Er ist wieder da: Nico Hülken-back! Der Deutsche feiert 2023 seine Formel-1-Rückkehr, ersetzt bei Haas Landsmann Mick Schumacher. Doch so wirklich weg war Hülkenberg eigentlich nie, wirkte er doch bis zuletzt immer noch allgegenwärtig im F1-Kosmos.
Zum einen fungierte der 35-Jährige die beiden letzten Jahre als TV-Experte für ServusTV, zum anderen war er als Test- und Reservepilot für Aston Martin oft im Fahrerlager anzutreffen. Und dann waren da noch seine Einsätze als Feuerwehrmann: Zunächst bei Racing Point 2020, als er zwei Rennen für die an Corona erkrankten Stammpiloten Sergio Perez und Lance Stroll bestritt und beide Male punktete. Dann zu Saisonbeginn 2022, als Hülkenberg aus dem gleichen Grund Sebastian Vettel in Bahrain und Saudi-Arabien vertrat.
Und in der Zwischenzeit? Schrieb Hülkenberg ausschließlich positive Schlagzeilen privater Natur: Im April 2021 heiratete er die litauische Modedesignerin Egle Ruskyte, mit der er seit 2015 liiert ist, ein halbes Jahr später kam Töchterchen Noemi Sky zur Welt. Gemeinsam mit Hund Zeus leben die drei in Monte Carlo. Papa-Pflichten, Tennisspielen - unter anderem mit Deutschlands Nummer 1 Alexander Zverev - und einfach mal ein bisschen das Leben genießen, so sah Hülkenbergs Tagesablauf im Fürstentum aus.
Der "Hulk" (l.) beim Tennis mit Alexander Zverev (r.) in Monaco

Jetzt hat er aber wieder Bock auf Rennsport, genauer gesagt auf die Formel 1, seine andere große Liebe: Denn so wirklich untreu wurde Hülkenberg der Königsklasse in der Zwischenzeit nie. Zwar testete er spaßeshalber mal in den USA ein IndyCar, ein Engagement in einer anderen Serie gab's aber trotz drei Jahren Pause nicht. "Ich muss beim Rennfahren etwas finden, das ich wirklich machen möchte. Das kam bislang aber noch nicht um die Ecke", hatte Hülkenberg in der F1-Pause mal verraten.
Und gleichzeitig auch sein Mindset verändert: "Ich bin mittlerweile komplett entspannt und in meinem Kopf an einem guten Platz, mache mir keinen Druck mehr. Ich hatte viele gute Jahre im Rennsport. Wenn noch mehr dazukommen, schön. Aber es ist nicht so, dass mein Leben ohne stehenbleibt." Doch wie so oft im Leben gilt eben: Wer nicht sucht, der findet. Oder wird gefunden...
Haas war auf der Suche nach einem erfahrenen Piloten. Die vergangenen zwei Jahre haben den US-Rennstall zum Umdenken bewegt: Einerseits bestritt das Team die Saison 2021 mit altem Auto und gleich zwei Rookies. Zur Fahrzeugentwicklung konnten die Neulinge Nikita Mazepin und Mick Schumacher nur relativ wenig beitragen. Dafür wurde in der Lernphase aber durch diverse Unfälle viel teurer Schrott produziert.
Hülkenberg (l.) mit Reporter Hackbarth (M.) im Jahr 2017

Andererseits zeigte Kevin Magnussen, wie viel Erfahrung doch wert sein kann. Auch der Däne war wie Hülkenberg schon raus der Formel 1, bekam erst durch den Russland-Ukraine-Konflikt und die damit verbundene Ausbootung von Oligarchensohn Mazepin seine Comeback-Chance - und konnte auf Anhieb überzeugen: Dieses positive Beispiel stieß die Tür bei Haas auch für F1-Rentner Hülkenberg wieder weit auf.
Seiner Stärken ist sich der Le-Mans-Sieger von 2015 jedenfalls bewusst und setzte diese auch in den Vertragsverhandlungen mit dem Team entsprechend ein: "Es gibt nicht viele Leute, die über so viel Erfahrung verfügen wie ich und irgendwie noch Teil des Ganzen sind. Es gibt also nicht so viele Alternativen", sagt Hülkenberg selbstbewusst. "Natürlich gibt es viele gute und schnelle Jungs in der Formel 2, einige haben echt Talent. Aber sie haben natürlich noch keine F1-Erfahrung."
Hülkenberg hingegen mangelt es an der bekanntlich nicht. Klar ist mit dem Comeback auch, dass er Ende nächster Saison in den elitären Club der Formel-1-Fahrer mit 200 Grand-Prix-Starts stoßen wird. Das haben bisher überhaupt erst 20 Fahrer geschafft. Bereits beim dritten Saisonrennen 2023 wird der Emmericher außerdem Nick Heidfeld überholen und danach der Deutsche mit den viertmeisten F1-Rennen sein: Vor ihm liegen dann nur noch die drei Weltmeister Michael Schumacher (307), Sebastian Vettel (aktuell 298) und Nico Rosberg (206).
Einsatz als Feuerwehrmann für Aston Martin in Saudi-Arabien

Auch eine andere Rekordmarke dürfte Hülkenberg wohl noch ausbauen, wenngleich er versuchen wird, diese schnellstmöglich loszuwerden: Der Deutsche hält aktuell den Rekord für die meisten Grand-Prix-Starts ohne Podium (181) in der Formel 1.
Hülkenbergs Ex-Ingenieur Tom McCullough, der viele Jahre mit dem Deutschen zusammenarbeitete, ist trotzdem recht zuversichtlich, dass das Comeback eine Erfolgsgeschichte ohne große Anlaufzeit wird: "Nico ist Profi durch und durch. Er bringt mehr als zwölf Jahre Erfahrung in der Formel 1 mit. Das erlaubt es ihm, in ein Auto zu springen und sofort wieder bei der Musik zu sein", urteilt der Brite.
Außerdem sind Hülkenbergs letzte Formel-1-Kilometer noch gar nicht so lange her wie angenommen: Noch im August absolvierte er für Aston Martin im aktuellen Auto einen Reifentest für Hersteller Pirelli und spulte dabei über 130 Runden auf dem Hungaroring ab. "Der Rost ist ab", schrieb Hülkenberg damals auf Instagram. Eigentlich ein gutes Motto für 2023, wenn der "Hulk" wieder allen seine Stärke zeigen will.

Von

Frederik Hackbarth