Es läuft gerade richtig gut bei Mick Schumacher (23). Der Haas-Pilot sammelte in den vergangenen zwei Rennen nicht nur zwölf WM-Punkte, sondern machte einen Sprung auf Platz 18 der ewigen Erfolgstabelle aller deutscher Formel-1-Piloten.
Die jüngsten Erfolge sind für ihn aber erst der Anfang. "Mein Ziel ist es, wie in der Formel 3 und Formel 2 auch in der Formel 1 Siege und Titel zu gewinnen“, sagt er. „Seit dem Rennen in Kanada bin ich auf dem richtigen Weg.“ Schon beim nächsten Grand Prix in Frankreich am Sonntag in einer Woche will er das untermauern.
Hintergrund: Obwohl Haas als einziges Team erst beim übernächsten GP in Ungarn Updates ans Auto bringt, machte der Sohn der deutschen Legende auch mit dem "alten" Auto seit dem GP von Kanada extreme Fortschritte – obwohl er in Montreal aufgrund technischer Probleme ohne Punkte blieb. Schumacher: "Seit Montreal fühle ich mit total wohl im Auto. Ab da haben wir die richtige Richtung gefunden, das Auto für meinen Fahrstil abzustimmen. Das war vorher noch nicht ganz der Fall."
Schumi junior hat mittlerweile den Sprung unter die Top 20 der erfolgreichsten deutschen Formel-1-Piloten geschafft.

Allein: Mit dem Selbstbewusstsein als Fahrer wuchs auch das Selbstbewusstsein als Redner. Schumacher junior nimmt kein Blatt mehr vor den Mund. Wenn das Team Fehler macht – wie etwa bei der Strategie beim Sprintrennen in Österreich – spricht er die offen an. Er ist sich auch nicht zu schade, seinen Landsmann Sebastian Vettel öffentlich zu unterstützen, weil der am Red-Bull-Ring vorzeitig ein Fahrerbriefing verlassen hatte und vom Automobilweltverband FIA mit einer Geldstrafe von 25000 Euro (auf Bewährung) belegt wurde.
Onkel Ralf Schumacher wundert das Aufblühen seines Neffen nicht. Der heutige Sky-Experte und sechsmaliger GP-Sieger zu Auto Bild: "Wenn du dich im Auto wohl fühlst und Erfolge einfährst, wirst du auch im Auftreten lockerer. Das geht Hand in Hand. Jedenfalls sehen wir jetzt den Mick, wie ich ihn kenne. Den Mick, der Ecken und Kanten hat, Klartext redet und nicht schüchtern die Hände an die Hosennaht legt, wenn es um ehrliche Statements geht."
Dazu passt die Aufnahme von Schumi junior in die Rangliste der besten deutschen Formel-1-Fahrer: Mit seinem Vater Michael Schumacher klar auf Platz eins und Ralf Schumacher auf Platz vier hat es Mick Schumacher jetzt als Dritter der Rennfahrerdynastie aus Kerpen unter die Top-Zwanzig geschafft.
Interessant ist, was aus den anderen deutschen Toppiloten der vergangenen 20 Jahre geworden ist. Michael Schumachers trauriges Schicksal nach seinem fatalen Skiunfall im Dezember 2013 kennt jeder. Nico Rosberg, einer von drei deutschen Weltmeistern, ist seit seinem Rücktritt als Experte als "grüner" Geschäftsmann und TV-Star aktiv. Ralf Schumacher glänzt als Experte von Sky, betreibt nebenbei einen Bio-Bauernhof in seiner Heimatstadt Kerpen. Timo Glock ist Kollege Schumachers bei Sky und fährt nach seinem Abschied aus der DTM Rennen in der italienischen GT-Serie.
Abgetaucht sind Heinz-Harald Frentzen, Nick Heidfeld und Adrian Sutil. Frentzen wohnt in Düsseldorf und hat sich völlig den neuen Energien verschrieben. Der Mönchengladbacher (55) zu Auto Bild: "Ich schaue mir zwar noch die meisten Formel-1-Rennen an, aber als Experte auftreten oder Interviews geben ist nicht mein Ding. Ich genieße mein Leben als Privatier."
Kontakt zur Formel 1 hat Heidfeld immer noch, aber nicht mehr professionell.

Nick Heidfeld (45) lebt mit seiner Familie am Züricher See und unterstützt sein ehemaliges Mahindra-Team in der Formel E als Berater. Zudem fungiert er als Botschafter für die Inder. Ende Juni stellte der ehemalige BMW-Sauber-Pilot beim "Festival of Speed" in Goodwood den neuen Mahindra Formel-E-Rennwagen für die Saison 2023 auf der Strecke vor.
Heidfeld zu Auto Bild: "Das war ein tolles Erlebnis. Die neue Generation der Formel-E-Autos ist nochmals deutlich schneller." Kontakt zur Formel 1 hat Heidfeld immer noch, aber nicht mehr professionell: "Ich schaue mir die Rennen an und vertraue ansonsten auf die Meinung befreundeter Experten."
Völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden ist der Münchner Adrian Sutil (39). 2016 gab er seinen Wohnsitz in der Schweiz auf und zog nach Monaco. Dort handelt er heute mit exklusiven Sportwagen.
Aber wahrscheinlich verfolgt auch er Mick Schumacher ganz genau, denn Sutil ist der nächste deutsche Ex-F1-Pilot, dessen 17. Platz in der ewigen deutschen Bestenliste Mick jetzt im Visier hat.

Rangliste der besten deutschen F1-Fahrer*

1. Michael Schumacher (7 WM-Titel)
2. Sebastian Vettel (4 WM-Titel)
3. Nico Rosberg (1 WM-Titel)
4. Ralf Schumacher (6 Siege)
5. Heinz-Harald Frentzen (3 Siege)
6. Wolfgang Graf Berghe von Trips (2 Siege) 
7. Jochen Mass (1 Sieg)
8. Nick Heidfeld (13 Podiums)
9. Timo Glock (3 Podiums)
10. Hans-Joachim Stuck (2 Podiums, 29 Punkte)
11. Karl Kling (2 Podiums, 17 Punkte)
12. Hans-Joachim Stuck (2 Podiums)
13. Rolf Stommelen (1 Podium, 14 Punkte)
14. Hans Hermann (1 Podium, 10 Punkte)
15. Stefan Bellof (1 Podium, 4 Punkte)
16. Nico Hülkenberg (521 Punkte)
17. Adrian Sutil (124 Punkte)
18. Mick Schumacher (12 Punkte)
19. Pascal Wehrlein (6 Punkte)
20. Christian Danner (4 Punkte)
21. Hermann Lang (2 Punkte)
22. Manfred Winkelhock (2 Punkte)
 
*Geordnet nach Titeln, Siegen, Podiums, Punkten

Von

Ralf Bach