Der Countdown zur neuen Formel-1-Saison läuft. Noch 14 Tage, dann drehen die Rennwagen der neuen Generation ihre ersten Runden beim Test in Barcelona. Dann werden erstmals auch die Geheimnisse der neuen Technik gelüftet. Die Autos, die derzeit in digitaler Form der Öffentlichkeit präsentiert werden, sollen indes nur Lust machen auf das, was die Fans in der Realität erwartet. So auch der Red Bull RB18, das neue Arbeitsgerät von Weltmeister Max Verstappen, das heute in den sozialen Medien vom Team präsentiert wurde.
Red Bull-Berater Helmut Marko ließ die Seifenblase schon vorher mit seinem knallharten Realismus platzen. „Die Präsentation, die wichtig für Fans und Sponsoren ist, zeigt keine besonderen Details am Auto. Es ist eine reine Marketingaktion“, sagte der Grazer zu ABMS. „Das neue Auto wird erst kurz vor Testbeginn in Barcelona am 23. Februar fertig. Ab dann wird es weiterentwickelt und erhält noch mal ein Update fürs erste Saisonrennen in Bahrain.“
Der neue Red Bull RB18.

Viel Brimborium also um fast nichts – und einen neuen Titelsponsor: Oracle ist ein US-amerikanischer Soft- und Hardware-Hersteller, der künftig groß auf den Seitenkästen prangt.
Das neue Auto, das Teamchef Horner sowie die Fahrer Max Verstappen und Sergio Perez in einer eigens angefertigten TV-Show da vorstellten, war allerdings nicht mehr als eine leicht veränderte Kopie des Formel-1-Showcars für die Saison 2022. Die Grundzüge der neuen Regeln zeigt die freilich auch. „Der Wagen ist sauberer und hat weniger Flügelchen“, erklärt Horner. „Jede Komponente ist neu. Alles ist ausgerichtet auf mehr Überholmanöver. Es ist ein Groundeffect-Auto. Das ändert die gesamte Philosophie.“
Max Verstappen gefällt besonders die Startnummer 1 auf seinem neuen Dienstwagen. „Ich freue mich darauf mich ins Auto zu setzen und zu spüren, wie es sich auf der Strecke verhält.“ Der Niederländer erwartet aufgrund der neuen Regeln „weniger Grip, aber wir haben ja die Tests, um uns ans Sliden und Rutschen zu gewöhnen.“ Gewöhnungsbedürftig sind für ihn auch die neuen 18-Zoll-Reifen. „Sie sind größer, da wird es in engen Kurven schwieriger sein, den Scheitelpunkt zu sehen.“
Die erste Kampfansage der Saison gab’s auch: „Wir haben jetzt die Nummer 1 auf dem Auto und wollen sie behalten“, betont Horner. „Die Motivation ist hoch und wir wollen weiter auf der Welle von 2021 surfen.“ Dabei werde es „darum gehen, wie schnell die Teams die Regeln verstehen und die Autos anpassen können.“
Red Bulls Chefetage rechnet fest mit einer Neuauflage des Duells gegen Mercedes. Doch eine Garantie gibt es dafür nicht. Traditionell gilt für Jahre mit neuen Regeln: Die Teams, die frühzeitig mit dem Design der neuen Autos beginnen konnten, haben einen entscheidenden Vorteil.
Ferrari, Haas und Alpine ordneten deshalb spätestens Mitte 2021 alles der Entwicklung für 2022 unter. Red Bull und Mercedes dagegen bekriegten sich bis zum Schluss. Ein nicht wegzudiskutierender Nachteil. Das gibt auch Chefdesigner Adrian Newey zu. „Unser Dilemma: Wir konnten in Weltmeister werden, also durften wir in Sachen Entwicklung nicht nachlassen. Gleichzeitig mussten wir uns um das 2022er Auto kümmern und dies alles vor dem Hintergrund des Budgetdeckels und dem erforderlichen Schrumpfen unseres Teams. Wir mussten also einige Bälle in der Luft halten.“
Red Bull zeigt nur ein Showcar mit der aktuellen Lackierung.

Die Gefahr: Dabei könnte man den entscheidenden Trick übersehen haben. Horner: „Die Frage ist: Haben wir etwas verpasst bei diesen neuen Regeln, weil wir uns so auf 2021 konzentriert haben? Hat ein Team eine Lücke im Reglement gefunden, die uns nicht aufgefallen ist?“
Für Red Bull spricht: Adrian Newey. Der Daniel Düsentrieb der Formel 1 glänzt immer dann, wenn es darum geht, ein Auto vom Reißbrett neu zu designen. 2009 begann mit der letzten ganz großen Aerodynamik-Regeländerung der Aufstieg des Teams. Zwar fand BrawnGP damals mit dem Doppeldiffusor kurzfristig den Stein der Weisen – doch Red Bull legte langfristig den Grundstein für vier WM-Titel mit Sebastian Vettel ab 2010.
„Ich kann mich nur an eine Reglementänderung erinnern, die ähnlich einschneidend war“, sagt Newey jetzt. „Als Ende 1982 die Bodeneffekt-Autos verboten wurden. Wir reden hier von einer Revolution. Gleich bleibt eigentlich nur der Motor, alles andere wird neu.“ 
Allein: All das sind Spekulationen. Fest steht dagegen: Geändert hat sich nichts an dem erbitterten Konkurrenzkampf, den Red Bull und Mercedes bis zur letzten Runde des letzten Rennens in Abu Dhabi 2021 geführt haben. Die Narben sind verheilt, aber die Emotionen nicht vergessen.
Der intensive Kampf zwischen Verstappen und Hamilton hat tiefe Spuren hinterlassen: „Es war wie ein Boxkampf im Schwergewicht vom ersten bis zum letzten Rennen in Abu Dhabi“, sagt Horner.
Marko geht sogar davon aus, dass der Zweikampf genauso intensiv fortgesetzt wird – und befürchtet, dass das Einfluss auf die Dauer Karriere Verstappens nehmen könnte. „Wir waren alle am Limit“, sagt der Österreicher und räumt ein: „Max hat gesagt, dass er diese Intensität nicht mehr ertragen kann. Er will noch eine Weile fahren, aber wenn das jedes Jahr so ​​ist, dann wird seine Karriere zeitlich begrenzt sein.“

Von

Bianca Garloff