Ausgerechnet der große Entwicklungsschritt wird für Mercedes zum Rückschritt. Mit sieben neuen Teilen und der Hoffnung auf einige Zehntelsekunden Zeitgewinn reist der Formel-1-Dominator nach Sepang zum GP Bahrain in Malaysia. Doch statt der Konkurrenz weiter davonzufahren, wächst plötzlich der Rückstand.
Kimi Antonelli kommt im Qualifying nur auf Platz vier, George Russell sogar nur auf Rang acht. Auf Pole-Mann Max Verstappen fehlen Mercedes rund sechs Zehntelsekunden. Für Toto Wolff ein kleines Rätsel. „Es ist unheimlich enttäuschend“, sagt der Mercedes-Teamchef bei Sky. „Es ist genau in die falsche Richtung gegangen.“

Sieben neue Teile machen Mercedes offenbar langsamer

Dabei hatte Mercedes technisch noch einmal richtig nachgelegt. Der W17 bekommt in Sepang das erste große Update seit Mai. Insgesamt sieben Bereiche wurden verändert, der Schwerpunkt liegt auf Unterboden und Heck. Unter anderem wurden Bodenkante und Boden selbst, Hinterradaufhängung und hintere Karosserie überarbeitet. Das Ziel: mehr Abtrieb, ohne dafür mit zusätzlichem Luftwiderstand zu bezahlen.
Eigentlich sollte der neue Mercedes in Malaysia noch schneller werden. Doch sieben neue Teile bringen den W17 offenbar aus dem Tritt.
Bild: Clive Mason/Getty Images
Genau das scheint jedoch nicht funktioniert zu haben. Wolff: „Wir haben ein Upgrade aufs Auto getan, das um ein paar Zehntel schneller sein soll. Im Endeffekt sind wir wahrscheinlich um ein paar Zehntel langsamer geworden. Denn so einen Rückstand haben wir nie gehabt.“
Besonders auffällig ist der Zeitverlust auf den Geraden. „Wir verlieren auf den Geraden, weil wir vielleicht mehr Luftwiderstand haben“, rätselt Wolff. „Das haben wir nicht erwartet und ist uns auch noch nie passiert, dass ein Upgrade so danebengegangen wäre.“

Wolff: „Beide Autos rutschen überall“

Dabei schien Mercedes das Auto wenige Stunden zuvor noch im Griff zu haben. Antonelli fährt im dritten Training Bestzeit und liegt 0,278 Sekunden vor Verstappen. Russell wird Vierter.
Im Qualifying ist der Vorteil plötzlich weg. Und nicht nur der zusätzliche Luftwiderstand bereitet Wolff Sorgen: „Beide Autos rutschen überall. Da ist Kimi vielleicht noch ein bisschen besser mit zurechtgekommen.“
Auch für das Rennen am Sonntag verheißt das wenig Gutes. Mercedes hatte gehofft, mit dem neuen Paket auch beim Reifenmanagement einen Schritt zu machen. Doch Wolff sagt: „Die Reifen sollten länger halten, da waren wir aber auch nicht Klassenbeste. Das mit dem Luftwiderstand ist auch fürs Rennen nicht gut.“
Damit steht Mercedes vor einer ungewöhnlichen Aufgabe: Nicht herausfinden, wo das nächste Upgrade Zeit bringt, sondern warum das aktuelle offenbar Zeit kostet. Wolff bringt die Lage auf den Punkt: „Im Moment sind wir ein bisschen ratlos.“