Herr Vettel, Sie haben in Silverstone Demorunden in Nigel Mansells Williams gedreht. Was fasziniert Sie so an alten Autos?
Sebastian Vettel (35):
 Es war wie eine Zeitreise. Es muss damals unglaublich gewesen sein, diese Autos zu fahren. Es hat mich förmlich angeschrien: ‚Warum lupfst du?‘ (lacht)
Wie groß ist der Unterschied zwischen 30 Jahren Formel 1?
Das Schalten war grausam, richtig ungemütlich im Vergleich zur heutigen Technik. Die Autos haben heute natürlich auch mehr Leistung. Aber das geringere Gewicht spürt man, insbesondere wenn man das Auto um die Kurven wuchtet.
Der Umwelt zuliebe haben Sie synthetischen, also umweltfreundlichen Sprit verwendet. Wie wichtig war Ihnen das?
Ich habe den Williams mit der Ambition gekauft, ihn auch zu fahren. Als ich die Idee hatte, 30 Jahre nach Mansells WM-Titel sein Auto in Silverstone zu bewegen, wollte ich nicht einfach nur Sprit verbrennen. Das hätte sich nicht richtig angefühlt. Deshalb habe ich mich gefragt, wie man es verantwortungsbewusster machen könnte. Das CO2-neutrale Benzin war die Lösung.
Noch hat Vettel keine Entscheidung über seine Zukunft gefällt.

2026 soll die Formel 1 vollständig auf nachhaltigen Kraftstoff setzen. Nimmt die Königsklasse damit eine Vorreiterrolle für die Automobilindustrie ein?
Die synthetischen Kraftstoffe sind eine großartige Technologie, aber sie lösen nicht alle Probleme. Da müssen wir ehrlich sein. Sinnvoll sind sie für Trucks, Schiffe und Flugzeuge – und eben auch für historische Formel-1-Autos oder generell für den Motorsport. Damit wir das, was wir tun, auf eine nachhaltigere Weise machen können.
Vor zehn Jahren haben sie sich noch nicht für Nachhaltigkeit stark gemacht. Wie kam es zum Sinneswandel?
Vor zehn Jahren habe ich auch keine Plastikflaschen durch die Gegend geschmissen. Aber natürlich habe ich diesen Dingen damals nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie verdient hätten. Heute können wir nicht mehr warten. Die jungen Leute sehen, welche Welle da auf uns zukommt und sie schreien nach Hilfe. Ich finde es nicht fair, dass die Jungend die Fehler der älteren Generationen ausbaden muss.
Wie können Sie als Rennfahrer helfen?
Ich bin kein Heiliger, ich kann niemandem vorschreiben, wie er sich benehmen soll. Aber ich versuche ein gutes Beispiel abzugeben und die Plattform Formel 1 zu nutzen, um Menschen zu inspirieren. Nach Spielberg bin ich beispielsweise mit dem Auto gefahren, statt zu fliegen. Ich mache das nicht zum Selbstzweck, sondern fürs große Ganze. Und vielleicht treibt mich beim Thema Nachhaltigkeit ja auch die typische Frage von Formel-1-Fahrern an: Warum sind wir nicht schnell genug?
Vettel fährt in Spielberg wieder mit einem speziellen Helm-Desing. Diesmal im Bienen-Look.


Wie lange wollen Sie diese Frage in der Formel 1 noch stellen? Ihr Vertrag mit Aston Martin läuft aus, Ihr Teamchef will Sie aber halten. Wollen auch Sie bleiben?
Die Entscheidung steht noch aus. Aber ich werde in den kommenden Wochen darüber nachdenken.
Wovon hängt Ihre Entscheidung ab?
Natürlich auch davon, in welche Richtung sich das Auto entwickelt, wie viel Potential ich im Team sehe. Ich habe ja schon mehrfach betont, dass ich um Punkte, aber auch um Siege kämpfen will. Ansonsten kommt der Spaß abhanden. In den nächsten Wochen muss ich mir gemeinsam mit meiner Familie also darüber klar werden, wie realistisch meine Ziele sind und wie viel Energie ich noch in mir spüre, um gemeinsam mit dem Team weiter zu wachsen.
Käme auch ein Teamwechsel für Sie infrage? 
Darüber denke ich derzeit nicht nach. Aston Martin ist mein erster Ansprechpartner und das Projekt, das ich voranbringen möchte.

Von

Alexander Warneke
Bianca Garloff