Formel 1: Rosberg und Vettel
Als Verlierer in die Sommerpause

Sebastian Vettel und Nico Rosberg dürften alles andere als glücklich in die Formel-1-Sommerpause gehen. Beide fuhren zuletzt den Erwartungen hinterher.
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
Schlimmer hätte es für das gemeine deutsche Sportvolk beim Deutschland GP nicht laufen können: Die einheimischen Superstars Nico Rosberg (Mercedes) und Sebastian Vettel (Ferrari) wurden schwer geschlagen, ein Engländer feiert und Österreicher und Holländer sorgen für die beste Show.
Am schlimmsten: Die Ereignisse beim Rennen in Hockenheim waren ein Spiegel für die Zukunft. Spiegel Nummer eins: Nico Rosberg. Viel hatte sich der Deutsche beim Heimrennen vorgenommen. Der gebürtige Wiesbadener mit Wohnsitz in Monaco wollte nicht nur sein Heimrennen gewinnen, er wollte zudem die WM-Führung von Teamkollege Lewis Hamilton zurückerobern.
Was passierte: Nach der Pole-Position am Samstag verschlief er den Start, seine Reifen bauten im Rennen zu schnell ab, eine Strafe für ein unfaires Überholmanöver gab's obendrein. Am Ende wurde Rosberg nur Vierter hinter Hamilton und den beiden Red-Bull-Piloten Daniel Ricciardo (Australien) und Max Verstappen (Holland). In der WM-Wertung hat der Deutsche jetzt 19 Punkte Rückstand auf den immer mehr als unbezwingbar wirkenden Hamilton. Das ist fast ein Sieg, für den es in der Königsklasse 25 Punkte gibt.

Für die deutschen Formel-1-Hoffnungen Rosberg und Vettel läuft es derzeit nicht gut
Nur Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve hält von den Insidern noch die WM-Chancen von Rosberg hoch. "Zugegeben", so der Kanadier, "Hockenheim war nicht gut für Rosberg. Trotzdem bin ich der Meinung, dass Nico wütender ist und hungriger auf den Titel als Lewis. Der will nur noch den Superstar spielen während Nico die Siege will. Ich glaube am Ende wird das trotz aller Entwicklungen den Unterschied für Rosberg ausmachen!"
Noch trostloser sieht es für Sebastian Vettel bei seiner Mission aus, Ferrari wieder wie einst Michael Schumacher zu Triumphen und Titel zu führen. Spiegel Nummer zwei: Ferrari wirkt im Moment wie ein Schiff in einer stürmischen, extrem nebeligen See. Jeder stochert herum, erkennt weder Freund noch Feind, aber alle hoffen, dass ihnen das helle Licht, das in der Ferne wie ein Leuchtturm auf einem Berg steht, den richtigen Weg weist. Der Leuchtturm ist Präsident Sergio Marchionne, nach dem sich alle orientieren. Problem: Für viele erweist sich der Leuchtturm als Irrlicht - sie zerschellen an einer Klippe wie jüngst Cheftechniker James Allison, der kurz vor Hockenheim frustriert das Handtuch warf.
Ein Grund für das Chaos beschreibt ein Insider, der mit Ferrari zu tun hat: "Bei Meetings sitzen oft bis zu acht Ferrari-Mitarbeiter aus acht Abteilungen mit am Tisch. Mit dem Ergebnis: acht Ferrari-Leute, acht Meinungen!"
Rosberg in Hockenheim: Schnarch-Start, Strafe, Stoppuhr-Panne
Vettel stellt sich dennoch immer noch demonstrativ vor sein Team. Aber glaubt er das auch? Denn die Tendenz zeigt klar nach unten. Statt Herausforderer Nummer eins von Mercedes zu sein, wurde Ferrari von Red Bull überholt. Die Tendenz geht dabei weiter nach unten. Es ist deshalb nicht arrogant, wenn Vettels Ex-Chef-Chef, Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko meint: "Wer bis 2020 Weltmeister werden will, muss in einem Mercedes oder Red Bull fahren!"
Vettel, der nach außen den Lockeren gibt, kocht innerlich, glauben Experten. Gerade der Statistikvergleich mit Hamilton müsste ihn in Rage bringen, sind sich Vettel-Insider wie Helmut Marko sicher. "Er studierte bei uns immer stundenlang, wo er in welchem Bereich gerade in der aktuellen ewigen Rangliste steht", sagt Marko.

Pannen wie der Reifenplatzer von Spielberg ziehen sich durch Vettels Saison
Für die größte Unterhaltung in Hockenheim sorgten der Australier Daniel Ricciardo und sein holländischer Teamkollege Max Verstappen im österreichischen Red-Bull-Team. Beim Start trennten die beiden nur Millimeter im beinharten Erste-Kurven-Duell. "Aber", sagt Helmut Marko, "das ist der Unterschied. Die beiden respektieren sich im Gegensatz zu den Mercedes-Piloten." Berger gibt sogleich die nahe Zukunftsperspektive, die für die Deutschen Noch-Superstars Rosberg und Vettel eher düster aussieht: "Spätestens 2017 sind Ricciardo und Verstappen die stärkste Fahrerpaarung in der Formel 1."
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