Der ehemalige Formel-1-Star betont in einer Sky-Presserunde: „Ein Team zu kaufen wie Sauber, das zwar ein schönes und gutes Team war, aber eher Mittelmaß; dann umzustrukturieren, einen neuen Motor zu bauen, ein Getriebe zu bauen – all das ist eine Mammutaufgabe.“
Dabei ist der größte Schritt – die Übernahme des Teams und die Konstruktion des Antriebs – bereits abgeschlossen, auch wenn der Prozess nicht ganz reibungslos verlief.

Schumacher über Audi: „Einstieg wirkte wild"

„Die größte Herausforderung – und die erste – war es, Frieden und Ruhe reinzubringen und neue Mitarbeiter zu holen“, erklärt Schumacher. „Der Einstieg wirkte nach außen zunächst wild, mit Personalwechseln noch bevor alles richtig begann.“ Zur Erinnerung: Vom deutschen Teamchef Andreas Seidl (Ex-McLaren) hat man sich auf halbem Weg nach einem internen Machtkampf getrennt.
Schumacher: „Jetzt hat man aber den Eindruck, das ist eine gute Einheit geworden. Vor Ort konnte man spüren, wie motiviert das Team ist. Mattia Binotto (Projektleiter; d. Red.) war richtig euphorisch.“
Der Audi-Einstieg ist aus deutscher Sicht DAS Thema vorm Start der neuen Formel-1-Saison.
Bild: Audi
Die Herausforderung bleibt dennoch groß. Ein Grund: Audi stattet kein weiteres Kundenteam mit Motoren aus, ist bei der Analyse des Kräfteverhältnisses auf eigene Daten angewiesen. Schumacher: „Du kommst als Werk allein auf den Markt und musst herausfinden, wie stark dein Motor im Vergleich ist, obwohl du dein Auto selbst noch nicht genau einschätzen kannst. Dazu kommen Themen wie Energierückgewinnung oder mittlerweile auch, ob du im ersten Gang durch Kurven fahren kannst.“
Wichtig sei deshalb, dass die Mannschaft Zeit bekommt und auch die Audi-Bosse Geduld haben. „Ich sage immer: Es ist schön, wenn ein Konzern einsteigt, aber der Konzern muss draußen bleiben“, so der Sky-Experte. „Vorstandsebenen sollten sich nicht zu sehr einmischen, das bringt Unruhe. Vorstände wechseln, Ziele ändern sich. Das kann man in der Formel 1 nicht brauchen.“

Schumacher war „beeindruckt"

Immerhin: Der Eindruck aus Bahrain bleibt positiv. „Ich war beeindruckt, wie viele Runden alle gefahren sind“, so Schumacher. "Es sah gar nicht so schlecht aus. Man muss sich immer erinnern: Wo steht das Team, wer ist dazugekommen, wie viele Leute fehlen noch? Binotto hat von Anfang an gesagt, dass es ein Zwei- bis Drei-Jahres-Projekt wird, bis man um Siege fahren kann.“
Ein Zeitplan, der den Druck dennoch nicht wirklich mindert. Der deutsche Premiumhersteller muss allein schon deshalb liefern, weil das neue Reglement mit höherem Elektroanteil auch ein Zugeständnis an die Ingolstädter war. Alle beginnen bei null – eine echte Chance für Neueinsteiger. Das weiß auch Schumi II, wenn er sagt: „Die Regeln wurden auch zugunsten von Audi/VW beschlossen, um den deutschen Hersteller anzulocken.“
Das hat die Königsklasse geschafft. Jetzt ist Audi am Zug.