Max Verstappen (24) hat erst den Formel-1-Boom und nun auch den WM-Titel nach Holland gebracht. Die Reaktion seines Heimatlandes auf den Erfolg erinnert an die Schumania, die Mitte der Neunziger Jahre auch hierzulande ausbrach. Dabei hat auch Verstappen eine starke deutsche Ader.
Der Niederländer spricht nahezu perfekt Deutsch, dabei hat er die Sprache nicht in der Schule gelernt. „Mein Vater hat schon ganz früh mit mir angefangen, deutsch zu sprechen“, hat er den ABMS-Reportern bereits vor seinem Titelgewinn verraten. „Hauptsächlich auf den Gokart-Strecken. Er wollte das so, um einen Ausgleich zu den Gesprächen zu Hause zu haben.“
Dazu passt: Seine ersten Fahrversuche machte Verstappen auch auf Strecken in Deutschland. „In Feuerbach-Hahn zum Beispiel“, erinnert er sich. „Ich glaube, die Strecke gibt es aber nicht mehr. Dann in Ampfing und natürlich viel in Kerpen, der Heimat von Michael Schumacher.“
Mit dem deutschen Rekordweltmeister verbindet den aktuellen Titelverteidiger aber noch mehr. Jos Verstappen war als ehemaliger Teamkollege bei Benetton eng mit Michael Schumacher befreundet. Beide Familien fuhren sogar zusammen in Urlaub. Mittlerweile tauchen auch immer mehr Fotos vom Mini-Max mit Schumacher senior auf.
Max Verstappen und Michael Schumacher
Doch wer der liebenswürdige Onkel wirklich war, wusste Verstappen junior damals natürlich noch nicht. Verstappen zu ABMS: „Ich war ja damals drei oder vier Jahre alt. Ich wusste nur, das ist der Onkel Michael. Der sehr nett war. Der ein extrem großer Familienmensch war. Aber ich sah ihn nie als Rekordweltmeister an, das war mir nicht bewusst. Das sieht man auch auf den alten Fotos und Videos, die wir zu Hause haben. Immer war Mick mit dabei oder Gina (Schumachers Tochter; d. Red.). Es war toll. Ich habe auch heute noch positive Erinnerungen an diese Wochenenden.“
Zumal es da auch flott zur Sache ging. „Wir fuhren immer mit Zweisitzern Kart“, erzählt Verstappen. „Michael mit Mick oder Gina, mein Vater mit mir.“ Auch die Kids durften dabei mal ans Steuer. „Aber wenn es zu gefährlich wurde, haben die Väter ganz schnell übernommen“, lacht Max heute.
Fakt ist also: Mick Schumacher und Max Verstappen lernten als Söhne von Formel-1-Piloten gemeinsam und spielerisch das Kartfahren. Dennoch will der neue Weltmeister seinen Karriereweg nicht mit dem von Mick Schumacher vergleichen.
Verstappen: „Für Mick war es noch mal anders als bei mir. Sein Vater ist der Rekordweltmeister, mit sieben Weltmeisterschaften. Das ist erst mal eine schwierige Ausgangsposition. Schon zu seinen Kartzeiten war immer Presse um ihn herum. In der Formel 4, Formel 3 und Formel 2 wurde der Rummel noch größer. Aber er hat ein gutes Umfeld, gute Menschen, die sich um ihn kümmern.“
Die hat Verstappen junior auch. Bei ihm führte die perfekte Karriereplanung durch Vater Jos 2021 zum ersten WM-Titel mit Red Bull. Bei Haas ist Mick Schumacher von so einem Erfolg noch weit entfernt. Aber an seinem alten Kart-Kumpel Max wird er sich bestimmt ein Beispiel nehmen wollen.

Von

Bianca Garloff