Formel 1: Max Verstappen im Interview
"Man muss auch mal Arschloch sein"

Max Verstappens Ruf als knallharter Racer eilt ihm voraus: Doch wie sieht er selbst sein Image und wie steht's um seine Zukunft? Verstappen im Interview.
Bild: Picture-Alliance
- Bianca Garloff
- Ralf Bach
Herr Verstappen, Ihre Zweikämpfe mit Sebastian Vettel begeistern die Fans - zum Beispiel der in Silverstone vor ein paar Wochen ...
Max Verstappen (19): ... bei dem Sebastian in der Hitze unseres Gefechts zwar wieder gemotzt hat, aber das kennt man ja. Mir ist das egal. Ich erwarte weder, dass er mir eine Weihnachtskarte schickt, noch, dass er mich zu seiner nächsten Geburtstagsparty einlädt.
Im Moment wird in der Formel 1 viel über die Grenzen des harten Fahrens debattiert - auch nach Vettels Rammstoß gegen Lewis Hamilton kürzlich in Baku. Ihre kompromisslose Fahrweise hat Ihnen schon früh in Ihrer Karriere den Spitznamen "Mad Max" (durchgeknallter Max) eingebracht. Hat Sie dies geärgert?

Verstappen ist für seine harte Fahrweise bekannt
Wie meinen Sie das?
Man muss beim harten Fahren unterscheiden: Verteidigt man mit allen Mitteln seine Position, dann ist das korrekt. Fährt man einem ins Auto, dann nicht. Das Gleiche gilt beim Überholen. Ich jedenfalls bin in meiner Formel-1-Karriere noch nicht bewusst in einen anderen hineingefahren.
Sie bereuen also nichts?
Absolut nicht. Wenn überhaupt, dann eher Dinge, die ich während meiner Kartzeit gemacht habe oder auch in der Formel 3.
Sie gelten als das größte Fahrtalent seit dem legendären Ayrton Senna. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Sowohl bei Ihnen als auch bei anderen Teams. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz hat jetzt klargemacht, dass er noch einen Wunsch hat: Er will Sie zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten machen. Das heißt aber auch, dass er Sie auf keinen Fall gehen lassen will, bevor der Vertrag Ende 2019 ausgelaufen ist. Noch nicht einmal für 100 Millionen Euro Ablösesumme.

Alles Oranje: Verstappen ist in Holland ein Superstar
Kann man mit 19 geduldig sein?
Das habe ich gelernt. Auch wenn es nicht einfach ist, immer wieder auszufallen, wie es mir in der ersten Saisonhälfte passiert ist. Aber es war ja nicht meine Schuld. So was kommt im Motorsport schon mal vor. Was ich lernen musste: mit der Enttäuschung direkt nach einem Ausfall umzugehen. Beispiel Baku: Dort war der Sieg von Daniel Ricciardo am Ende gut für das Team. Ich musste akzeptieren, dass ich an dem technischen Problem meines Autos nichts ändern konnte. Obwohl ich bei meinem Ausscheiden vor ihm lag. Kurz nach dem Ausfall steht man aber noch voll unter Adrenalin. Deshalb beschloss ich, erst mal in mein Hotelzimmer zu verschwinden und nichts zu sagen, was ich am nächsten Morgen bereuen könnte. Man muss sich aufs Fahren konzentrieren und sich nicht von energieverschwendenden Emotionen ablenken lassen.
Wir müssen trotzdem jetzt auf Ferrari kommen: Die Gerüchteküche kocht immer heißer, dass Sie bald in Maranello landen könnten. Wir standen selbst daneben, als Ferrari-Präsident Sergio Marchionne bei Ihrem Sieg in Spanien vergangenes Jahr zu Helmut Marko ging und wörtlich zu ihm sagte: „Du hast einen fantastischen Jungen.“ Das Funkeln der Begierde war in seinen Augen zu sehen.

Ricciardo schätzt Verstappen stärker ein als Vettel
Übt nicht wenigstens Sebastian Vettel als möglicher Teamkollege einen gewissen Reiz aus.
Nein, überhaupt nicht. Daniel Ricciardo ist für mich die größere Herausforderung als Vettel. Als die beiden 2014 im gleichen Team fuhren, war Daniel stärker. Obwohl wir jetzt schon über ein Jahr Teamkollegen sind, gab es noch keinen bösen Moment. Wir treiben uns in einer positiven Weise an, und das wird auch so bleiben.
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