Nach dem Drohnenangriff auf eine Raffinerie des Saudi-Arabischen Öl-Multis Aramco während des ersten freien Trainings diskutiert die Formel 1 über den GP Saudi-Arabien: Fahren oder Absagen? Eine erste Entscheidung ist gefallen. Die Rennserie bleibt mit dem Fuß auf dem Gas – obwohl Politik-Experten ein Risiko für weitere Angriffe nicht ausschließen wollen.
Hintergrund: Seit 2015 herrscht ein Konflikt im Jemen, in den sich auch Saudi-Arabien eingemischt hat und seitdem immer wieder von den Huthi-Rebellen attackiert wird. In der letzten Woche und auch heute konnten diverse Raketen und Drohnen den Luftabwehrschild des Königreichs durchdringen.
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„Dass es jetzt diese Angriffe hier in Jeddah gibt, ist ja klar“, räumt Red Bull-Motorsportberater Helmut Marko ein. „Die Rebellen wissen ganz genau, welches Event an diesem Wochenende stattfindet und wollen die Bühne natürlich nutzen. Aber solange die Sicherheit der Formel 1 gewährleistet werden kann, sollten wir fahren.“
Geht es nach den Veranstaltern, stellt sich die Frage nicht. Sicherheit habe oberste Priorität, lässt der Promoter ausrichten. Gefährdet sei sie keineswegs. Parallel geistern Bilder einer riesigen Feuerwolke durchs Internet. Doch die werden gekonnt ignoriert. „Wir freuen uns darauf, die Fans für ein Wochenende mit Premium-Rennsport und Unterhaltung willkommen zu heißen.“
FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem erklärt naiv: „Sie zielen auf die Infrastruktur, nicht die Zivilisten und natürlich nicht auf die Strecke wir haben die Fakten gecheckt und Versicherungen von höchster Ebene. Lasst uns weiter Rennen fahren!“
Nur Sebastian Vettel (34) lässt sich keinen Maulkorb verpassen.

Während Saudi-Arabien sich selbst inszeniert, bleibt Teams und Fahrern nur die Statisten-Rolle. McLaren-Teamchef Andreas Seidl verrät: „Uns wurde gesagt, dass unsere Sicherheit nicht gefährdet ist. Wir vertrauen da den Entscheidungen der Formel 1.“
Das Problem: Autokratische Länder überweisen der Königsklasse Millionen, um ihr Image über den Sport reinzuwaschen. Der Betrag, den Saudi-Arabien für seinen Zehn-Jahre-Kontrakt bezahlt, soll sich auf 900 Millionen Dollar belaufen.
"Deshalb wird jetzt sicher auch Druck ausgeübt", glaubt Sky-Experte Ralf Schumacher. "Es geht um politischen Einfluss und viel Geld. Die Formel 1 hat einen langfristigen Vertrag und will den nicht riskieren." Darum stiehlt sie sich aus der Verantwortung. Laut Mercedes-Teamchef Toto Wolff soll man den Teams freigestellt haben, auf einen Start zu verzichten.
Ralf Schumacher hat seine Entscheidung längst getroffen. Er reist nach Auto Bild-Informationen zurück nach Hause. Auch sein britischer Kollege Damon Hill ist fassungslos: „Wie unpassend ist das?“, twittert er. „Kein Grund zur Beunruhigung. Das Rennen läuft. Es wird interessant sein zu sehen, wie damit umgegangen wird. Die F1 spielt buchstäblich mit dem Feuer.“
Allein: Unbequeme Aussagen wie diese sind nicht erwünscht. Offenbar auf Wunsch des Automobilweltverbands FIA wurden alle TV-Runden der Fahrer nach dem Training abgesagt. Ein besorgt aussehender Mick Schumacher wollte sich schon nach dem ersten Krisen-Meeting nicht zur Situation äußern und mogelte sich schuldbewusst an den TV-Kameras vorbei. Bis drei Uhr morgens konferierten die Piloten – doch den Mut zum Boykott hatten sie nicht.
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Nur Sebastian Vettel (34) lässt sich keinen Maulkorb verpassen. Der Deutsche, dessen Aston Martin-Team genau wie die Formel 1 selbst von Aramco gesponsert wird, ist weiterhin Corona-positiv und kuriert sich daheim in der Schweiz aus.
Vettel ist der Klassensprecher der Formel 1, wenn es um Gerechtigkeit, Demokratie und Freiheit geht. Schon im Vorjahr war er ein Kritiker von Rennen wie dem in Saudi-Arabien, wo massiv gegen Menschenrechte verstoßen wird. Erst vor kurzem wurden 81 Menschen an einem Tag hingerichtet.
Wie passend, dass der Heppenheimer zum fragwürdigen Grand Prix am Mittwoch in einem Interview mit der ARD und der DPA Stellung nahm: „Wie unabhängig kann man sein, wenn man auf der Lohnliste steht“, hinterfragt er da die Rolle des Sports bei seinen Auftritten in autokratischen Staaten. „Man kann sagen: Boykottieren, gar nicht erst hingehen. Anderseits kann man mit dem Gedanken hingehen: Wir vertreten unsere westlichen Werte, zeigen unsere Freiheit und stehen dafür ein. Die Frage ist, wie mutig man sein kann, wenn man bezahlter Gast ist?“
Der Hesse erklärt das Dilemma, in dem sich die Königsklasse befindet: „Es ist ja nicht so, dass die Formel 1 sich das aussucht auf der Landkarte. Es ist eher so, dass die Länder auf die Formel 1 zukommen und es Teil des Geschäftsmodells ist, dass Austragungsorte sehr viel Geld dafür in die Hand nehmen. Traut man sich, dagegen zu schießen, wenn man dort ist? Andererseits gibt es gewisse Werte, für die wir einstehen müssen, weil sie größer sind als finanzielle Interessen.“
Genau deshalb müsse man den Sport in die Pflicht nehmen. „Es ist ein Spagat zwischen finanziellen Interessen, um den Sport so auszutragen, wie wir ihn kennen, und der kritischen Betrachtung“, so Vettel. „Es geht nicht nur um Saudi-Arabien und Bahrain, die Olympischen Spiele waren in China. Die Frage ist, wie viele Länder noch übrigbleiben, wenn man sich allein den Formel-1-Kalender ansieht. Aber eigentlich sollte es eine einfache Frage sein. Es geht ja um Vorbilder, gerade auch für junge Leute. Einerseits ist es Unterhaltung, anderseits hat man auch Verantwortung und sollte schauen, dass man mit den richtigen Werten und Symbolen vorangeht.“
Vielleicht denken die Macher der Königsklasse ja doch noch um. Lieber auf etwas Geld verzichten und dafür auf Nummer Sicher gehen. Man könnte zum Beispiel am Nürburgring zu fahren, wo nur das Wetter der Feind ist.

Formel 1 im TV

2022 läuft die Formel 1 bei Sky. Der Sender hat bereits letztes Jahr eigens für die Königsklasse einen neuen TV-Sender eingeführt: Sky Formel 1. Hier gibt es 24 Stunden am Tag Motorsport. Alle Trainingssitzungen, alle Qualifyings, alle Rennen immer live und ohne Werbeunterbrechung. Dazu überträgt Sky auch die Rahmenrennen Formel 2Formel 3 und den Porsche Supercup. Auf dem Programm stehen zudem historische Rennen und Sondersendungen.

Von

Bianca Garloff