Er führt mit 80 Punkten in der WM, hat allein in dieser Saison schon acht Siege auf dem Konto. Trotzdem hat sich Weltmeister Max Verstappen Anfang des Jahres schwer getan mit den neuen Autos.
Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Rennwagen der Generation 2022 wiegen 798 Kilo und sind damit noch mal 45 schwerer als 2021. Die Folge: Die Formel-1-Panzer reagieren in engen Kurven träge und neigen zum Untersteuern. Heißt: Sie schieben tendenziell stärker über die Vorderräder.
Verstappen gibt jetzt zu: „Damit hatte ich meine liebe Mühe.“ Grund: „Die Charakteristik dieser Autos führt zu einem Handling, mit dem ich die Kurven nicht so attackieren kann, wie ich es mag.“
Wie alle großen Champions hat Verstappen einen speziellen Fahrstil, der eine stabile Vorderachse verlangt. „Am liebsten ist mir eine Vorderachse, die mir sehr viel Gefühl gibt und ein knackiges Einlenken erlaubt“, erklärt der Red Bull-Star. „Wenn dadurch das Heck lebhaft ist, dann kann ich damit sehr gut leben. Mit einem leicht untersteuernden Fahrzeug kommt Sergio Pérez (sein Teamkollege; d. Red.) besser zurecht als ich.“
Max Verstappen kam zu Saisonbeginn nicht so gut mit seinem Auto zurecht. Jetzt erklärt er den Grund.

Das Untersteuern kommt aber nicht nur durch das höhere Gewicht zustande, sondern auch durch die neuen 18-Zoll- Niederquerschnittsreifen mit steiferen Seitenwänden. Verstappen: „Wir sprechen hier von Nuancen, aber im brauche einfach ein Auto, das zwischen Vorder- und Hinterachse besser ausbalanciert ist. Die 2022er Generation hat eine andere Design-Philosophie erzwungen als die Rennwagen zuvor.“
Verstappen wünscht sich von Pirelli für 2023 deshalb modifizierte Reifen, nimmt die Italiener aber gleichzeitig in Schutz: „Bei der ersten Saison mit Flügelautos war nicht klar, wieviel Abtrieb diese Autos erzeugen würden. Pirelli musste auch daran denken, dass unsere Rennwagen erneut schwerer werden. Aber wir könnten die Kurven besser attackieren, wäre die Konstruktion des Vorderreifens etwas anders.“
Daran arbeitet Pirelli während der Reifentests. Der letzte hat gerade erst nach dem GP Ungarn stattgefunden. Da waren Mercedes und Aston Martin in die Testarbeit eingebunden. Red Bull ist nach dem GP Italien in Monza dran.
Doch Verstappen hat sich mit viel Feintuning und dank diverser neuer Teile längst wieder an seinen Red Bull gewöhnt und Sergio Perez abgehängt. „Ich musste mich umstellen und schrittweise erkunden, wie genau ich das Auto auf meine Bedürfnisse trimmen will“, verrät er.
Bleibt die Frage, wie überlegen Verstappen erst fährt, wenn das Auto wieder ganz und gar seinen Bedürfnissen entspricht…

Von

Bianca Garloff