Sechs Jahre, 18 Operationen und viel Physio-Training sind seit dem schweren Unfall bei der Rallye Ronde di Andora von Robert Kubica vergangen. Der Crash im Skodia Fabia S2000 beendete seine hoffnungsvolle Formel-1-Karriere (Sieg in Kanada 2008) damals abrupt. Jetzt will Kubica zurück in die Königsklasse. In Ungarn testete der 32-Jährige für Renault 142 Runden, also mehr als die doppelte GP-Distanz – bei weit über 30 Grad Außentemperatur. Am Ende war er sechstschnellster von 21 Fahrern.
Kubica hat bei dem Test beeindruckt: Sein rechter Arm ist noch immer lädiert, die Bewegung eingeschränkt, nur 40 Prozent Muskelkraft erhalten. Und doch kann er einen Formel-1-Rennwagen – 2017 wieder deutlich schneller und körperlich anspruchsvoller – scheinbar mühelos bewegen. Wie ist das möglich?
Daniel Schlösser, bis zum Rücktritt noch Physiotherapeut von Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg und jetzt Trainer von Formel-1-Force-India-Testfahrer Nikita Mazepin, weiß: „Er hat sehr wohl noch Muskeln in seinem rechten Arm, das Volumen ist nur nicht mehr so groß.“
Kubica
Beim Test in Budapest drehte Kubica 142 Runden im Renault
Doch ein Formel-1-Auto lässt sich auch mit relativ wenig Kraftaufwand aus den Handgelenken und Armen lenken. So erklärt er SPORTBILD: „Nico Rosberg hatte zum Beispiel immer sehr viel Spannung in den Handgelenken, musste die Unterarme deshalb stark trainieren. Andere Piloten drehen aufgrund einer anderen Fahrtechnik lockerer am Lenkrad – Nick Heidfeld zum Beispiel war so einer und wohl auch Kubica. Beide mussten nie so viel trainieren wie andere.“
Wie sieht die andere Fahrtechnik aus? Schlösser: „Beispiel Linkskurve: Statt rechts zu drücken, kann man mit links auch am Steuer ziehen. Je nach Grifftechnik kann das sogar effizienter sein.“
Ein Formel-1-Comeback traut er Kubica daher zu. „In Ungarn hat er bei großer Hitze ein Hardcore-Programm gefahren. Da kann sich so mancher junge Pilot eine Scheibe abschneiden. Wer das aushält, kann auch einen Grand Prix bestreiten.“