Die vorläufige Kapitulation kam von Lewis Hamilton (36) nach dem GP Saudi-Arabien. Im Hintergrund knallte das Feuerwerk, um den Sieg von Red Bull-Champion Max Verstappen zu feiern, als der siebenmalige Weltmeister den Status quo seines Mercedes nach Platz zehn schonungslos offenlegte. „Wir brauchen mehr Grip. Wir brauchen mehr Power. Wir haben zu wenig Speed“, konstatierte der Brite in seiner Presserunde.
Die Erkenntnis verfestigte sich offenbar in den letzten Runden. Als Hamilton nach seinem Boxenstopp hinter Kevin Magnussen zurück auf die Strecke kam, war sein Rennen gelaufen. „Ich weiß nicht, was die Haas für einen Motor haben, aber ich konnte ihm nicht folgen“, nimmt der Engländer kein Blatt vor den Mund.
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Toto Wolff bezeichnete den Platzverlust gegen den dänischen Teamkollegen von Mick Schumacher sogar als „Game over“.
Fest steht: Der 1,6-Liter-V6-Hybridmotor, der die Dauer-Dominanz von Mercedes in den vergangen acht Jahren manifestiert hat, hat ein Problem. Laut Red Bull-Motorsportberater Helmut Marko ist der Mercedes-Antrieb nur noch der drittstärkste im Feld. Auf der Highspeed-Strecke in Saudi-Arabien fehlten dem einst hochgelobten Triebwerk nach Informationen von AUTO BILD bis zu 0,5 Sekunden auf die Antriebseinheiten von Ferrari und Red Bull. Mercedes selbst beziffert den Rückstand auf maximal zwei Zehntel.
Ein Grund ist offenbar die Umstellung auf E10-Benzin. Seit 2022 müssen zehn Prozent des Sprits CO2-neutral sein. Zuvor war es nur rund die Hälfte. Das Hochfahren des nachhaltigen Anteils kostet per se rund 20 PS und erforderte Anpassungen in den Brennräumen, die Ferrari und auch Red Bull-Honda dem Vernehmen nach besser bewältigt haben als Mercedes.
Lewis Hamilton wurde in Saudi-Arabien nur Zehnter,

Insider spekulieren, dass unter anderem Ex-Motorchef Andy Cowell fehlt. Der Vater des Hybrid-Monsters hat die Mercedes-Motorschmiede in Brixworth Mitte 2020 verlassen. Weitere Top-Techniker sind 2021 zu Red Bull abgewandert, darunter Ben Hodgkinson, der bei Mercedes als Chef für die Motormechanik arbeitete.
Mercedes-Teamchef Wolff will den Motor aber nicht ins Zentrum der Kritik rücken. „Es ist wichtig, jetzt nicht auf einzelne Bereiche des Autos mit dem Finger zu zeigen. Wir operieren als Team und wir haben Defizite, die wesentlich größer sind als nur ein Motorendefizit. Zählen wir in einem dieser Bereiche zu den Top-Teams? Das glaube ich nicht. Man darf aber nicht vergessen, dass dieser Motor dazu beigetragen hat, dass wir acht Mal hintereinander die Konstrukteurs-WM gewonnen haben.“
Hamilton weiß das natürlich. Er macht deshalb auch die Aerodynamik für das fehlende Tempo verantwortlich: „Es fühlt sich auf den Geraden an, als hätten wir extrem hohen Luftwiderstand.“ Dazu passt: Im Qualifying belegte er bei den Speed-Trap-Topspeedmessungen nur Rang 17. Ihm fehlten dabei mehr als zehn km/h auf Spitzenreiter Sergio Perez im Red Bull. Das Hamiltons Teamkollege George Russell es mit „nur“ acht km/h weniger immerhin auf Rang neun schaffte, zeigt: Hamilton muss sich in Jeddah tatsächlich auch in der Abstimmung seines Silberpfeils vertan haben.
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Allein: Jammern hilft nicht. „Wir müssen uns jetzt alle miteinander am Schopf packen und uns aus dem Schlamassel rausziehen. Wir werden nicht nachlassen, bis wir zurück sind an der Spitze. Das ist eine Übung in Demut und sie wird uns stärker machen.“
Ein kurzfristiges Comeback schließt Wolff aber aus. „Der Rückstand ist zu groß, um in den nächsten Rennen dabei zu sein. Melbourne wird kein Zuckerschlecken, aber die Saison ist noch lang.“
Was für Mercedes dabei zum größten Problem werden kann: Die Power Units wurden vor Saisonbeginn bis Ende 2025 aus Kostengründen eingefroren. Das heißt: Weiterentwicklungen zu Performance-Zwecken sind verboten. Den Topspeed muss Mercedes woanders finden.

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Von

Bianca Garloff