Formel 1: Red Bulls Luxusprobleme
Wegen Verstappen: Marko stellt sich vor Perez

Red Bull dominiert die Formel-1-WM – die Luxusprobleme um Sergio Perez und AlphaTauri lächelt Helmut Marko deshalb gekonnt weg.
Bild: Red Bull Content Pool
- Ralf Bach
Die Red-Bull-Entscheidungsträger erfreuen sich gerade ihres Lebens. Alle acht Rennen der Formel-1-Saison wurden von Piloten des Energy-Drink-Konzerns aus Österreich gewonnen. Zwei Siege konnte dabei der Mexikaner Sergio Perez einfahren, sechs Mal dominierte Max Verstappen, der längst zum siegenden Holländer geworden ist und sich als absoluter Dominator der Vollgasmanege mit Hollywood-Touch etabliert hat.
In der Fahrerwertung liegt "Magic Verstappen" nach seinem 41. Sieg am vergangenen Wochenende in Montreal mit 195 Punkten schon schier uneinholbar vor seinem Teamkollegen aus Mexiko (126). Das realistische Szenario, das sich durch das Kräfteverhältnis ergibt: Sein dritter WM-Titel in Folge ist ihm schon in diesem frühen Zeitraum der Saison kaum mehr zu nehmen.
Das gleiche gilt für den zweiten Wettbewerb, bei dem in der Formel 1 Titel vergeben werden: In der Konstrukteurswertung führt Red Bull ebenfalls mit 321 Punkten überlegen vor den Rennställen von Mercedes (167) und Aston Martin (154).

Red Bull dominiert die Formel-1-WM – die Luxusprobleme um Sergio Perez und AlphaTauri lächelt Helmut Marko deshalb gekonnt weg.
Bild: Red Bull Content Pool
Allein: Obwohl der Himmel über der Konzernzentrale in Fuschl bei Salzburg rosarot erscheint, ist man sich bei den Österreichern durchaus der Baustellen bewusst, auf die besonders von den Medien hingewiesen wird. Erste Dauerthese: Kann Sergio Perez auf Dauer mental der Dominanz seines Teamkollegen standhalten? Ist er deshalb noch der richtige Chauffeur im Begleitfahrzeug des "Mozarts" aus den Niederlanden?
Die zweite Baustelle, mit der sich Red Bull auseinandersetzen muss: Juniorteam AlphaTauri ist mit nur zwei Punkten aktuell Letzter der Teamwertung. Logisch, dass da öffentlich die Sinnfrage über die in Faenza nahe der Rennstrecke in Imola beheimatete Mannschaft gestellt wird. Denn der Unterhalt der Talentschmiede, die Rohdiamanten wie Verstappen oder Sebastian Vettel in der Vergangenheit zu Champions geschliffen hat, verschlingt immerhin einen dreistelligen Millionenbetrag.
Bei aller Euphorie sind sich die Energy-Drink-Protagonisten ihrer Luxusprobleme also durchaus bewusst. Helmut Marko (80), der als Chefberater der Bosse durch seine Expertise bei Red Bull den Daumen über Fahrer und Projekte hebt oder senkt, analysiert gegenüber F1-Insider: "Wir nehmen auch Luxusprobleme ernst. Was Perez betrifft: Nüchtern betrachtet hat er bisher den Job gemacht, den wir von ihm erwarten. Er soll den Sieg in der Konstrukteurswertung mit sichern und der momentane Punktestand gibt ihm Recht. Er hat zudem bewiesen, dass er auch Rennen gewinnen kann, wenn er in Bestform ist.“

AlphaTauri liegt derzeit nur auf Rang 17 der WM-Wertung.
Bild: Red Bull Content Pool
Deshalb gibt es keinen Grund, den Druck zu erhöhen. Marko weiter: „Die Frage, ob er gut genug ist, stellt sich für uns nicht. Denn Max wird immer besser und die Frage, die man sich stellen muss, ist doch eher eine andere: Wer wäre die Alternative? Gibt es jemanden, der Max im Moment wirklich herausfordern könnte? Ich sehe da ehrlich gesagt niemanden.“
Was Alpha Tauri betrifft: "Wir sind nicht zufrieden mit den momentanen Leistungen von AlphaTauri, das sind sie selbst auch nicht. Aber ihre Hauptaufgabe ist immer noch, unsere jungen Talente so zu schulen, dass sie den nächsten Schritt gehen können. Das hat in der Vergangenheit gut funktioniert und das aktuelle Beispiel Yuki Tsunoda zeigt, dass es auch heute trotz der noch mageren Punkteausbeute noch klappt.“
Der Japaner liegt derzeit auf Rang 17 der WM-Wertung, hat aber mit einigen starken Fahrten schon überzeugen können. Allein die Ergebnisse fehlen noch. Der Grazer: „Wir hoffen, dass AlphaTauri sich noch in diesem Jahr steigern kann. Und für die Zukunft ist geplant, dass die Zusammenarbeit mit Red Bull Racing – natürlich im erlaubten Rahmen des Reglements – erweitert wird, um mehr Ressourcen effizient nutzen zu können. Dafür ist geplant, dass Teile des Teams nach England gehen.“
Bei den Fahrern steht Nyck de Vries (WM-19.) weiter auf dem Prüfstand. Einen, der aus dem Nachwuchskader Red Bulls nachrücken könnte, hat Ex-Toro-Rosso-Teilhaber Gerhard Berger (63) in seinem persönlichen Notizbuch bereits dick unterstrichen. Der ehemalige DTM-Boss zu F1-Insider: „Ich halte viel vom jungen Neuseeländer Liam Lawson. Er macht gerade einen tollen Job in der hoch angesehenen Super Formula in Japan. Das erste Mal fiel er mir extrem positiv vor zwei Jahren in der DTM im von Red Bull gesponserten Ferrari auf. Er war schneller als sein damaliger Teamkollege Alex Albon. Und was der leisten kann, sehen wir ja gerade bei seinen Auftritten mit Williams in der Formel 1.“
Berger ist sich deshalb sicher: „Er ist der nächste aus dem Red-Bull-Pool, den wir in der Formel 1 sehen werden. Ohne das Juniorteam wäre das aber schlecht möglich.“
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