Noch zwei Rennen in Frankreich und Ungarn – dann steht die Sommerpause vor der Tür. Und damit auch die sogenannte Silly Season der Formel 1, in der über die Fahrerpaarungen des nächsten Jahres diskutiert wird.
Im Mittelpunkt steht diesmal erneut Sebastian Vettel (35). Der viermalige Weltmeister aus Heppenheim muss sich entscheiden: weitermachen in der Formel 1 oder den Rennfahrer-Helm an den Nagel hängen.
Wenn es nach seinem Team Aston Martin geht, besteht kein Zweifel: Gemeinsam mit dem Deutschen will man den nächsten Schritt in Richtung Podium machen.
„Sebastian kennt unsere Meinung“, sagt Aston Martin-Teamchef Mike Krack zu F1-Insider.com. „Er weiß, dass wir unbedingt mit ihm weitermachen wollen. Es gibt Gespräche, bei denen wir uns grundsätzlich austauschen, wie wir uns eine gemeinsame Zukunft vorstellen können. Wir lassen uns damit Zeit.“
Aston Martin-Teamchef Mike Krack.

Eine Deadline gebe es nicht, aber: „Klar, irgendwann kommt es zum Punkt, wo man sich entscheiden muss“, so Krack. „Aber ich habe nicht das Gefühl, dass er auf Zeit spielt, sondern es sofort sagt, wenn er sich über seine Zukunft im Klaren ist. Ich denke, nach der Sommerpause ist die Zeit, wo man konkreter werden kann und muss. Bis dahin haben wir auch keinen Plan B. Weil wir ja wollen, dass Sebastian bei uns bleibt.“
Aber warum hängt man beim Team des britischen Sportwagenherstellers so an Vettel, obwohl der Hesse mit seinem Kampf für mehr Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung manchmal auch unbequem ist?
Krack: „Es fängt damit an, dass er ein vierfacher Weltmeister ist, dementsprechend einen riesigen Erfahrungsschatz mitbringt und immer noch superschnell ist. Dazu kommt: Er hat eine Arbeitsauffassung, die ich so intensiv noch bei keinem anderen Rennfahrer erlebt habe. Er war schon aber immer so, von Anfang an war er ein extrem harter Arbeiter. Er ist oft schon vor den Meetings da, um in Ruhe noch mal Daten einzusehen, um dann Vorschläge machen zu können.“
Aber Vettels Qualitäten liegen nicht nur auf der technischen Seite. „Er beschäftigt sich mit allem und macht beispielsweise auch Vorschläge, wie man die Teamstruktur verbessern kann“, verrät der Luxemburger. „Er macht das aber alles auf eine nette und konstruktive Art. Das kann wirklich nicht jeder. Viele Rennfahrer sind schnell frustriert und machen über die Medien unnötigen Druck. Das habe ich bei Sebastian noch nie erlebt.“
Im Gegenteil: Vettel sei sehr selbstkritisch und gebe Fehler schnell zu. „Welcher mehrfache Weltmeister kann das schon von sich behaupten?“, fragt der Teamchef rhetorisch. „Und: In Monaco zum Beispiel konnte man sehen, wie er als Fahrer den Unterschied machen kann. Da konnte man auch sein Lächeln wieder sehen. Und genau das wollen wir: ihn lachen sehen! Und das noch lange bei uns. Wir müssen als Team alles versuchen und auf seine Wünsche eingehen, wenn es ums Auto geht.“
Dafür muss es beim kommenden Rennen in Le Castellet aber besser laufen als in Spielberg. Da wurde Vettel nur 17. und Letzter.

Von

Bianca Garloff