Formel 1: Monaco - Tagebuch
Monte Carlo im Splitter: Sonntag

Die Formel 1 gastiert im Fürstentum und unsere Reporter schildern auf AUTO BILD MOTORSPORT ihre Eindrücke aus dem Fahrerlager. Alle News jetzt im Überblick:
Bild: Getty Images
- Bianca Garloff
- Ralf Bach
- Frederik Hackbarth
Sonntag:
Sutil nach Crash wohlauf: Sauber-Pilot Adrian Sutil sorgte in Monaco am Sonntag für den härtesten Abflug des Tages. Am Ausgang des Tunnels erwischte ihn die berühmt-berüchtigte Bodenwelle beim Anbremsen zur Hafenschikane - anschließend schlug der Deutsche heftig in die Leitplanken ein. Das Wichtigste: "Mir geht es gut, alles ist in Ordnung", so Sutil nach dem Crash. Der Deutsche ehrlich: "Es war ein Fahrfehler." Sein Rennen sei bereits davor nicht wie erhofft verlaufen. "Der Start war ganz gut, aber Perez hat sich in Kurve fünf gedreht, dadurch war Stau und ich bin auf jemanden aufgefahren, weil alle Autos standen." Danach musste er den Frontspoiler wechseln. "Vielleicht wäre trotzdem noch was dringewesen, aber am Ende habe ich leider den Fehler gemacht und damit war mein Rennen beendet."

Hielt beide McLarens in Schach: Nico Hülkenberg sicherte sich in Monaco am Sonntag den fünften Platz vor Jenson Button (hinten)
Will Hamilton Rosberg abschießen? Die kontroverse Pole-Fahrt von Nico Rosberg: Nach einem Verbremser hatte der Deutsche seinen Mercedes in einem Notausgang geparkt. Gelbe Flaggen verhinderten anschließend, dass Teamkollege Lewis Hamilton Rosbergs Bestzeit noch einmal attackieren konnte. Hamilton war danach stinksauer, verweigerte Rosberg die Gratulation und rempelte auf dem Weg zur Pressekonferenz fast einen Fotografen um. Danach kündigte er in der britischen BBC an: „Ich weiß nicht, wie Senna und Prost das damals geregelt haben, aber ich mochte, wie Senna damit umgegangen ist.“ Was Hamilton meint: Prost hatte Senna 1989 in Suzuka abgeräumt und so den Titel geholt. Ein Jahr später ging der Kleinkrieg beim WM-Showdown weiter. Der Brasilianer rächte sich und schoss den Franzosen ab.

Wie lange geht das Mercedes-Duell noch gut? Lauda hat mit seinen Piloten Hamilton und Rosberg alle Hände voll zu tun
Samstag
Pirelli-Kritik: Mit Platz elf war Nico Hülkenberg im Monaco-Qualifying nicht zufrieden – vor allem weil Teamkollege Sergio Perez eine Position besser war. Hülkenberg nach dem Zeittraining: „Es war heute ein Ritt auf der Rasierklinge, denn mir hat nur ein Zehntelchen (zum Einzug in Q3; d. Red.) gefehlt. Das ist enttäuschend!“ Trotzdem sei P11 aber „eine gute Ausgangsposition für Punkte.“ Kritik gab es vom Deutschen an den Reifen: „Pirelli ist hier mit einer sehr konservativen Reifenwahl hergekommen. Deshalb wird es leider ein ödes Einstopp-Rennen und Überholen ist hier sowieso immer schwierig.“ Hülkenbergs Hoffnung: „Wir brauchen einen guten Start und eine gute erste Runde!“

Bei Mercedes ist man mit seinen Fahrern zufrieden: Kein Wunder - Hamilton (Bild) & Rosberg führen die WM überlegen an!
Donnerstag
Das richtige Set-Up: 15 Jahre musste Ex-Jordan-Cheftechniker Gary Anderson die richtige Fahrzeugabstimmung für seine Autos finden. Der Brite weiß deshalb, worauf es in Monaco ankommt. Anderson zu ABMS: „Monaco ist brutal. Du hast fast nur enge Kurven und einen rutschigen, zum Teil unebenen Belag. Die Autos dürfen hier auf keinen Fall zum Untersteuern neigen. Das ist für den Fahrer das Schlimmste.“ Warum? Anderson: „Die Kurven werden aus Fahrersicht dann noch enger als sie eh schon sind. Der Fahrer muss praktisch in jeder Ecke lange vom Gas gehen, damit das Auto sich wieder in die richtige Richtung einrollt.“ Optimal sei ein Auto, das leicht übersteuert. Grund, so der Brite: „Dann fühlt sich der Fahrer am wohlsten bei den schnellen Richtungswechseln, die du in Monaco brauchst. Das wichtigste ist nämlich in Monaco, dass der Pilot seinem Auto absolut vertraut“ Grundsätzlich gilt deshalb im Fürstentum in Sachen Set-Up: „Viel Flügel vorne und weniger hinten.“

Fernando Alonso erhält dieser Tage viel Lob. Erst von Mercedes, nun auch von Arbeitgeber Ferrari - das half: Trainingsbestzeit in Monaco!
Montezemolo meint offenbar italienische Journalisten, die glauben, Kimi Räikkönen werde gegenüber Alonso benachteiligt. Dabei berufen sie sich auf die Strategien in Barcelona. Der Spanier war spontan von einer Zwei- auf eine Dreistopptaktik gewechselt und hatte den Finnen so überholen können. Fakt ist: Alonso selbst hatte sich gestern darüber beschwert, dass Außenstehende seine Leistung stärker honorieren würden als die eigenen Leute. Hintergrund: Daimler-Vorstand Dieter Zetsche hatte Alonso bei einem Besuch in Spanien ausdrücklich gelobt. Mercedes spielte das Quote indes als Geste der Höflichkeit herunter. Schon beim Rennen in Spanien wurde Alonso gerüchtehalber in den Silberpfeil geredet, was Niki Lauda umgehend dementierte.
Mittwoch

Sebastian Vettel (li.) & Stefano Domenicali (re.) sorgen auch für Gerüchte, wenn der Italiener gar nicht mehr im Fahrerlager ist...
ABMS ging der Sache nach und erreichte Domenicali am Telefon. Ergebnis: Er habe den Journalisten zwar am Rande eines Events in Modena getroffen, allerdings keine seiner Fragen zur Formel 1 beantwortet. Er habe ihm lediglich mitgeteilt, dass er bislang kein Jobangebot vom italienischen Basketballverband angenommen habe. Alle anderen Aussagen entstammten offenbar der Phantasie des Reporters. Auch jene, dass Michael Schumacher, wäre er bei Ferrari geblieben, mindestens einen weiteren WM-Titel geholt hätte. Domenicali betonte, dass er es derzeit vorziehe nicht in der Öffentlichkeit aufzutreten und deshalb auch keine offiziellen Interviews oder Statements abgebe.
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