestalt auf zwei Rädern: Bernard Hinault. Prost: „Bei ihm prägten sich nicht nur seine Anzahl der Siege ein. Es ist seine Art des Seins, auch der Entsagung.“ Vive la France!
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