Formel 1: Red Bull bleibt bei Renault
Vettel bekommt mehr Einfluss

Trotz allem Ärger über den bisherigen Saisonverlauf: Red Bull bleibt Renault treu - zur Belohnung bekommt das Team mehr Einfluss auf die Motorentwicklung.
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- Ralf Bach
- Bianca Garloff
Er hat die Motor-Seuche an den Hacken... drei Ausfälle in acht Rennen: Am vergangenen Mittwoch hatte Sebastian Vettel (26) in SPORT BILD deshalb von einem eigenen Red Bull-Motor geträumt. Wie seine Bosse hat er die Abhängigkeit von Renault satt. Die Franzosen haben zuletzt zu wenig in ihre Fabrik nahe Paris und in das neue Triebwerk investiert. Folge: Der aktuelle Antrieb ist dem Mercedes weit unterlegen. Die Red Bull-Chefetage sucht deshalb schon seit Saisonbeginn intensiv nach Wegen aus der PS-Krise. Im Raum standen mehrere Varianten. Erstens: Im neuen Red-Bull-Technologiezentrum in Milton Keynes (GB) einen eigenen Motor konstruieren und mit Hilfe des Grazer Antriebsspezialisten AVL bauen. Zweitens: Den Volkswagen-Konzern mit ins Boot holen. Drittens: Die Renault-Schmiede übernehmen und aufmöbeln.
Auf Mercedes' Spuren

Caterhams Abiteboul (li.) pflegt bekanntlich beste Kontakte zu Renault...
Abiteboul neuer starker Mann
Die Rolle des trojanisches Red-Bull-Pferdes übernimmt Caterham-Teamchef Cyril Abiteboul, dessen Team in der kommenden Woche verkauft wird. Schon in den letzten Wochen wurde er häufig zusammen mit Red-Bull-Teamchef Christian Horner gesehen. Er kehrt zu Renault zurück und soll die Umstrukturierung der Fabrik leiten. Dabei ist es auch nicht ausgeschlossen, dass man mit Ex-Mercedes-Motorchef Mario Illien einen hochkarätigen Motorspezialisten als Berater anheuert. Der Schweizer saß in der Arbeitsgruppe, die die neuen Antriebsregeln für die Formel 1 definiert hat und ist eng mit Red Bull-Technikchef Adrian Newey befreundet.
Mit Toro Rosso & Caterham
Eine Komplett-Übernahme ist am Nationalstolz der Franzosen und der großen Macht der Gewerkschaften gescheitert, die beim Wort Verkauf gleich in Abwehrhaltung gegangen sind. Deshalb ist der Franzose Abiteboul die Lösung dieses Problems. Der Bau eines eigenen Motors hätte zudem zu lange gedauert. Selbst ein Einsatz im Jahr 2016 war fraglich. Eine noch engere Verzahnung zwischen Red Bull und Renault macht auch deshalb Sinn, weil Lotus – das ehemalige Werksteam der Franzosen – wohl zu Mercedes wechselt und dort McLaren ersetzt. Konsequenz: Renault müsste nur noch Red-Bull-nahe Teams mit Motoren ausstatten. Toro Rosso gehört den Österreichern zu 100 Prozent. Caterham kooperiert schon jetzt eng mit Red Bull Technology, bezieht unter anderem das Getriebe vom Vettel-Team. Das soll auch nach dem Verkauf so bleiben.
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