Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht für Formel-1-Fans? Reifenhersteller Pirelli hat auf seiner Jahrespressekonferenz verraten: Das schwarze Gold soll in der neuen Saison länger halten.
Hintergrund: Statt mit 13 Zoll-Pneus treten die Formel-1-Stars 2022 mit 18-Zoll-Niederquerschnittsreifen gegeneinander an. Es ist der größte Einschnitt der letzten 60 Jahre. Seit den 1960ern sind 13-Zoll-Felgen der Standard. Doch die Königsklasse will sich mehr und mehr an die Automobilindustrie anlehnen – und da sind größere Felgen und weniger ballonartige Reifen der Hit.
Deshalb war Pirelli gefordert. Insgesamt 36 Tage lang haben die Italiener mit diversen Rennställen getestet, um für die neue Reifengeneration gerüstet zu sein. Die Eckdaten der Entwicklung: 10.000 Stunden auf den Prüfständen in Mailand, 70 Prototypen, 30 Spezifikationen, die von den Formel-1-Fahrern ausprobiert wurden, 4267 zurückgelegte Runden, rund 20000 Testkilometer.
Das schwarze Gold soll in der neuen Saison länger halten.
Das Fazit von Pirelli-Sportchef Mario Isola: „Die Formel-1-Fahrer hatten sich gewünscht, dass sie Reifen bekommen, die weniger zum Überhitzen neigen und weniger abbauen. Mit unserer Neukonstruktion haben wir diese Ziele erreicht, wie sich bei den Nachsaisontests in Abu Dhabi bewiesen hat. Dort hat sich gezeigt: Die neuen Reifen halten besser stand.“
Heißt auch: Die Piloten können länger und härter attackieren. Allerdings dürfte die Zahl der Boxenstopps und damit der strategischen Varianten sinken. Isola: „Wir glauben, wir werden tendenziell weniger Boxenstopps erleben, aber dafür mehr Action auf der Strecke.“
Wichtig auch: Laut Pirelli sind die Rennwagen der neuen Generation kaum langsamer als die alten – obwohl sie schwerer sind und weniger Abtrieb produzieren sollen. „Die neuen Autos werden nur 0,5 bis eine Sekunde pro Runde langsamer sein als Ende 2021“, verrät der Italiener. „Und wenn die Entwicklung so vorangeht, wie ich es erwarte, werden die Wagen Ende 2022 so schnell sein 2021.“
Noch eine gute Nachricht: Teure und hochkomplizierte Tricks, die Reifen ins perfekte Arbeitsfenster zu bringen, dürften der Vergangenheit angehören. Isola: „Bislang wurden Bremsen und Felgen dazu genutzt, Reifendruck und -temperatur zu beeinflussen, um das Gummi perfekt zu nutzen. Das geht in diesem Ausmaß 2022 aber nicht mehr, weil der Bereich um die Räder komplett anders gestaltet worden ist. Wie nachhaltig das innere Aufwärmen der Reifen noch versucht werden kann, müssen die Tests mit den neuen Autos zeigen.“

Von

Bianca Garloff