Formel 1: Ricciardo gewinnt Chaos-GP
Zoff zwischen Vettel und Hamilton

Daniel Ricciardo siegt in Baku vor Valtteri Bottas und Lance Stroll. Großer Zoff zwischen den WM-Rivalen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton nach Crash.
Bild: Picture-Alliance / Getty Images
- Frederik Hackbarth
Was für ein Kracher-Rennen in Baku! Daniel Ricciardo feiert im Red Bull einen sensationellen Sieg, überholt mit einem Monster-Manöver drei Autos auf einmal und profitiert dann vom Pech der Favoriten. Valtteri Bottas rast nach einer Startkollision mit Kimi Räikkönen von ganz hinten noch auf Platz zwei, schnappt sich Lance Stroll dabei erst auf den letzten Metern. Der erst 18-jährige Williams-Rookie feiert mit Rang drei sein erstes Podium in der Formel 1.
Alle Zahlen auf einen Blick: Das Rennergebnis aus Baku
Riesen-Krach aber dahinter. Sebastian Vettel wird Vierter, direkt vor WM-Rivale Lewis Hamilton. Zu Mitte des Rennens liegen die beiden F1-Schwergewichte noch in Führung. Doch dann kommt es während einer Safety-Car-Phase zum folgenschweren Zwischenfall. Der Führende Hamilton geht stark vom Gas, Vettel rauscht ihm ins Heck. Dann das Revanche-Foul: Vettel fährt neben Hamilton, lenkt in dessen Auto. Die Reifen berühren sich. Auch am Funk beschwert sich Vettel lautstark: "Er hat einen Bremstest mit mir gemacht!"

Hamilton und Vettel gerieten im Rennen aneinander
Doch auch gegen Hamilton gibt es kritische Kommentare. RTL-Kommentator Christian Danner: "Vettel darf sowas nicht machen, aber ich sehe beide in der Pflicht - man darf laut Regelwerk niemand in Gefahr bringen durch unnötig langsames Fahren. Das hat Lewis getan."
Auf der Strecke hat der Brite indes selbst Probleme, verliert die Führung wegen eines nicht richtig befestigten Kopfschutzes und muss zum Sicherheitsstopp. Das macht den Weg frei für Ricciardo, der an Spitze ungefährdet einem überraschenden Sieg entgegenrast.

Strahlender Sieger nach 51 Runden: Dani Ricciardo
Ricciardo strahlt: "Man muss sich hier einfach aus allem Ärger raushalten. Das hat sich heute ausgezahlt!" Red-Bull-Berater Helmut Marko klatscht nach dem ersten Sieg seines Team in dieser Saison unter dem Podium und lacht: "Unerwartet kommt oft! Daniel war wie immer absolut fehlerfrei. Unser Speed war gut und dann haben sich die zwei Herren da vorne missverstanden - das haben wir gerne ausgenutzt."
So lief der Samstag
Lewis Hamilton ist in Baku zur 66. Pole Position seiner Formel-1-Karriere gerast. Der Mercedes-Pilot verdrängte damit am Samstag in Aserbaidschan sein Idol Ayrton Senna von Platz zwei der ewigen Bestenliste, nur Michael Schumacher stand zweimal öfter als der Brite auf dem ersten Startplatz bei einem Grand Prix.
Alle Ergebnisse auf einen Blick: Die Zeiten aus Baku
"Wow, so sollte ein Qualifying sein! Es war eine der aufregendsten Runden im ganzen Jahr. Ich hatte in meiner ersten Runde einen Fehler drin, deswegen war der Druck extrem groß", meinte Hamilton anschließend. "Am Ende war es alles oder nichts. Ich habe Valtteri vor mir auf der Strecke gesehen und einfach nur gehofft, dass es reicht. Ich bin sehr happy", strahlte Hamilton.

Die Top-3 im Quali: Räikkönen, Hamilton und Bottas
Enttäuschung auch bei Red Bull, die am Freitag mit Max Verstappen noch zwei Trainingsbestzeiten gefeiert hatten. Für den Holländer reichte es im Qualifying nur zu einem abgeschlagenen fünften Rang. Noch schlimmer erwischte es Teamkollege Daniel Ricciardo. Der Australier krachte mit seinem Auto in Q3 in die Wand und sorgte etwas mehr als drei Minuten vor Ablauf der Zeit für eine Unterbrechung der Session.
So lief das Training:
Abschlusstraining zum Großen Preis von Aserbaidschan und Valtteri Bottas geht als Favorit auf die Pole-Position ins Qualifying. Denn der Mercedes-Pilot fuhr mit 0,095 Sekunden Vorsprung auf Ferrari-Star Kimi Räikkönen die Bestzeit und hatte als einer der wenigen Top-Piloten keine Probleme. Anders Teamkollege Lewis Hamilton, der als Dritter mit 0,416 Sekunden Rückstand erneut nicht ganz zufrieden sein konnte, sich viel am Funk beklagte und in Kurve acht einmal fast in die Mauer einschlug.

Die Ferrari-Mechaniker machten sich sofort ans Werk
"Wir haben ein Leck in der Hydraulik festgestellt und mussten das deshalb doppelt checken. Das hat natürlich Zeit gekostet, war aber die sichere Variante", sagte ein Ferrari-Sprecher, der die Fans gleichermaßen beruhigte: "Wir hatten das gleiche Problem auch schon in Spanien, damals war danach alles okay fürs Quali."

Max Verstappen rollte mit seinem Red Bull aus
Für Aufsehen sorgte früh in der Session auch Jolyon Palmer, der seinen Renault mit brennendem Motor im Notausgang abstellen musste. Teamkollege Nico Hülkenberg wurde als Elfter abgewunken. Pascal Wehrlein fuhr im Sauber auf die 19. Position.
So lief der Freitag
Max Verstappen war der Mann des Tages am Freitag in Baku: Der Holländer im Red Bull erzielte in beiden Sessions die Bestzeit - und beendete das Training obendrein auch noch mit einem Abflug eine Minute vor Ablauf der Uhr. Trotz seines späten Patzers: Red Bull zeigte sich in starker Verfassung auf dem schnellen Straßenkurs in Aserbaidschans Hauptstadt. Zweiter hinter Verstappen wurde mit einem Zehntel Rückstand Mercedes-Pilot Valtteri Bottas, knapp vor Daniel Ricciardo im zweiten Red Bull - am Vormittag war der Australier noch Zweiter hinter Verstappen.
Alle Ergebnisse auf einen Blick: Die Zeiten aus Baku
Noch hinter Stallrivale Kimi Räikkönen reihte sich WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel als Fünfter ein. Der Heppenheimer verfehlte auf dem kniffligen Stadtkurs in seinem Ferrari oft die Ideallinie und musste mehrfach in den Notausgang ausweichen - genauso wie Titelrivale Lewis Hamilton. Der Mercedes-Star schaffte es mit großem Abstand sogar nur auf den zehnten Rang.

Hamilton und Vettel gerieten im Rennen aneinander
Hamilton selbst glaubt trotz seines schwachen Auftakts, dass dies noch möglich ist. "Wir sind noch im Kampf um die Pole dabei. Valtteri hat heute eine gute Pace gezeigt und wenn ich meine schnellste Runde beende, bin ich auch da vorne", so der Brite. Hamilton beklagte allerdings auch große Schwierigkeiten mit den Reifen. "Sie scheinen hier einfach nicht zu funktionieren, beziehungsweise nur in einem sehr kleinen Abeitsfenster. Es ist komisch", sagte der Mercedes-Star, der ähnliche Probleme diese Saison auch schon auf den Stadtkursen in Sotschi und Monaco hatte.

Strahlender Sieger nach 51 Runden: Dani Ricciardo
Weiter in der Krise steckt McLaren-Honda. Fernando Alonso schied mit einem rauchenden MCL32 aus - ein Getriebeschaden beendete mal wieder vorzeitig die Sessions des Spaniers, der beim Aussteigen wütend seinen Kopfschutz wegwarf. Auch ohne die Probleme vom Freitag starten Alonso und Teamkollege Stoffel Vandoorne wegen Motorstrafen von ganz hinten beim Rennen in Aserbaidschan am Sonntag (15.00 Uhr/RTL und Sky).
So lief das erste Training:
Überraschend starker Auftritt von Red Bull beim ersten Aufgalopp der Formel 1 in Baku. Max Verstappen erzielte mit einer Zeit von 1:44.410 Minuten im ersten Training am Freitag die Bestzeit auf dem Stadtkurs, eine knappe halbe Sekunde vor Teamkollege Daniel Ricciardo. Die beiden Red-Bull-Piloten setzten dabei jedoch auf die superweiche Reifenmischung, anders als Sebastian Vettel, der im Ferrari mit 0,557 Sekunden Rückstand Dritter wurde.
Alle Ergebnisse auf einen Blick: Verstappen mit erster Bestzeit
Video: Formel 1 Ausblick Baku
Hier müssen in Baku die Bremsen greifen
Die Session wurde daraufhin unterbrochen, für Perez war sie mit einem stark demolierten Force India ohnehin vorzeitig beendet. Kleiner Trost für den Mexikaner: Sein Unfall könnte auch ein gutes Omen sein. Denn auch im Vorjahr crashte Perez im Baku-Training, raste im Rennen aber noch aufs Podium.
Weniger positiv sind die Aussichten einmal mehr bei McLaren-Honda. Stoffel Vandoorne und Fernando Alonso belegten im Training nur die Ränge 15 und 17 - schlimmer aber noch: Wegen des umfangreichen Wechsels verschiedener Motorteile, müssen die beiden McLaren-Stars in Baku von ganz hinten starten. Vandoorne bringt es schon zu Beginn des Wochenendes auf 30 Strafplätze, Alonso immerhin auf 15.
Mäßig verlief das erste Training auch für die beiden anderen Deutschen im Feld. Nico Hülkenberg kam im Renault nicht über Rang 14 hinaus, Pascal Wehrlein wurde im Sauber Vorletzter - konnte dabei aber immerhin Teamkollege Marcus Ericsson hinter sich lassen.
Service-Links