Für Mercedes ist es eine ungewohnte Situation. Der Dauersieger der vergangenen acht Jahre fährt der Spitze plötzlich hinterher. In der Konstrukteurs-WM hat das Silberteam nach nur vier Rennen schon 47 Punkte Rückstand auf Ferrari. Der siebenmalige Weltmeister Lewis Hamilton (37) liegt mit 58 Zählern Rückstand nur auf WM-Rang sieben.
Und das ausgerechnet vorm GP der USA in Miami, dem Land also, das Hamilton als seine zweite Heimat bezeichnet und wo er selbst ein Mega-Star ist.
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Das große Mercedes-Problem: das Hüpfen des Autos infolge des hohen Anpressdrucks der neuen Unterböden. Die amtierenden Konstrukteursweltmeister können mit dem W13 deshalb nicht so fahren, wie es die Simulationen und der Windkanal mit eigentlich sehr guten Daten prognostiziert haben.
Doch Mercedes wäre nicht Mercedes, wenn man nicht intensiv an einem Ausweg arbeiten würde. „Wir versuchen, eine Lösung zu finden, die nicht nur das Hüpfen behebt“, verrät Teamchef Toto Wolff. „Man kann den Unterboden steifer machen, aber dann verliert man an Abtrieb. Das ist nicht die Richtung, in die wir gehen wollen.“
Mercedes-Teamchef Toto Wolff

Ganz so einfach ist es also nicht, den Silberpfeil auf Speed zu bringen. Dazu kommt ein weiteres Problem: „Da wir nicht testen können, ist jedes Rennwochenende leider ein kleines Live-Experiment. Man kann das Hüpfen, das wir auf der Strecke haben, nicht im Windkanal nachstellen. Deshalb ist es ein bisschen wie in den alten Tagen, man muss alles ausprobieren.“
Dafür müssen die freien Trainings in Miami herhalten. Der Wiener verrät: „Wir werden uns ein paar Richtungen anschauen, von denen wir glauben, dass sie dazu beitragen können, das Problem langfristig zu lösen, ohne dass dabei der gute Abtrieb verlorengeht.“
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Nach Miami hat Mercedes einen neuen Heckflügel sowie einen neuen Beam-Wing (Element unterhalb des Heckflügels) gebracht. Beide sollen den Luftwiderstand verringern und so den Top-Speed erhöhen. Zu wenig Höchstgeschwindigkeit auf den Geraden war bisher ein weiteres Handicap, mit dem die Mercedes-Stars Hamilton und George Russell zu kämpfen hatten. Zusätzlich soll eine neue Endplatte des Frontflügels die Effizienz des Spoilers erhöhen.
Wunder erwartet der Teamchef aber keine. „Wir werden an diesem Wochenende einige Änderungen am Auto haben, von denen wir denken, dass sie in die richtige Richtung gehen“, sagt er. „Aber die Leistung des Autos werden wir nicht von einem Rennen aufs andere steigern können.“
Lewis Hamilton muss sich in Geduld üben.

Für Lewis Hamilton heißt das, weiter Geduld zu bewahren. Zumindest nach außen gibt er sich gelassen: „Wir geben unser Bestes, und ich weiß, was im Hintergrund alles läuft, damit das Auto schneller wird.“ Auch Teamkollege Russell bleibt vorsichtig optimistisch: „Unser Update in Miami wird keine Wunderwaffe sein, aber es wird uns helfen, das Auto immer besser zu verstehen.“
Die gute Nachricht: Ohne das sogenannte Bouncing auf den Geraden ist sein Mercedes nicht nur schneller, sondern auch komfortabler. Das räumt sogar sein alter Rivale Nico Rosberg ein. „Ich könnte auch nicht schnell fahren, wenn ich über die Rennstrecke hoppeln müsste“, sagte der Deutsche kürzlich in einem Ran-Interview bei der Formel E in Monaco.
Ob Hamilton 2022 allerdings seinen achten WM-Titel holen kann, ist mehr als fraglich. Teamchef Wolff richtet seinen Blick jedenfalls schon aufs nächste Jahr: „Wir müssen die Rennwochenenden als Test sehen, damit wir nächstes Jahr wieder dabei sind.“

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Von

Bianca Garloff