Formel 1: Testfahrten in Barcelona 2018

Formel 1: McLaren in Not

Defektteufel auch ohne Honda

Ohne Honda sollte für McLaren alles besser werden. Doch die Defektserie reißt auch mit dem Wechsel zu Renault nicht ab. Chefs aber nicht beunruhigt.
Steht Fernando Alonso vor der nächsten Horror-Saison? Fünf Defekte an den letzten sechs Testtagen bei McLaren lassen Schlimmes erahnen. Dabei sollte es ohne Honda endlich aufwärtsgehen. Die Japaner sind zu Toro Rosso gewechselt - und glänzen seither mit Zuverlässigkeit. Kein Team hat in der ersten Testwoche mehr Runden absolviert als der Kleinbullen-Rennstall.

Sorgenkind MCL33: Alonso musste im Kies parken

Ganz anders McLaren. Der Testwinter dauerte noch nicht mal zwei Stunden, da blieb der McLaren-Renault MCL33 erstmals stehen. Ein Rad flog davon, Alonso drehte sich ins Kies. Da wurde im Fahrerlager noch über Honda gescherzt: Ob der McLaren so viel Leistung eines Motors gar nicht mehr verkraften könne, jetzt wo Honda weg ist?
Doch dann wurde immer mehr McLaren zum Gespött: Die Kühlung ist nicht ausreichend. Teile der Heckpartie wurden vom Auspuff verbrannt, sind inzwischen mit Zusatzöffnungen versehen. Gestern strandete Stoffel Vandoorne mit einem Batteriedefekt, nachmittags mit einem Hydraulik-Problem. Heute zwang ein Ölleck das Team zum Motorwechsel.
Langsam drängt sich der Verdacht auf, McLaren war an den Problemen mit Honda nicht ganz unschuldig. Zwingt das Chassis die Motorhersteller dazu, zu viele Kompromisse eingehen zu müssen - zu Lasten der Zuverlässigkeit? Die McLaren-Chefs wiegeln in einer extra einberufenen Pressekonferenz ab. Teamchef Eric Boullier: „Besorgt sind wir nicht. Gebt uns ein wenig Zeit, und alles wird gut.“

Bei Toro Rosso läuft bisher alles wie am Schnürchen

Auch Alonso bleibt nach außen hin noch geduldig, stellt sich vor das Team: „Es ist alles okay. Bei den Tests wollen wir genau diese Probleme entdecken.“ Typisch Alonso - mit feinem Zynismus fügt er hinzu: „Aktuell entdecken wir jeden Tag etwas neues.“ Trotzdem glaubt der Spanier: „Natürlich hoffe ich, dass uns das nicht in Runde 10 in Melbourne passiert. Aber wenn morgen der Auftakt wäre, dann wären wir bereit.“
Fakt ist: Die Batterie ist bisher bei allen Renault-Teams ein Problem gewesen. Sowohl das Werksteam, als auch Red Bull und McLaren mussten den Speicher schon tauschen. „Man muss damit umgehen können“, lächelt Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko die Schwierigkeiten weg. „Bei uns hat der Wechsel eine Stunde gedauert, bei McLaren fast einen ganzen Tag.“ Ein Umstand, der trotzdem alle Renault-Teams gleich hart treffen könnte: Während der Saison dürfen nur noch zwei Batteriepakete verwendet werden. Eines muss also elf, das andere zehn Rennen halten. Renault-Technikchef Bob Bell macht sich keine Sorgen: „Das ist ein normaler Prozess.“

Nach außen hin bleiben die McLaren-Bosse noch ruhig

Wie schnell McLaren ist, lässt sich derzeit nur schwer sagen. Experten schwant Böses. Sogar von einem Platz hinter Renault, Haas und Toro Rosso ist die Rede. Grund: Wenn McLaren fährt, dann meistens mit den drei weichsten Mischungen. Also auch mit den schnellsten. Dafür sind die Rundenzeiten aber wenig spektakulär.
Zum Abschluss nochmals Boullier: „Wir glauben an unseren Rennwagen. Die restliche Zeit reicht, um alles in den Griff zu bekommen und für Melbourne bereit zu sein.“

Autoren: Ralf Bach, Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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