Ferrari auf einmal das schnellste Auto der Formel 1? Beim Großen Preis der USA in Austin hat Charles Leclerc (28) am Freitag jedenfalls ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Der Monegasse war in beiden Trainings der Schnellste und macht der Scuderia Hoffnung auf ein starkes Wochenende.
Im zweiten Freien Training umrundete Leclerc den 5,513 Kilometer langen Circuit of the Americas in 1:35,291 Minuten. WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli (Mercedes) fehlten als Zweitem gerade einmal 42 Tausendstelsekunden. Max Verstappen (Red Bull) landete mit knapp zwei Zehntelsekunden Rückstand auf Platz drei.
Dahinter folgten unter anderem Lewis Hamilton im zweiten Ferrari und George Russell im Mercedes. Auch McLaren konnte mit Lando Norris und Oscar Piastri auf eine schnelle Runde noch nicht überzeugen.
Doch die Zeitenliste könnte täuschen.

Verstappen im Renntrimm besonders stark

Denn während Ferrari vor allem auf eine Runde glänzte, hinterließ Red Bull bei den Rennsimulationen einen starken Eindruck. Besonders Verstappen überzeugte mit seinem Tempo über mehrere Runden. Der Niederländer, der zuletzt die Rennen in Malaysia und Singapur gewonnen hatte, könnte damit auch in Austin zum Mann werden, den es zu schlagen gilt.
Ferrari dagegen hatte auf den weichen Reifen gegen Ende der längeren Stints mit stärkerem Reifenverschleiß zu kämpfen. Dazu kommt eine bekannte Schwäche des SF-26: Auf der langen Geraden in Richtung Kurve 12 verliert der Ferrari wegen seines Leistungsdefizits beim Antrieb wertvolle Zeit.
Kimi Antonelli kann sich in Austin zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte küren.
Bild: Sona Maleterova/Getty Images
Allerdings sind die Longruns nur eingeschränkt vergleichbar. Die Topteams testeten unterschiedliche Reifenmischungen. Während Ferrari auf Soft setzte, fuhr Mercedes mit Medium-Reifen. Red Bull und McLaren teilten ihre Programme zwischen den Fahrern auf.

Mercedes und McLaren noch nicht am Limit

Auch Mercedes dürfte am Samstag noch zulegen können. Russell verlor auf seiner schnellen Runde durch einen Fahrfehler Zeit. Zudem bekamen die Silberpfeile ihre anfänglichen Balance-Probleme im zweiten Training besser in den Griff.
Bei Ferrari hat ebenfalls nicht jeder schon sein volles Potenzial gezeigt: Hamilton fuhr erst am Nachmittag mit dem neuen Technikpaket, das Leclerc bereits im ersten Training eingesetzt hatte.
Und dann ist da noch McLaren. Das Weltmeisterteam blieb auf eine Runde zwar hinter den Erwartungen zurück, zeigte aber vielversprechendes Renntempo. Norris und Piastri dürften im Kampf um die vorderen Plätze deshalb ebenfalls mitreden.
Entscheidend wird vor allem das Reifenmanagement. Die schnellen Richtungswechsel und lang gezogenen Kurven in Austin verlangen den Pneus einiges ab. Wer seine Reifen in den ersten beiden Sektoren überfordert, verliert im letzten Streckenabschnitt wertvolle Zeit.
Nico Hülkenberg sucht noch nach der richtigen Abstimmung. Im Training zum USA-GP reichte es nur zu Platz 18.
Bild: Simon Galloway/LAT Images
Ferrari hat also die Bestzeiten, aber noch lange nicht die Favoritenrolle sicher.
Formel 1 USA Grand Prix
2. Training, Ergebnis
  1. C. Leclerc (Ferrari) - 1:35.291
  2. K. Antonelli (Mercedes) - 1:35.333 (+0.042)
  3. M. Verstappen (Red Bull) - 1:35.480 (+0.189)
  4. L. Hamilton (Ferrari) - 1:35.906 (+0.615)
  5. G. Russell (Mercedes) - 1:36.035 (+0.744)
  6. L. Lawson (Racing Bulls) - 1:36.331 (+1.040)
  7. L. Norris (McLaren) - 1:36.373 (+1.082)
  8. O. Piastri (McLaren) - 1:36.387 (+1.096)
  9. I. Hadjar (Red Bull) - 1:36.411 (+1.120)
  10. O. Bearman (Haas) - 1:36.536 (+1.245)
  11. G. Bortoleto (Audi) - 1:36.832 (+1.541)
  12. P. Gasly (Alpine) - 1:36.840 (+1.549)
  13. A. Lindblad (Racing Bulls) - 1:36.959 (+1.668)
  14. E. Ocon (Haas) - 1:37.111 (+1.820)
  15. F. Colapinto (Alpine) - 1:37.201 (+1.910)
  16. F. Alonso (Aston Martin) - 1:37.235 (+1.944)
  17. L. Stroll (Aston Martin) - 1:37.269 (+1.978)
  18. N. Hülkenberg (Audi) - 1:37.430 (+2.139)
  19. V. Bottas (Cadillac) - 1:38.422 (+3.131)
  20. C. Sainz (Williams) - 1:38.446 (+3.155)
  21. S. Perez (Cadillac) - 1:39.036 (+3.745)
  22. A. Albon (Williams) - 1:43.426 (+8.135)