Valtteri Bottas gewinnt den Großen Preis von Australien - und am Boxenfunk entlädt sich der ganze Frust des letzten Jahres. Als das Team ihm bescheinigt, dass dies die beste Antwort an alle Kritiker gewesen sei, flucht Bottas gut verständlich: "An alle die es betrifft. Fickt euch!"
Teamchef Toto Wolff tut so, als hätte er das nicht gehört und gratuliert: "Das ist mal eine Antwort, Glückwunsch!"
Auch später zeigt Wolff vollstes Verständnis für seinen Schützling. "Er wurde abgeschrieben als nicht gut genug für den Job. Wie er jetzt zurückgeschlagen hat, mit einem der dominantesten Siege der letzten Zeit, zeigt uns das menschliche Potenzial und wie sehr es alles Kopfsache ist."
Wolff freut sich: "Für mich ist das eine Geschichte wie im Märchen: Dass man sich nicht brechen lassen darf und weiter an sich glauben muss."

An dieser Stelle finden Sie eingebettete Inhalte von TWITTER.

Um diese Inhalte darstellen zu können, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Um eingebettete Inhalte anzuzeigen, ist Ihre jederzeit widerrufliche Einwilligung (über den Schalter oder über „Widerruf Tracking und Cookies“ am Seitenende) zur Verarbeitung personenbezogener Daten nötig. Dabei können Daten in Drittländer wie die USA übermittelt werden (Art. 49 Abs. 1 lit. a DSGVO). Mit dem Aktivieren des Inhalts stimmen Sie zu. Weitere Infos finden Sie hier.

Auch Bottas selbst gibt auf die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis zu: "Es ist die ganze Arbeit hier drin, die ich seit letztem Jahr gemacht habe", und tippt sich dabei mit dem Finger an die Stirn. "Das war mein bisher bestes Rennen."
Viel Druck von hinten hat der Finne dabei aber nicht. Teamkollege Lewis Hamilton verliert seine Führung schon vor der ersten Kurve, beschädigt sich nach Angaben des Teams dann bereits nach wenigen Runden hinten links den Unterboden - offenbar beim Überfahren eines Trümmerteils. Mit weniger Abtrieb auf der Hinterachse kann der Weltmeister die starke Pace seines Stallgefährten an der Spitze im weiteren Rennverlauf nicht mehr mitgehen.
Da sich Bottas am Ende in Melbourne auch noch den neuen Extrapunkt für die schnellste Rennrunde schnappt, fährt er 26 WM-Zähler ein - und führt damit acht Punkte vor Hamilton die WM an. Heißt auch: So einen großen Vorsprung hatte nach dem ersten Saisonlauf noch kein Fahrer in der Formel-1-Geschichte.
Bottas
Nicht zu schlagen: Bottas holt sich den Auftaktsieg
Aber warum vergreift sich Bottas dann am Funk im Ton? "Es ist einfach so über mich gekommen", sagt er. "Es gibt viele Leute, die dich unterstützen, aber auch andere, die alles viel negativer sehen. Vielleicht sollten die mal in den Spiegel schauen und sich fragen, warum sie das tun. Für mich ist es jetzt ok."
Für Teamchef Wolff steht fest, dass die Königsklasse 2019 einen anderen Valtteri Bottas zu Gesicht bekommt - einen, den er persönlich schon seit elf Jahren kennt. "Ich erinnere mich noch gut: 2008 habe ich einen Anruf von einem jungen Kerl bekommen, der Unterstützung wollte. Damals hat er den Formel Renault Eurocup dominiert. In einem starken Feld mit Leuten wie Daniel Ricciardo oder Jean-Eric Vergne war er die Messlatte. Diesen Valtteri habe ich auch heute wieder gesehen."
Dabei verrät der Österreicher, wie schlecht es Bottas Ende 2017 nach zwölf Monaten ohne Sieg ging: "Als er nach der Weihnachtsfeier in den Urlaub gegangen ist, war er müde - weil es die beschissenste zweite Saisonhälfte war, die er je hatte. Aber Ende Januar kam er wieder und hat gesagt: 'Ich bin zurück.'"
Wolff weiter: "Am Ende kann man sich nur selbst aus sowas rausziehen. Er war mental extrem stark. Dabei hat auch sein Rallye-Ausflug im Winter geholfen, um einfach mal wieder Spaß am Fahren zu haben." Wie sehr, hat der fliegende Finne am Sonntag im Albert Park eindrucksvoll demonstriert.
Die besten Bilder von der Bottas-Party jetzt in unserer großen Galerie:
>> AUTO-BILD-Angebot: Die Formel 1 gibt's werbefrei jetzt für 9,99 Euro statt 29,99 Euro. Streame die ersten 4 Rennen mit Sky Ticket!
- monatlich kündbar
- keine Werbeunterbrechung
- nur 9,99 Euro bis Ende April