Formel 1: Neues Chassis für Vettel

Formel 1: Neues Chassis für Vettel-Renner

"Ferrari muss Vettel Vertrauen impfen"

Sebastian Vettel bekommt für seinen Ferrari zum GP Spanien ein neues Chassis. Luca di Montezemolo stützt den deutschen Vierfach-Weltmeister.
Ferrari-Ikone Luca di Montezemolo (72) leidet gerade mit Ferrari. In einem Interview mit RTL spricht der ehemalige Präsident (er war unter anderem der Boss von Michael Schumacher) alle Baustellen an, an denen Scuderia derzeit arbeitet. Fest steht: Der ehemalige Chef des italienischen Sportwagen-Herstellers ist "sehr traurig" über die Entwicklung, die sein altes Team in den vergangenen Jahren genommen hat.
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Montezemolo: "Ferrari ist nicht mehr das Ferrari, das ich noch vor vielen, vielen Jahren kannte. Oft muss ich an meine Anfänge bei Ferrari denken, Anfang der 70er Jahre, mit Niki Lauda. Ich war glücklich und stolz. Ich habe 19 Titel gewonnen, als Team-Manager unter Enzo Ferrari und dann als Chairman. Mit drei Piloten haben ich den Fahrertitel geholt: mit Niki Lauda, mit Michael Schumacher und Kimi Räikkönen."
Der Landgraf weiß aber: "Doch es hat sich einiges geändert. Ich erinnere mich an mein Team, das mit Mauro Forghieri und mir sehr stark war. Wir hatten eine gute Mannschaft. Später habe ich auch – Schritt für Schritt – eine Mannschaft aufgebaut, beginnend mit Jean Todt, dann Ross Brawn, Rory Byrne und aus unserem "Nachwuchs" Stefano Domenicali. Jetzt sehe ich nur eine Person, Mattia Binotto, der gleichzeitig Todt, Brawn, Domenicali in einer Person vereint."

Vettel bekommt für den GP Spanien ein neues Chassis

Deshalb – glaubt er – sei Binotto überfordert: "Selbst wenn Du Superman wärst, kannst du nicht zeitgleich Teammanager, Technischer Direktor, der Verantwortliche für die Politik und derjenige sein, der die Fahrer betreut. Binotto ist gut, aber ich glaube, er braucht Leute um sich herum, die ihm mehr helfen."
Viele Gedanken macht er sich auch über Sebastian Vettel und seine Abseitsposition bei der Scuderia: "Eine meiner letzten Handlungen bei Ferrari war, Sebastian zu Ferrari zu holen. Für mich ist er ein Champion und ein sehr guter Team-Fahrer. Was ich meine? Wie Michael Schumacher: Wenn er gewinnt, tut er das mit dem Team. Wenn er nicht gewinnt, macht er das auch mit dem Team. Er ist sehr schnell und manchmal braucht ein Champion auch eine gute Umgebung, um es mal so auszudrücken."
Montezemolo glaubt: "Die Entscheidung, mit Sebastian nicht zu verlängern, hat man für mich zu früh getroffen. Man hätte sich da mehr Zeit nehmen müssen.“
Laut dem italienischen Landgrafen, der eine ganze Ära geprägt hat, gibt ihm Ferrari auch nicht die richtige Unterstützung: "Sebastian fühlt sich momentan nicht wie zuhause. Und der psychologische Aspekt eines Fahrers ist fundamental. Sicherlich hat er in Silverstone am Sonntag einen Fehler gemacht, das gehört zum Rennen. Man versteht seinen Ärger. Das Team muss ihm nun eine große Menge Vertrauen impfen, das braucht er. Denn es ist ein sehr delikater Moment für ihn. Ferrari braucht ihn, braucht seine Punkte, braucht Sebastian. Ich hoffe, dass alle im Team ihm helfen."
Immerhin: Der Deutsche bekommt beim GP Spanien an diesem Wochenende ein neues Chassis. Beim alten hat man einen kleinen Fehler gefunden. "Nach dem vergangenen Rennen in Silverstone haben wir einen kleinen Schaden entdeckt, der wohl durch einen harten Randstein-Kontakt hervorgerufen wurde", sagt der zuständige Chef-Ingenieur Simone Resta. Der Schaden habe im Zweifel "keinen großen Effekt auf die Performance, dennoch war die Entscheidung zum Chassis-Tausch logisch", so Resta.
Montezemolo bezweifelt aber, dass damit die Probleme, die der Heppenheimer mit dem aktuellen Ferrari hat, gelöst werden können. "Ich habe Zweifel, ob die Charakteristik des Autos zu Sebastians Fahrstil passt. Seit Beginn des Jahres war er nicht zufrieden. Ohne Frage, das Auto ist nicht wettbewerbsfähig."
Interessant ist, dass sich die Ferrari-Legende nicht festlegen will, ob Vettel bewusst benachteiligt wird. "Ich weiß wirklich nicht, wie alles zurzeit gehandhabt wird", wirft Montezemolo ein, er hoffe aber, dass beide Fahrer gleich behandelt werden. "Ich sehe keinen Grund, es anders zu halten. Aber noch einmal: Ich weiß es nicht, ich bin wirklich raus aus dem aktuellen Geschehen. Wenn Sie ins Ferrari-Museum gehen, werden Sie kaum Fotos von mir sehen."

Autoren: Ralf Bach,

Fotos: Ferrari

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