Wirklich Spaß hatte Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton in Miami wohl vor allem außerhalb des Autos: Beim US-Spektakel der Königsklasse posiert er mit anderen Sportgrößen wie Michael Jordan, Tom Brady und David Beckham für gemeinsame Erinnerungsfotos und wird von den Fans gefeiert. Auf der Strecke hingegen ist dem Briten nur am Samstag nach Lachen zumute: Im Qualifying landet er als Sechster deutlich vor Teamkollege George Russell (Platz zwölf) und stellt im Quali-Duell auf 3:2.
Der Sonntag im Generationenduell bei Mercedes geht aber wieder an seinen 13 Jahre jüngeren Landsmann, schon zum vierten Mal im fünften Rennen der Saison 2022. "Wir haben George lange draußen gelassen und für ihn auf ein Safety-Car gewettet. Das hat sich ausgezahlt", verrät Sportchef Toto Wolff Mercedes' Strategie. Einziges Problem: "Dafür lief es gegen Lewis, ihm hat das nicht in die Karten gespielt", erklärt der Wiener.
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Denn während Hamilton in der Safety-Car-Phase nach dem Unfall zwischen Lando Norris und Pierre Gasly auf alten harten Reifen auf der Strecke bleibt, kann Russell frische Mediums aufziehen und damit nach dem Restart seinen Stallgefährten überholen. "George hatte ein Fenster, weil niemand hinter ihm war, also kam er rein. Bei Lewis war es eher 50:50 und am Ende ist es nicht für ihn aufgegangen, wie schon öfter in diesem Jahr", sagt Wolff.
Doch Hamilton unterschreibt diese Pech-Theorie nur so halb. Den Rekordweltmeister verstimmt vielmehr, dass ihm sein Rennstall in dieser rennentscheidenden Phase die Entscheidung über die Strategie überlässt: "In so einer Situation habe ich doch keine Ahnung, was gerade alles auf der Bahn abgeht. Ich habe überhaupt nicht alle Informationen, um diesen Call machen zu können", findet der Brite.
Mehr als Rang sechs ist für Rekordchampion Hamilton nicht drin

Hamilton fühlt sich allein gelassen: "Es muss der Job der Boxenmannschaft sein, denn die haben die Übersicht. Das habe ich ihnen dann auch mitgeteilt. Ich muss mich in so einem Fall auf meine Leute verlassen können." Hamilton weiter: "Ich weiß nicht genau, was da abgegangen ist - nur, dass uns das heute sicher nicht geholfen hat." Durch das Strategie-Wirrwarr kommt es in den Schlussrunden schließlich zum direkten Duell der Silberpfeile um Platz fünf.
Dass sich seine Piloten dabei einen harten aber fairen Zweikampf liefern, treibt Teamchef Wolff nach eigener Aussage aber keine Schweißperlen auf die Stirn: "Ich bin sehr happy mit beiden, wie sie miteinander umgehen und wie respektvoll sie sind. Selbst in einer Situation wie heute, wo sie gegeneinander racen. Ich denke, genau so sollten Teamkollegen gegeneinander fahren, das ist also okay für uns."
Dabei zieht sich das Silberpfeil-Duell sogar künstlich in die Länge: Weil Russell beim ersten Überholversuch die Piste verlässt, muss er Hamilton zwischenzeitlich wieder passieren lassen. "Ich war deutlich neben der Strecke, also musste ich alles nochmal machen. Es hat aber Spaß gemacht und herrscht ein guter Respekt zwischen uns", sagt Russell.
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Auf Messers Schneide haben die Silberpfeile also nicht gegeneinander gekämpft: "Es ist normal, dass man in so einem Duell bisschen mehr Platz als sonst lässt. Lewis war aber auch einfach im Pech heute. Auf zwanzig Runden alten harten Reifen kannst du ehrlich gesagt nicht viel machen", springt Russell seinem Teamkollegen verbal nicht zum ersten Mal zur Seite.
Hamilton gibt die Streicheleinheiten trotz des Taktik-Ärgers zumindest öffentlich zurück: "Für mich lief es unglücklich mit dem Safety-Car und ich warte weiter darauf, dass sich das Schicksal mal wendet. George hat heute aber auch einen super Job gemacht, vor allem zu Beginn des Rennens auf den harten Reifen", erklärt der siebenfache Champion und präsentiert sich als Teamplayer: "Für uns als Mannschaft waren das gute Punkte."
Ex-Teamkollege Jenson Button sieht den Druck auf Hamilton aber genauso anwachsen wie dessen Rückstand auf Russell in der WM, der mittlerweile schon 23 Zähler beträgt. Dass der Youngster sich bei Mercedes so gut zurechtfindet, ist für Button indes keine Überraschung: "George kann viel entspannter sein als Lewis, weil er nicht seit 2014 praktisch alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab. Für ihn ist es im Mercedes ja immer noch ein Upgrade im Vergleich zu den letzten Jahren (bei Williams; d. Red.)", glaubt der Weltmeister von 2009.
Für George Russell läuft es derzeit besser als für Lewis Hamilton

Ein großes Kompliment erntet Russell auch von seinem Teamchef: "George ist hier schon bestens integriert. Es fühlt sich fast so an als wäre er schon immer hier gewesen", lobt ihn Toto Wolff. Allein: Mercedes' nach wie vor große Probleme, vor allem mit dem Bouncing, löst der starke Einstand des Neuzugangs auch nicht in Luft auf.
Wolff muss die Leistung seines Teams nach dem Miami GP einmal mehr verteidigen: "Wir sind nur dritte Kraft, waren hier wieder ein bisschen im Niemandsland und haben für unsere Probleme noch immer nicht das Gegenmittel gefunden", redet er nicht lange um den heißen Brei herum. "Seit Beginn fliegen wir im Nebel. Es ist klar, dass Potenzial im Auto steckt und es schnell ist, das konnten wir hier auch am Freitag sehen. Aber wir wissen nicht, wie wir es entfalten können."
Der Wiener fügt an: "Hier haben wir wieder viele Daten gesammelt, die müssen wir jetzt feinsäuberlich mit dem Skalpell auseinandernehmen. Das ist schmerzvoll." Vor allem, weil Mercedes' Daten nach wie vor nicht immer mit der Realität auf der Strecke übereinstimmen. "Wir hatten so eine Situation in all den Jahren auch noch nie, dass die Daten auf dem Bildschirm nicht korrelieren mit dem, was die Fahrer da draußen fühlen. Das macht diesen ganzen Prozess natürlich nicht einfacher."

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Von

Frederik Hackbarth