In Silverstone ist der Knoten geplatzt, in Spielberg macht Mick Schumacher (23) da weiter, wo er in England aufgehört hat – im Duell mit einem Weltmeister.
Hatte er es in Home of British Motor Racing noch mit Max Verstappen zu tun, wehrt er sich im Sprint zum GP Österreich rundenlang gegen den von hinten heranstürmenden Lewis Hamilton. Einmal drängt er den Briten sogar von der Ideallinie, beweist seine Kämpferqualitäten und ärgert damit auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff.
„Mick hat hart verteidigt“, sagt der Österreicher bei Sky. „Aber wenn du keine Pace im Auto hast, ist es schwierig. Außerdem hat Lewis sich beim Startcrash die Bremse beschädigt. Uns geht die Power aus, wir haben zu viel Luftwiderstand und sind nicht so konkurrenzfähig wie auf anderen Strecken.“
Lewis Hamilton musste hart kämpfen um an Mick vorbeizuziehen.


Erst zwei Runden vor Schluss knackt Hamilton Schumacher, weil der den DRS-Windschatten seines Teamkollegen Kevin Magnussen verliert. Hamilton landet damit auf Rang acht, Schumacher verpasst die Zähler knapp auf Rang neun.
Für seinen Onkel Ralf ist das ein unnötiger Punktverlust. Geht es nach dem Sky-Experten, hätte Haas den anscheinend schnelleren Schumi junior schon vorher an Teamkollege Magnussen vorbeilotsen müssen.
Schumi II bei Sky: „Aus Micks Sicht, er war der schnellere Mann. Aber Kevin hat sich gewehrt. Durch den Infight kamen andere immer näher und beide haben sich die Reifen kaputt gemacht. Das hätte man cleverer lösen können. Teamplay ist da ein bisschen anders.“
Konkret kritisiert Ralf Schumacher auch eine Szene, in der Red Bull-Star Sergio Perez vom Haas-internen Duell profitiert. „Kevin steht im Weg und Perez fährt an Mick vorbei“, legt Micks Onkel seinen Finger in die Wunde. Ist jetzt so. Meine Lehre ist: an Micks Stelle würde ich jetzt mein eigenes Ding machen.“
Sein Neffe pflichtet Ralf Schumacher bei. „Ja, es war unnötig das auszudiskutieren“, bestätigt der Deutsche. „Im Endeffekt hatte ich das Gefühl, dass ich schneller war. Wir hätten mehr Punkte haben können, als wir jetzt haben. Aber es war schön zu sehen, dass wir den Speed hatten, gerade im Vergleich zu Lewis.“
Kevin Magnussen war Mick Schumacher keine Hilfe.

Kevin Magnussen dagegen ist sich keiner Schuld bewusst. „Man sagte mir, dass ich mich zurückzufallen lassen soll, um Mick DRS zu geben“, will er von einem Positionswechsel nichts wissen. „Der war da aber schon im engen Kampf mit Hamilton. Wir haben getan, was wir konnten und haben eine gute Ausgangslage.“
Doch im Schumacher-Lager hadert man mit dem Teamduell. Noch mal Ralf Schumacher: „Als Fahrer würde ich Günther (Steiner; D. Red.) fragen, was er sich dabei gedacht hat. Denn wenn der Fahrer was gemacht hat, wird das umgekehrt auch so gehandhabt.“
Allein: Haas-Teamchef Günther Steiner hält nicht viel von einem Schumacher-Bonus. „Das Interesse an Mick ist groß“, räumte der Südtiroler am Rande des GP Österreich ein, „weil er ist, wer er ist. Aber für mich ist er wie jeder andere Fahrer. Für mich ist Mick nicht heilig.“
Das Duell gegen den Stallgefährten sieht der Teamchef sogar positiv: „Kevin ist das Beste, was ihm passieren konnte, denn er ist sehr kooperativ. Er kümmert sich um Mick, hilft ihm, wo er kann, kämpft nicht gegen ihn. Mick kann von ihm als Mensch und als Fahrer lernen.“
Stimmen wie die von Ralf Schumacher blendet Steiner dagegen konsequent aus: „Ich habe auch Mick gesagt: Konzentriere Dich auf Dich selbst und ignoriere den Lärm da draußen.“ Der Südtiroler selbst macht das auch. Sky Deutschland gibt er immer noch kein Interview…

Von

Bianca Garloff