Mick Schumachers (32) Welt bestand am Wochenende mal nicht aus 1000 PS, sondern nur aus einem. Bei der Europameisterschaft im Westernreiten auf der CS-Ranch der Familie Schumacher feuerte er sowohl Mutter Corinna als auch Schwester Gina-Maria an.
Es läuft derzeit einfach bei den Schumachers: Gina-Maria holte auf ihrem Pferd „Roo“ den EM-Titel. Mick Schumacher sammelte in der Formel 1 zuletzt in Silverstone und Spielberg seine ersten Punkte.
Der Knoten ist geplatzt beim Sohn von Michael Schumacher, das nehmen auch die Experten der Königsklasse zur Kenntnis. „Er hat aus seinen Unfällen in Saudi-Arabien und Monaco die richtigen Lehren gezogen“, sagt beispielsweise Johnny Herbert bei Sky. „Einen Crash wie in Dschidda, den nimmst du und steckst ihn in eine Schublade ganz hinten in deinem Kopf. Es sind solche Rückschläge, dank welcher ein junger Fahrer wachsen muss.“
Herbert war 1995 Michael Schumachers Teamkollege bei Benetton, holte damals zwei Siege – weil Schumi senior in Silverstone und Monza mit seinem Erzrivalen Damon Hill kollidierte.
Mick war da noch nicht geboren – jetzt hält er die Schumacher-Fahnen in der Formel 1 hoch. Herbert lobt: „Ich finde er hat in den letzten Wochen enorm dazu gewonnen. Und das war auch intern bei Haas ganz wichtig, denn es war unmissverständlich, welche Signale von Teamchef Günther Steiner kamen – Junge, dir geht die Zeit aus, jetzt müssen Ergebnisse kommen.“
Mick Schumacher sorgt in der Formel 1 für Furore.

Dass der junge Schumacher sich mittlerweile auch teamintern eine Stimme gibt, findet Herbert richtig und wichtig. „Es ist für mich in diesem Zusammenhang bezeichnend“, räumt Herbert ein, „dass es auch Szenen gibt wie im Sprint von Österreich, in welchem Mick fand, er sei der schnellere Mann, und das dem Team auch so gesagt hat. Nach dem Rennen war er wütend, dass es keinen Platztausch gegeben hatte.“
Schumacher wurde nach einem knallhart geführten Duell mit Lewis Hamilton deshalb nur Neunter. Im Sprint gibt’s dafür keine Punkte – mittlerweile kein zufriedenstellendes Ergebnis mehr für den Haas-Piloten, der das offen ansprach.
„Ich finde – da kommt ein wenig der Michael Schumacher in Mick Schumacher zum Vorschein“, vergleicht der Brite, „diese ungeduldige, aggressive, wütende Seite, und die ist elementar für einen Rennfahrer. Wenn die Dinge nicht so passieren, wie sie für dich als Racer laufen sollten, dann musst du das auf den Tisch bringen. Ich finde das fabelhaft, denn so langsam erleben wir den echten Mick.“
Zum euphorischen Träumer macht ihn das aber noch lange nicht. Das Podest sieht er noch nicht in realistischer Reichweite. Bei Sky sagt Schumacher vorm GP Frankreich in Le Castellet an diesem Wochenende: „Ein Podium wäre natürlich klasse. Aber ich glaube nicht, dass wir eine Chance haben, wenn es ein normales Rennwochenende ist.“
Eine Attitüde, die auch beim einst größten Rivalen seines Vaters gut ankommt. „Mick steht seit Jahren ganz besonders unter Beobachtung, weil er halt der Sohn von Michael Schumacher ist“, weiß Mika Häkkinen. „Mit diesem Platz unter dem Brennglas entsteht viel Druck. Aber auch als es in der ersten Saisonhälfte nach Fahrfehlern Kritik gab, behielt Mick die Gleichmut – ich finde seine Ruhe und seine Reife bemerkenswert für einen so jungen Mann.“
Und wenn es nach dem Finnen geht, kommt da noch mehr: „Letztlich sollten wir uns über weitere gute Leistungen nicht wundern: Mit jeder Punktefahrt bekommt Schumacher mehr Vertrauen, in sich selber und in seinen Rennwagen.“

Von

Bianca Garloff