Formel 1: Neue Autos 2021

Sind das schon Einheitsautos?

Die Formel 1 plant weiter die Zukunft ab 2021. Vor allem in technischen Belangen wird noch eifrig gestritten. Werden die neuen Autos fast Einheitschassis?
Die Meldung ging letzte Woche in den Diskussionen um die Vettel-Strafe in Kanada fast unter. Doch es geht um nicht weniger als die Zukunft in der Formel 1: Inzwischen haben sich alle Beteiligten darauf geeinigt, vier weitere Monate an den Regeln für 2021 zu feilen und sie erst im Oktober final zu ratifizieren. Zur Erinnerung: 2021 soll eine Neuordnung der Formel 1 bringen – sportlich, technisch und kommerziell.
Der Aufschub wurde so verkauft, dass hinter den Kulissen nur noch Details geklärt werden müssten. Lieber soll gleich der erste Entwurf sitzen als dass man wieder permanent nachkorrigieren müsse.
Tatsächlich herrscht in vielen Punkten inzwischen Einigkeit. Sogar über die Budgetobergrenze. Die kommt – noch ohne Strafe – wohl schon 2020, in verhärteter Form dann ab 2021 (Details dazu HIER).
Doch gestritten wird jetzt um das Fundament der Formel 1: die Autos. Wir erinnern uns: Formel-1-Sportchef Ross Brawn hat gesagt: „Es müssen Autos sein, die so spektakulär sind, dass sich junge Leute wieder Poster von ihnen in ihr Zimmer hängen.“
Doch die Formel-1-Teams sind wenig begeistert darüber, was das Technikteam um Pat Symonds ausgearbeitet hat. Sie stören sich an der Optik, vor allem aber darüber, dass es zu wenig Freiheiten und zu viele Einheitsbauteile gibt.

Wie sieht die Zukunft der Formel 1 aus?

Bei der Optik wurden offenbar die Ziele verfehlt: Die Seitenkästen sind langgezogen, beginnen schon kurz hinter den Vorderreifen. Die Autos sind allgemein mit 3,60 Meter Radstand kaum kürzer als jetzt, mit einem Mindestgewicht von 765 Kilogramm sogar nochmal rund 20 Kilo schwerer als 2019. Für viele ist das der falsche Weg.
Vor allem aber rüttelt die Formel 1 2021 wohl an ihren Grundsätzen. Seit den 80er Jahren sind in der Formel 1 nur Teams zugelassen, die ihr Auto selbst konstruieren. Verschiedene Ausschreibungen des Automobilweltverbands FIA haben bereits angedeutet, dass viele Teile zu Einheitsteilen verkommen.
Ziel der Einheitsbauteile: Kosten sparen. Das geht so weit, dass sogar die Tunnel im Unterboden für den Ground-Effect, der ab 2021 ein Comeback feiern soll, vorgeschrieben sein werden. Das macht man aber nicht ohne Grund: Computersimulationen haben ergeben, dass dadurch der Abtriebsverlust beim Hinterherfahren nur noch zehn Prozent beträgt. Heute sind es 50%. Würde man den Teams auch am Unterboden freie Hand lassen, würde man damit wohl das Überholproblem nicht lösen können.
In der Bildergalerie zeigen wir Ihnen die 2021er Autos im Design möglicher neuer Hersteller.

Kommentar von Auto-Bild-Motorsport-Redakteur Michael Zeitler

Das Geschrei ist groß. Die Formel 1 soll technisch die Spitze des Motorsports sein. Der technische Wettbewerb ist Teil der Formel 1. Was sollen da Einheitsbauteile?
Doch das stimmt nicht. Bis Ende der 70er Jahren waren Kundenautos erlaubt. Sogar das Traditionsteam Williams begann 1966 mit Kundenautos von Brabham. Ferrari setzte jahrelang Chassis von Alfa Romeo ein.
Aber selbst, wenn wir die Geschichte außen vorlassen. Stellen Sie sich einfach mal zwei Fragen. Kennen Sie alle rund 35 Frontflügel-Varianten, die die Topteams pro Saison zuletzt an die Strecke schleppten? Oder stört es Sie auch, dass Überholen kaum mehr möglich ist – und wenn, dann nur mit der Überholhilfe DRS? Und stößt es Ihnen auf, dass nicht mal mehr die besten Mittelfeldteams Chancen aufs Podium haben?
Fakt ist: Die IndyCar zeigt, wie spannender Rennsport geht: Die Hersteller bauen verschiedene Motoren, aber die Chassis sind gleich. Es gibt auch dort Topteams, die eine Vielzahl der Siege abräumt. Aber an einem guten Tag kann jeder Rennstall gewinnen.
Motorsport ist ein technischer Sport. Und mit jeder technischen Weiterentwicklung von Computersimulationsprogrammen kommt die Formel 1 der Perfektion näher. Findige Ingenieure machen nicht mehr den Unterschied. Technische Grenzen werden nicht mehr überschritten, Ausfälle also immer weniger. Der Technikfaktor wird immer mehr von Computern und Geld bestimmt. Daher ist es durchaus ein plausibler Weg, auf mehr Einheitsteile zu setzen, wodurch das Feld wieder näher zusammenrückt und Dominanzen unwahrscheinlicher werden. Letztlich wollen Rennfans vor allem eines sehen: spannendes Racing, nicht 35 verschiedene Frontflügel-Variationen.
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Fotos: Sean Bull

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