Formel 1: Pokert Hamilton zu hoch?
Vertragspoker: Hamilton spielt mit dem Feuer

Lewis Hamilton und Mercedes verhandeln weiter um einen neuen Vertrag. Geht es dabei auch um sein Alter?
Bild: LAT / Mercedes
- Bianca Garloff
- Ralf Bach
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen…
Als Lewis Hamilton (38) in den TV-Interviews nach der Siegerehrung nach seinem Überholmanöver an Fernando Alonso (41) am Start zum Rennen in Montreal gefragt wurde, grinste der Mercedes-Star frech: „Seine Reaktionen sind ein bisschen langsam, weil er jetzt ein bisschen älter ist.“
Alonso, der die Antwort zwei Meter neben Hamilton stehend gut hören konnte, nahm’s mit Humor, schlug seinem Rivalen freundschaftlich auf die Schulter und forderte Revanche: „In zwei Wochen…“, konterte der Aston Martin-Star die Verbalattacke seines ehemaligen McLaren-Teamkollegen von 2007.
Die sind nun fast rum. Am Wochenende steht mit dem GP Österreich auf dem Red Bull-Ring das neunte Rennen des Jahres an. Doch Hamiltons Alters-Angriff ist immer noch ein Thema in der Formel 1.
„Ich fand, dass er ein wenig mit dem Feuer gespielt hat“, sagt Ex-Weltmeister Damon Hill im englischen Express, „denn der zweitälteste Mann in der Formel 1 ist Lewis Hamilton.“ Der Rekordchampion wird Anfang Januar 2024 39 Jahre alt. „Das Gute daran ist, dass Fernando zeigt, dass es ein Leben nach 40 gibt“, meint Hill. „Lewis denkt wahrscheinlich: ,Toll, ich habe noch ein paar Saisons vor mir.‘"

Lewis Hamilton und Mercedes verhandeln weiter um einen neuen Vertrag.
Bild: Stephen Reuss / Mercedes
Doch ausgerechnet sein für einen Formel-1-Piloten fortgeschrittenes Alter könnte Hamilton in den Vertragsverhandlungen mit Mercedes selbst teuer zu stehen kommen. Der aktuelle Kontrakt des Briten läuft Ende 2022 aus. Schon seit Monaten brüten der siebenmalige Weltmeister und Mercedes-Teamchef Toto Wolff über dem neuen Arbeitspapier.
Was Auto Bild bereits vor Wochen berichtete, sickerte jetzt auch aus England durch. Wie die Daily Mail berichtet, will Hamilton nicht nur einen klassischen Mehrjahresvertrag, sondern obendrein auch einen Botschaftervertrag mit dem Mutterkonzern Mercedes-Benz. Für zehn Jahre fordert er angeblich jeweils 23 Millionen Euro (20 Millionen Pfund) – also insgesamt 230 Millionen Euro.
Das Problem: In zehn Jahren wäre Hamilton fast 50. Sein Werbewert ist bis dahin kaum einzuschätzen. Konzernchef Ola Kaellenius muss sich also die Frage stellen: Lohnt sich der dreistellige Millionendeal über einen so langen Zeitraum wirklich? Dabei dürfte der Unternehmenslenker auch das Beispiel Sebastian Vettel im Blick haben. Der Deutsche hat nach seinem Rücktritt bereits deutlich an öffentlicher und medialer Präsenz eingebüßt.
Hamilton spielt also wahrlich mit dem Feuer, wenn er Mercedes in den Verhandlungen nicht entgegenkommt. Gut möglich, dass sich die Parteien in der Mitte treffen. Fest steht: Teamchef und Freund Toto Wolff kann dem Superstar in den Gesprächen mit Mercedes-Benz nicht helfen. Er verantwortet allein das Budget für den neuen Fahrervertrag.
Da ist die Rede von 49,5 Millionen Euro Grundgehalt pro Jahr für die nächsten drei Jahre. Doch auch hier pokern die Beteiligten. Laut Daily Mail ist das Team mit Sitz in Brackley (GB) lediglich bereit, einen Einjahreskontrakt mit Option für eine weitere Saison zu unterschreiben.
Allen Unkenrufen zum Trotz: Dass Hamilton und Mercedes nicht gemeinsam weitermachen, gilt als höchst unwahrscheinlich. Doch die besseren Karten im Poker um den neuen Millionendeal hat Mercedes. Hamilton muss einsehen, dass er gerade mit dem Super-Gau aller Formel 1-Stars konfrontiert wird: Wenn man seine Zukunft nicht mehr in der eigenen Hand hat. Anders als – so scheint es – Fernando Alonso.
Service-Links