Formel 1: Kommentar zum Qualifying

Formel 1: Kommentar zum Qualifying

Erst Formel-Weichei, dann FIA-Fehler

Formel-1-Reporterin Bianca Garloff kommentiert das Regeln-Qualifying zum Großen Preis der Türkei
Und das sollen die besten Autofahrer der Welt sein? Was mich gerade so aufregt: Nach knapp zehn Minuten war erstmal wieder Schluss im Qualifying zum Großen Preis der Türkei. Es heißt warten. Weil es geregnet hat. Weil der nagelneue Asphalt für die 20 besten Rennfahrer der Welt zu glatt war. Weil ein paar Piloten neben die Strecke rutschten oder sich drehten. Am schönsten: Die Pirouette von Pierre Gasly mit anschließender Rallye-Einlage im Gas. Wichtig dabei: Alle konnten weiterfahren.
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Ich habe den Beginn des Zeittrainings gefeiert. Endlich mal was los in der Königsklasse! Endlich zählt das Fahrkönnen mehr als der überlegende Mercedes oder der unterlegene Ferrari. Endlich ist ein Qualifying mal nicht vorhersehbar, sondern spannend, besonders, außergewöhnlich. Und dann wurde abgebrochen. Weil die Herren Rennfahrer sich über die unbefahrbare Strecke beschwerten. Weil die Bedingungen gefährlich seien.

Das Regeln-Qualifying zum Großen Preis der Türkei

©F1

Gefährlich? Wie bitte? Wenn Formel-1-Autos – dank eines Monocoques aus Kevlar und Halo-Cockpitschutz sicherer als Panzer – mit Tempo hundert über die Strecke schlittern, soll das gefährlicher sein als sonst? Nun ja, ich kann mir schon vorstellen, dass es kein Spaß ist, bei diesen Bedingungen so ein Auto zu fahren. Aber es wäre eben mal eine andere Herausforderung gewesen. Und wenn die Qualifying-Bestzeit bei fünf Minuten gelegen hätte, wen juckt’s?
Noch mal: Das sind die besten Autofahrer der Welt. Ich fahre in meinem PKW doch auch weiter, wenn es regnet. Wenn es hagelt. Wenn es schneit. Vorsichtiger halt. Innerhalb der Grenzen. So, dass ich keinen Unfall baue. Ja, mir ist schon klar, dass bei Aquaplaning auch der beste Lenkradzauberer chancenlos ist. Dafür hat die Formel 1 Auslaufzonen. 
Die Formel 1 kämpft damit, dass sie ihren Reiz verliert. Dass die Piloten eben keine mutigen Asphaltcowboys mehr sind, die von den Fans bewundert und von ihren Arbeitgebern zu Recht mit Millionen Euro überschüttet werden. Und dann kommt mal ein kleiner Regenschauer auf neuen Asphalt, und schon heißt es: Mimimi.
Als Bernie Ecclestone noch Chef war, zeigte er den Jammer-Fahrern, was auf ihren Tickets steht: "Motorsport ist gefährlich." Wäre das nicht so, wäre es ja auch nichts besonderes. Dann gäbe es auch keine Millionen für die angeblichen "Asphalt-Cowboys".
Was mir wichtig ist: Ich kritisiere hier keinen Abbruch im Regen, wenn – wie beim tragischen Unglück von Jules Bianchi in Japan 2014 – ein Unfall passiert ist und Autos geborgen werden müssen. Dann ist die rote Flagge vollkommen richtig. Und dass die FIA in der zweiten Quali-Runde von Istanbul grün zeigte, obwohl ein Kran zur Bergung von Nicholas Latifis Williams im Kiesbett stand, darf nicht passieren.
Was mich nervt: Dass grundsätzlich nicht gefahren wird, wenn es mal richtig schwierig wird – in vorauseilendem Gehorsam.
So gewinnt die Königsklasse keine Fans – und vergrault die alten.

Fotos: F1

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